Warum der manuelle Öl-Check im Auto wichtig bleibt
Elektronische Anzeigen im Auto sind praktisch, ersetzen aber nicht immer die manuelle Kontrolle von Öl und Kühlwasser. Worauf man dabei laut Experten besonders gut achten sollte.
Manuelle Kontrolle bleibt wichtig: Auch bei modernen Autos mit elektronischer Anzeige empfiehlt sich der traditionelle Check mit dem Ölmessstab.Christin Klose/dpa-tmn
© Christin Klose/dpa-tmn
Moderne Zeiten können praktisch sein, so melden moderne Autos einen Ölstand oft automatisch. Doch auch wenn solche Systeme vorhanden sind, rät der Auto Club Europa (ACE) das Öl regelmäßig manuell zu kontrollieren. Ein zu niedriger Ölstand kann zu erhöhtem Motorverschleiß führen, weshalb bei Bedarf nachgefüllt werden sollte. In der Regel funktionierten elektronische Ölstandskontrollen zuverlässig.
Einige Fahrzeuge verfügten jedoch nicht über eine genaue Anzeige des Stands - zum Beispiel über ein Balkendiagramm.
- Stattdessen warnen sie laut ACE nur, wenn bereits zu wenig Öl vorhanden ist.
- Zudem würde ein zu hoher Ölstand nicht von allen Fahrzeugen angezeigt.
- Dies könne nicht nur durch zu viel Nachfüllen kommen, sondern auch durch eine sogenannte „Ölverdünnung – wenn Kraftstoff ins Öl gelangt.“
Hier riecht doch was komisch
So etwas fällt aber auf, wenn traditionell am Messstab abgelesen werde. Denn dann riecht das Öl nach Kraftstoff. Auch einer der Vorteile des manuellen Checks: Auch optische Dinge können auffallen – und auf mögliche Probleme hinweisen. So etwa könnten weiße Schlieren am Messstab oder pechschwarzes Motoröl darauf hindeuten, dass „etwas nicht stimmt oder dringend ein Service fällig ist“, so der ACE.
Dann ist da die Farbe: Wird Motoröl innerhalb kürzester Zeit nach dem Ölwechsel pechschwarz, deutet das laut ACE auf Verbrennungsrückstände im Öl hin - ein Zeichen von Verschleiß. Bei einzelnen Motoren könne dies der Regelfall sein, das sollte aber abgeklärt werden.
Eine feste Regel, wie oft kontrolliert werden soll, gibt es dem ACE zufolge nicht. Doch nennt der Club als Faustregel, das etwa jeden dritten Tankstopp zu machen.
So wird am besten gemessen
Schauen Sie in die Betriebsanleitung des Autos. So können je nach Modell etwa die Herstellerangaben bezüglich der Wärme des Motors tatsächlich variieren. Doch vom Grundsatz her wird das Öl bei betriebswarmem Motor geprüft. So sollte man nach dem Ausschalten des Motors etwa fünf bis zehn Minuten warten.
Denn so hat das Öl genug Zeit, in die Ölwanne zurückzulaufen. Tipp, wenn man es beim Tanken machen will: Erst tanken, dann bezahlen, dann beginnen, den Ölstand zu messen. Und natürlich muss das Auto auf einer ebenen Fläche stehen, damit der Ölstand überall in der Ölwanne gleich hoch ist.
Dann bitte so:
• Ölmessstab herausziehen
• abwischen
• wieder ganz reinstecken
• abermals herausziehen und den Ölstand ablesen.
Wie der Stand korrekt ist, ist der jeweiligen Betriebsanleitung zu entnehmen – in der Regel liegt der optimale Wert zwischen „Min“ und „Max“.
Flüssigkeitsstände auch beim Kühlmittel checken
Auch das Kühlwasser sollte von Zeit zu Zeit überprüft werden. Die Kontrolle bei heißem Motor ist möglich, wenn dazu nichts geöffnet werden muss. Das ist bei lichtdurchlässigen Ausgleichsbehältern der Fall. Der Flüssigkeitsstand sollte dann zwischen „Min“ und „Max“ liegen.
Fehlt tatsächlich etwas, kann mit Wasser ergänzt werden. Doch rät der ACE zu einer anschließenden Kontrolle durch eine Werkstatt. Denn wenn viel Wasser oder mehrmals nachgefüllt werden muss, sollte diese prüfen, ob der Kühlmittelanteil im Wasser noch ausreicht und nach der Ursache des Wasserverlusts suchen.
Achtung Verbrühungsgefahr
Zum Nachfüllen sollte der Behälter nur geöffnet werden, wenn die Wassertemperatur unter 90° Celsius liegt. Dazu kann man die Wassertemperaturanzeige im Cockpit beachten. Als Alternative rät der ACE: Mit genug Abstand mit dem Handrücken fühlen, ob der Ausgleichsbehälter beziehungsweise der Kühler noch sehr heiß ist.
Den Kühlwasserdeckel immer mit einem Tuch abdecken und langsam öffnen. Sonst besteht akute Verbrühungsgefahr. Wird aber bei ganz kaltem Motor ein Nachfüllen erforderlich, sollte laut ACE nur zur „Minimal-Markierung“ aufgefüllt werden - denn wird es heiß, dehnt sich das Wasser aus.
Wer regelmäßig nachfüllen muss, wird besser hellhörig
Ein geringer Verbrauch von Motoröl und ein minimaler Verlust an Kühlmittel kann normal sein. Beim Motorölverbrauch gilt laut ACE je nach Auto und Motor bis zu 0,5 Liter auf 1.000 Kilometer noch als unkritisch. Allerdings liege der Ölverlust bei modernen Motoren in der Regel deutlich darunter. Wiederum geben je nach Motor und Alter des Autos die Hersteller auch höhere oder niedrigere Verbräuche an.
Kühlmittel indes sollte nahezu verlustfrei im System verbleiben. Ein minimaler Rückgang kann etwa durch Verdunstung über lange Zeiträume vorkommen. Aber: Wenn man in kurzen Abständen Öl oder Kühlmittel nachfüllen muss, sollte der Weg bald in eine Werkstatt führen. Denn unter anderem eine defekte Zylinderkopfdichtung, undichte Kühler oder leckende Wasserschläuche können mögliche Ursachen sein.