Der Renault Twingo startet Charmeoffensive an der Preisfront
Nur weil er günstig ist, muss er nicht langweilig sein: Renault will mit dem neuen Twingo zeigen, wie man selbst in Europa ein Elektroauto bauen kann, das bezahlbar und trotzdem begehrlich ist.
Kleines Kerlchen in seinem Element: Im Test konnte der neue Renault Twingo seine Stärken vor allem in der Stadt ausspielen.Renault/dpa-tmn
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Ein Klassiker unter den Kleinwagen feiert sein Comeback. Rund 25 Jahre nach seiner Premiere kehrt der Renault Twingo zurück – ab 19.990 Euro und damit als eines der günstigsten Elektroautos europäischer Herkunft. Zugleich gehört er zu den kompaktesten Fahrzeugen in diesem Segment.
Abmessungen und Platzangebot
Mit einer Länge von 3,79 Metern und einem Radstand von 2,49 Metern ist der Twingo kleiner als der ebenfalls neu aufgelegte Renault 5. Dennoch finden vier Erwachsene ausreichend Platz. Der Kofferraum fasst 305 Liter, wobei die verschiebbaren Fondsitze – bereits ein Merkmal des Originals von 1992 – einen variablen Kompromiss zwischen Beinfreiheit und Laderaumvolumen ermöglichen.
Und zumindest auf der Kurzstrecke wird der charmante Winzling zum ausgewachsenen Auto. Da steht er dem deutlich größeren und entsprechend teureren Konkurrenten VW ID.Polo in nichts nach.
Antrieb und Reichweite
Mehr als Kurzstrecken will der Twingo gar nicht in Angriff nehmen. Der Twingo verfügt über einen 27,5-kWh-Akku mit einer Normreichweite von 263 Kilometern sowie einen 60-kW-Motor (82 PS) und einer Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Die Ladeleistung beträgt 11 kW (Wechselstrom) und 50 kW (Gleichstrom). Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert 12,1 Sekunden.
Fahrverhalten
In der Stadt profitiert der Twingo vom typischen Drehmomentvorteil eines Elektromotors und lässt sich dank kleiner Abmessungen und leichtgängiger Lenkung gut manövrieren.
Man muss beim automobilen Stadtbummel halt nur zwischendurch öfter mal einen Kaffee trinken oder etwas länger Shoppen. Denn wenn der Akku leer ist, braucht man angesichts der Ladeleistung ein wenig Geduld.
Auf Landstraßen und Autobahnen zeigen sich hingegen Grenzen: Das Fahrwerk ist weniger komfortabel, der kurze Radstand reagiert empfindlicher auf Fahrbahnunebenheiten, und bei höheren Geschwindigkeiten leidet die Spurstabilität.
Charmantes Ambiente, aber wenig Auswahl
Dass Renault um jeden Euro gerungen hat, merkt man aber nicht nur an der Konfiguration des Antriebs, sondern auch an der Ausstattung und vor allem an den Auswahlmöglichkeiten. Das Ambiente ist zwar besser als befürchtet. So beweist uns Renault, dass man auch Hartplastik hübsch herrichten kann, wenn man sich wie bei der Prägung des Dachhimmels ein Augenzwinkern leistet.
Dazu immer und überall der farbige Namenszug und ein paar pfiffige Grafiken auf den beiden Displays hinter dem Lenkrad oder auf der Mittelkonsole, schon wird einem warm ums Herz. Nicht nur äußerliche Details wie die Scheinwerfer oder die Form des Kühlergrills erinnern an den allerersten Twingo, sondern auch etwa der knubbelige Knopf für die Warnblinkanlage lehnt daran an.
Doch wo es sonst oft Dutzende Optionen gibt, haben die Franzosen zum Beispiel nur eine Felge und sechs Farben im Angebot. Dafür allerdings verkaufen sie viele Accessoires, mit denen man das Auto nachträglich aufhübschen kann. Und natürlich alle wichtigen Extras: Navi-Screen, Klimaanlage, E-Fenster und Notbremsassistent sind immer an Bord. Gegen Aufpreis gibt es auch Klimaautomatik, Rückfahrkamera oder einen smarten Schlüssel.
Fazit: Einfach gut
Na also, es geht doch: Der Twingo ist einfach und genau deshalb gut. Denn mit ihm beweist uns Renault, dass Elektroautos auch erschwinglich sein können und man trotzdem nicht auf viel verzichten muss. Zumindest, wenn sich der Aktionsradius entsprechend klein ist. Für die Familie auf dem Land taugt der Charmeur natürlich allenfalls als Zweitwagen.
Doch für Großstädter ist er die erste Wahl. Wer ein Auto zum Fahren suchen und nicht zur Selbstdarstellung, dem bieten die Franzosen einen kleinen Freund mit überraschend großem Herzen.
Datenblatt: Renault Twingo
Sie haben die Qual der Farbwahl: Aber damit diese nicht allzu schmerzvoll wird, beschränkt Renault die verfügbaren Töne aktuell auf ein halbes Dutzend.Renault/dpa-tmn
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Mit großen Augen forsch voran? Ja, spurtstark ist der elektrische Twingo anfangs schon - aber dann geht ihm schnell die Puste aus. Renault/dpa-tmn
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Das Retro-Design ist wirklich gut gelungen - und wenn man das überhaupt nicht erkennt, zeigt das nur, wie zeitlos der Ursprungsentwurf vor über 30 Jahren war.Renault/dpa-tmn
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Reduziert, digitalisiert und doch mit vielen analogen Bedienelementen: voilà, die erste Reihe im Twingo. Renault/dpa-tmn
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„Frech, verspielt und modern“: Dieses Image wollten die Macher dem Twingo verleihen, das mag gelungen sein, ob allerdings das „frech-fröhliche“ Twingo-Alphabet am Dachhimmel dazu beitrug? Entscheiden Sie selbst!Renault/dpa-tmn
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Platz da, dann ist Platz da: Denn wer das volle Gepäckvolumen ausnutzen will, sitzt hier nicht mehr so üppig - oder kann nicht zeitgleich so viel mitnehmen, doch die verschiebbaren Rücksitze bieten eben große Variabilität.Renault/dpa-tmn
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