Powerstations als Reservekanister fürs E-Auto
Defekte Ladesäulen, Kälte oder ein Akku, dessen Ladestand plötzlich sinkt: Wenn die Reichweite gegen null geht, kann eine Powerstation helfen. Wie weit ein E-Auto damit im Notfall noch kommt.
Keine Sorge vor zu geringer Reichweite: Größere Batterien, ein engmaschigeres Ladenetz und integrierte Navigationssysteme machen die Streckenplanung einfacher und sorgen für eine zuverlässige Stromversorgung.Bernd Thissen/dpa
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Reichweitenangst - das Gefühl, dass die Batterie des E-Autos leer ist, obwohl man noch gar nicht am Ziel ist. Oder schlimmer - nicht mal in der Nähe der nächsten Ladesäule. Dann bleibt nur noch der Pannendienst - inklusive womöglich langer Wartezeiten.
Reichenweitenangst - bei modernen E-Autos eher unbegründet
Wie wahrscheinlich ist ein solches Schreckensszenario? „Die Sorge, mit leerer Batterie liegen zu bleiben, war bei frühen Elektroautos angesichts kleiner Akkus und eines dünnen Ladenetzes nachvollziehbar“, notiert etwa der Auto Club Europa (ACE). Doch heute hätten viele Autos deutlich größere Reichweiten. Dazu gebe es eine erheblich dichtere und leistungsfähigere öffentliche Ladeinfrastruktur. Zudem übernimmt bei den meisten Autos die integrierte Navigation die Planung geeigneter Ladestopps. Ladestand, Strecke und verfügbare Ladepunkte würden dabei berücksichtigt.
Es gibt doch keinen Reservekanister für E-Autos - oder doch?
Also kein Problem? Und einen Kanister für E-Autos gibt es ja eh nicht? Doch gibt es, und in manchen Situationen kann das sinnvoll sein. Sogenannte Powerstations lassen sich als „Reservekanister“ für Strom umfunktionieren. Das sind quasi die großen Geschwister der Powerbanks wie man sie etwa fürs Handy oder Notebook kennt - im Prinzip große, tragbare Akkus, unter anderem auch mit 230-Volt-Steckdose. Daran kann man auch E-Autos anschließen.
Die können sinnvoll sein und zumindest etwas Energie spenden, falls die Batterie des E-Autos leer ist und man liegenzubleiben droht. Obwohl E-Auto-Hersteller immer eine kleine Reserve einplanen, die noch unter dem angezeigten Ladezustand im Notfall zur Verfügung steht, kann das durchaus passieren. Etwa wenn eine eingeplante Ladesäule defekt ist oder doch zu weit entfernt liegt, erläutert die „Computer Bild“ online. Auch Kälte kann dazu führen, dass die Reichweite geringer ausfällt als erwartet. Eine zu lange Standzeit des Autos oder versteckte Verbraucher wie App-Zugriffe aus der Ferne könnten ebenfalls Gründe sein. Zudem kann es passieren, dass bei sehr beanspruchten Akkus am Ende die Kapazität „springen“ kann - ganz unerwartet etwa von 10 auf 3 Prozent.
Eine Powerstation ist kein Reichweitenverlängerer
Aber man muss die Erwartungen herunterschrauben. Denn sinnvolle Größen starten ab etwa 1 Kilowattstunde (kWh) und enden bereits bei 2 bis 3 kWh - da sie dann schon ein sehr ordentliches Gewicht bekommen. Im Schnitt wiegt eine Powerstation mit 1 kWh schon 12 Kilo. Mit 2 kWh werden schnell 25 Kilo daraus. Dazu kommen die Preise: Selbst günstige Powerstations mit 1 kWh Leistung kosten immer noch um die 400 Euro, Modelle mit 2 kWh rund das Doppelte.
So geht es um eine Notlösung, um bei Bedarf aus gefährlichen oder unbequemen Situationen zu entkommen. Etwa, vom Pannenstreifen der Autobahn herunterzukommen oder die letzten 5 Kilometer heimzuschaffen.
Die „Computer Bild“ rechnet vor: Eine durchschnittliche 1-kWh-Powerstation kann in der Praxis maximal 0,8 kWh Energie in den Autospeicher bringen. Daraus werden bei einer „sparsamen, zweckdienlichen Fahrweise“ unter bestimmten Bedingungen mit maximal Tempo 50 rund 10 Kilometer Reichweite berechnet. Wer noch langsamer fährt, kommt entsprechend weiter. Eine 2-kWh-Powerstation verdoppele die Reichweite. Dazu kommt: Der Ladevorgang dauert je nach Powerstation etwa 30 bis 45 Minuten.
Auch muss in den Einstellungen einiges kompatibel gemacht werden, etwa die Ladeleistung des Autos, um den Stromhelfer nutzen zu können. Zudem muss eine Powerstation wie jede Ladung sicher verstaut werden.
Fazit: Wer weite Strecken mit dem E-Auto zurücklegt, hat mit einer solchen Powerstation eine zusätzliche Reserve - sie ist allerdings nur für den Notfall gedacht. Nach etwas weniger als einer Stunde steht je nach Modell die Energie für die nächsten 10 oder 20 Kilometer parat.