Mit dem Uncharted wagt sich Subaru auf neues Terrain
Von wegen bärige Boxer-Motoren und ein Abo auf Allrad. Mit dem handlichen Uncharted bricht Subaru weiter mit seinen Traditionen - und senkt zugleich die Hürde für den elektrischen Einstieg.
Voran auf allen Vieren? Was die Räder angeht, ja. Aber nicht jeder Uncharted muss mit Allradantrieb geordert werden.Andre Tillmann/Subaru/dpa-tmn
© Andre Tillmann/Subaru/dpa-tmn
Auch Subaru ist nicht immun gegen den Zeitgeist und dessen Kapriolen. Zwar hat die japanische Nischenmarke
- immer ihren eigenen Charakter bewahrt,
- rustikale Designs gegen Raumschiffe auf Rädern gestellt,
- sich mehr noch als Quattro-Erfinder Audi auf den Allradantrieb versteift,
- neben Porsche als einzige Marke den Boxer-Motor propagiert,
- sich lange gegen den Elektroantrieb gesperrt.
Doch: Peu à peu schwenken auch die Japaner auf den Mainstream ein und werfen alte Standards über Bord. Mit dem Uncharted machen sie nun dem nächsten Schritt.
Wenn das kompakte Coupé in diesem Sommer in den Handel kommt, ist es nach dem Solterra der zweite rein elektrische Subaru und das aktuell einzige Modell, das auch nur mit Frontantrieb angeboten wird. Allerdings darf man diesen Kurswechsel nicht Subaru alleine zuschreiben. Sondern im Grunde ist der Uncharted ein Überläufer von Subaru-Großaktionär-Toyota, wo er seit diesem Frühjahr als C-HR+ verkauft wird. Während er dort bei 41.990 Euro startet, beginnen die Subaru-Preise bei 36.990 Euro.
Wichtiger jedoch ist der Preisabstand zum großen Bruder Solterra: Mit dem Verzicht auf etwas Akku-Kapazität und den E-Motor an der Hinterachse wird der Einstieg ins Elektrozeitalter für Subaru-Kunden bei Subaru um 6.000 Euro billiger.
Platz sparen ohne Platzeinbußen
Zwar ist der Uncharted etwas kleiner als der Solterra, schrumpft in der Länge um 14 und im Radstand um 10 Zentimeter. Doch weil noch immer 4,54 und 2,75 Meter im Datenblatt stehen, sitzt man innen selbst auf der Rückbank noch bequem. Und der Kofferraum ist mit 403 bis 1.323 Litern allemal alltagstauglich. Erst recht, weil es auch reichlich Ablagen gibt. Allerdings muss man dafür ein bisschen Tetris spielen und die beiden Platten des doppelten Ladebodens geschickt sortieren.
Wer stattdessen nach vorn ausweichen möchte, der hat im Uncharted schlechte Karten: Anders als viele Konkurrenten bieten die Japaner unter der Bughaube keinen weiteren Kofferraum. Was einem immer dann auffällt, wenn man unterwegs ausnahmsweise mal das eigene Ladekabel braucht, und das dann natürlich immer unter dem Ladeboden liegt. Und wo wir gerade beim Meckern sind: Für ein Handschuhfach hat es irgendwie auch nicht gereicht.
Lieber tasten statt touchen
Umso besser und bewährter ist der Rest des Innenlebens. Denn Toyota pfeift auf den großen Trend zur radikalen Digitalisierung und hält stattdessen klassischen Tasten die Treue. Natürlich gibt es digitale Instrumente, die so hoch stehen, dass sich die Japaner ein Head-up-Display verkneifen. Und es gibt einen großen Touchscreen daneben, auf dem smarte Software mit Sprachsteuerung und Ladeplanung läuft, selbst wenn es da mittlerweile deutlich intelligentere Pfadfinder gibt.
Aber das ungewöhnlich kleine Lenkrad ist gespickt mit Knöpfen, um den Schaltknubbel auf der Mittelkonsole zwischen den Sitzen gibt es reichlich Tasten und auch Spiegel und Lenkrad stellt man noch mit Muskelkraft ein, statt mit der Fingerkuppe auf dem Bildschirm. Selbst für die Regelung von Temperaturen und Lautstärke haben sie noch mal zwei, drei analoge Knöpfe auf den digitalen Screen gepappt.
Endlich ein Elektroauto, das nicht beliebig fährt
Das größte Plus des Uncharted ist allerdings sein Fahrverhalten. Subaru macht sich die besonders steife Batterie-Plattform von Toyota zunutze und hat den Stromer für ein Auto seiner Klasse ungewöhnlich stramm und agil ausgelegt.
