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Von der Forschung in die Dose - Raubwels als Uni-Botschafter

Manchmal trägt Forschungsarbeit kulinarische Blüten - so etwa in Rostock. An der dortigen Uni gezüchteten Fisch gibt es nun aus der Dose mit fruchtigem Chutney. Die Rektorin erklärt, wieso.

Von dpa

03.11.2026

2.000 Dosen „Campus Catch“ wurden zunächst produziert.Bernd Wüstneck/dpa

2.000 Dosen „Campus Catch“ wurden zunächst produziert.Bernd Wüstneck/dpa

© Bernd Wüstneck/dpa

Afrikanischer Raubwels klingt auf Anhieb nicht nach regionalem und nachhaltigem Fischgenuss von der Ostseeküste. Den Gegenbeweis tritt die Universität Rostock an. Im Rahmen von Forschungsarbeiten gezüchteten Wels gibt es neuerdings als Dosenfisch, eingelegt in eine eigens entwickelte Soße.

„Warum machen wir das?“, stellte die Rektorin der Universität, Elizabeth Prommer die naheliegende Frage bei Vorstellung des Projektes. Sie sei auf der Suche nach einem Geschenk gewesen, das die Uni etwa Gästen mitgeben kann. „Ich wollte nicht eine Powerbank und einen USB-Stick verschenken, wie sie alle Möglichen haben.“ Sie selbst habe bereits eine „kleine Kammer des Schreckens“ mit nutzlosen Geschenken, die sie ständig erhalte. Sie wollte stattdessen ein Geschenk mit einer Geschichte und mit einem Forschungsbezug.

Wieso Afrikanischer Raubwels?

Harry Palm, Professor für Aquakultur und Sea-Ranching, und sein Team forschen daran, Afrikanische Raubwels effizienter zu züchten. Er werde in Mecklenburg-Vorpommern seit ungefähr 15 Jahren kommerziell gezüchtet, erklärte Palm. Die Uni-Welse wachsen in einem Glasbau mit Fisch- aber auch Pflanzenzucht. Beides wird in einem Kreislauf verknüpft. Die Fische reicherten Wasser mit Nährstoffen an, erklärte Palm. Dieses Wasser werde wiederum zur Pflanzenzucht genutzt, wobei es auch gereinigt werde, so dass es wieder für die Fischzucht verwendet werden kann. „Das ganze System nennt sich Aquaponik“, so der Experte. Es handele sich um ein besonders effizientes System zur Fisch- und Pflanzenproduktion. 

Der Afrikanische Raubwels hat laut Experten viele Vorteile als Zuchtfisch zur Nahrungsproduktion.Bernd Wüstneck/dpa

Der Afrikanische Raubwels hat laut Experten viele Vorteile als Zuchtfisch zur Nahrungsproduktion.Bernd Wüstneck/dpa

© Bernd Wüstneck/dpa

Und wieso Afrikanischer Raubwels? „Dieser Fisch ist eigentlich ein hervorragender Fisch dadurch, dass er extrem schnell wächst.“ Innerhalb von sechs Monaten erreiche man eine Schlachtreife von durchschnittlich ungefähr 1,5 Kilogramm. Außerdem sei die Art anders als andere Fische weniger anspruchsvoll, was die Wasserqualität angeht. „Das hat natürlich mit seinem natürlichen Leben in Afrika zu tun.“ Wenn während der Trockenzeit das Wasser verdunste, lebten die Fischer nur noch zusammengepfercht in Wasserlöchern. „Die kommen also mit ganz wenig Luftsauerstoff klar und können auch hohe Nährstofflasten ab.“ Zudem seien sie sehr resistent gegen Krankheiten. „Wir brauchen keine Antibiotika“, sagte Palm.

Uni-Fischbrötchen auf der Hanse Sail

Zwei bis vier Tonnen Fisch produzieren die Wissenschaftler laut Palm im Jahr. Einige davon sind nun als „Campus Catch“ (deutsch: Campus-Fang) in 2.000 Dosen gelandet zusammen mit einem Tomaten-Chutney, das dank Mangoanteils sehr fruchtig schmeckt. Auch Basilikum ist enthalten. Denn Basilikum wächst ebenfalls in der Forschungsanlage mit Hilfe der Nährstoffe aus der Fischhaltung. Palms Team arbeitet aktuell unter anderem auch mit Erdbeeren. Der Erdbeeranbau sei regional schließlich stark vertreten.

Es ist nicht die erste kulinarische Blüte der Aquaponik-Forschung der Uni Rostock. Auf der Hanse Sail verkaufte die Uni bereits Uni-Rostock-Fischbrötchen ebenfalls mit Raubwels-Fleisch. 

Die Fischdosen will die Universität Rostock unter anderem verschenken.Bernd Wüstneck/dpa

Die Fischdosen will die Universität Rostock unter anderem verschenken.Bernd Wüstneck/dpa

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Für den neuen Dosenfisch hat die Uni mit der Schwaaner Fischwaren GmbH zusammengearbeitet. „Unsere Aufgabe war es sozusagen, den Deckel drauf zu tun“, sagte Geschäftsführerin Antje Kobs. Die Firma entwickelte unter anderem die Rezeptur. Es sollte nicht die klassische Tomatensoße sein. Eigentlich verarbeite ihre Firma vor allem Hering. Dieser komme aus der Nordsee oder von noch weiter weg, wegen des desolaten Zustands des hiesigen Heringsbestands und den starken Fangbeschränkungen, die für die westliche Ostsee gelten. Angesichts solcher Probleme müsse man sich auch mit neuen Wegen der Fischproduktion beschäftigen. 

Wer den Raubwels in Chutney probieren will, erhält ihn im Online-Shop der Uni Rostock.

Die Rezeptur der Soße wurde eigens für den „Campus Catch“ entwickelt.Bernd Wüstneck/dpa

Die Rezeptur der Soße wurde eigens für den „Campus Catch“ entwickelt.Bernd Wüstneck/dpa

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