Zwar bietet das Fahrwerk allemal genügend Komfort auch für die entspannte Fahrt zum Kindergarten. Und weil das SUV-Coupé besonders windschnittig ist, hat der Nachwuchs dabei seine Ruhe. Außerdem sprechen die E-Motoren betont sanft an und gehören zur leiseren Sorte.
Doch wenn der Fahrer auf dem Rückweg alleine ist, kann er mit dem Auto auch seinen Spaß haben. Es rollt komfortabel, aber bestimmt ab, die Lenkung ist präzise und messerscharf, und wie immer beim Elektromotor ist der Antritt fast so gut wie bei einem Sportwagen.
Sportsgeist im Topmodell
Allerdings muss man dafür schon das Topmodell wählen. Denn wer in der Basisversion mit 123 kW/167 PS und Frontantrieb unterwegs ist, der kann zwar in ordentlichen 8,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen, wird aber schon bei 140 Sachen wieder eingebremst. Alternativ gibt es einen Fronttriebler mit 165 kW/224 PS, der dann immerhin Auslauf bis 160 km/h bekommt.
Aber erst als Allradler lässt der Subaru seine Muskeln spielen. Die zwei Motoren kommen dann zusammen auf 252 kW/343 PS, und bei einem Sprintwert von 5,2 Sekunden beginnt der Puls zu rasen. Und weil Subaru schließlich eine Reputation im Gelände hat, gibt’s ein paar spezielle Fahrprogramme für Matsch und Modder und Finessen wie eine Bergabfahrhilfe, die man sonst eher in ernsthaften SUVs erwartet.
Langsam laden, aber dafür auch bei Kälte
Die Energie dafür liefert im Basismodell ein Akku mit 57,7 kWh, der für 451 Normkilometer steht. Die beiden anderen Versionen fahren mit einer solide 77 kWh großen Batterie und schaffen eine Reichweite von bestenfalls 592 Kilometern. So weit, so gut. Schwierig wird es erst, wenn die Energie zur Neige geht. Denn beim Laden ist der Subaru von der lahmen Sorte.
Am Wechselstrom sind 22 kW zwar Standard. Aber am Gleichstrom sind mehr als 150 kW nicht drin. Das sind viele Konkurrenten deutlich weiter. Immerhin: Subaru verspricht ein ausgesprochen breites Plateau auf der Ladekurve. Vereinfacht heißt das: Der Akku soll über einen großen Bereich hinweg mit hoher Leistung Energie aufnehmen können. Die Japaner stellen eine Ladung von 10 auf 80 Prozent in 28 Minuten in Aussicht.
Außerdem lässt sich der Akku vorkonditionieren, sodass die Ladezeit auch im Winter nicht einbricht. Selbst bei -10° Celsius soll es nur zwei Minuten länger dauern.
Fazit: Nicht neben der Spur, sondern mit dem Strom
Er fährt sehr ordentlich, ist gut ausgestattet und hat einen konkurrenzfähigen Preis - so wird der Uncharted zu einem soliden Mitläufer in der elektrischen Kompaktklasse. Mit allenfalls durchschnittlicher Ladeleistung und rückständiger elektrischer Routenplanung reicht es allerdings nicht, um ein Ausrufezeichen zu setzen. Das gibt’s alleine übers Markenzeichen. Denn war Subaru schon in der vorelektrischen Welt ein Sonderling, wird ein E-Modell der Marke erst recht zum Exoten – selbst wenn die Japaner plötzlich mit dem Strom schwimmen.
Subaru Uncharted 77 kWh/FWD - Technische Daten
Kompaktes SUV-Coupé: Der Subaru Uncharted ist knapp über 4,50 Meter lang.Andre Tillmann/Subaru/dpa-tmn
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Frische Energie ist lange nicht nötig: Mit der größten Batterie kommt der Japaner mit einer Ladung rund 590 Kilometer weit.Andre Tillmann/Subaru/dpa-tmn
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Stilvolles Stillleben: Doch auch das Fahren machte dem Tester richtig Spaß, da der Uncharted agil ausgelegt ist.Andre Tillmann/Subaru/dpa-tmn
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Best of both worlds: Klar, im Innenraum gibt’s Bildschirme, doch Subaru setzt auch auf klassische Tasten.Andre Tillmann/Subaru/dpa-tmn
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Alltagstaugliche Platzverhältnisse - auch für die Mitfahrer in der zweiten Reihe.Andre Tillmann/Subaru/dpa-tmn
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