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Bibbern beim Beten? Heizkosten bringen Kirchgemeinden in Not

Kirchgemeinden haben mit hohen Heizkosten zu kämpfen. Was das für Gottesdienste und Konzerte bedeutet – und über welche Alternativen nun nachgedacht wird.

Von dpa

02.04.2026

Wegen gestiegener Kosten für Fernwärme bleibt die Kirche dieses Jahr zu Ostern geschlossen.David Hammersen/dpa

Wegen gestiegener Kosten für Fernwärme bleibt die Kirche dieses Jahr zu Ostern geschlossen.David Hammersen/dpa

© David Hammersen/dpa

Millionen Christen in der Welt feiern am Sonntag Ostern, doch an der Chemnitzer Petrikirche stehen sie vor verschlossenen Türen. Das Gotteshaus ist nicht nur das größte der Stadt. Im Stil der Neogotik bildet es auch ein Ensemble mit Opernhaus und dem einstigen König Albert Museum - heute Sitz der Kunstsammlungen. Nicht Bauarbeiten oder Personalmangel sind der Grund, dass der Ostergottesdienst ausfällt. Der Gemeinde wachsen schlicht die Heizkosten über den Kopf, sodass sie nun die Reißleine zieht. Ein Problem, das bald auch andere Gemeinden betrifft? 

Die imposante Kirche wird bisher mit Fernwärme geheizt. Doch seit einer Umstellung der Verträge durch den lokalen Energieversorger hätten sich die Kosten dafür vervielfacht, erklärt Superintendent Frank Manneschmidt auf Anfrage. Dabei sei nicht der Wärmeverbrauch an sich das Problem, sondern ein „extrem hoher Grundpreis“. Dieses Preismodell sei für Kirchgemeinden höchst unwirtschaftlich, da sie nur 20 bis 40 Tage im Jahr heizten. Unabhängig davon müsse der Grundpreis für das ganze Jahr gezahlt werden. Und der betrage neuerdings das Drei- bis Vierfache der eigentlichen Verbrauchskosten.

Kirchgemeinden mit hohen Nachzahlungen konfrontiert 

Das trifft nicht nur die Kirche St. Petri, sondern vier große Kirchen in der Stadt. „Die Gemeinden gehen damit unterschiedlich um, in einigen ist auch noch keine Entscheidung darüber gefallen, wie es weitergehen kann“, erläutert Manneschmidt. Einige seien zudem mit hohen Nachzahlungen konfrontiert. 

Als Folge entschied die zuständige Kirchgemeinde, die Heizungsanlage der Petrikirche stillzulegen. Stattdessen wird nur noch die Schloßkirche - die zweite große Kirche der Gemeinde - beheizt. Und das ebenfalls mit Fernwärme. Allein dafür seien die Heizkosten nun höher als vormals für beide Kirchen. 

Der Schritt hat Folgen nicht nur für das religiöse Leben in der Stadt, er trifft auch kulturelle Angebote. In der kalten Jahreszeit werde es bis auf weiteres keine Konzerte mehr mit professionellen Musikern in der Petrikirche geben können, so Manneschmidt. Denn dafür sei in der Regel vertraglich eine bestimmte Mindesttemperatur festgelegt. „Die ganze Entwicklung bedeutet nach dem Kulturhauptstadtjahr natürlich einen tiefen Einschnitt in der Kulturlandschaft der Stadtgesellschaft.“ Über diese Probleme hatte zunächst die „Freie Presse“ berichtet. 

Dicke Pullis und Decken statt Heizung?

Auch andernorts bereiten gestiegene Energiepreise Kirchgemeinden Sorge, wie Susanne Sobko von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) auf Anfrage informiert. Sie umfasst vor allem Gemeinden in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Problematisch sei das aber weniger bei den Kirchen, sondern eher bei anderen Gebäuden, die intensiver genutzt werden wie etwa Gemeindehäuser. 

„In der EKM werden eher wenige Kirchen klassisch, also mit Raumheizung, beheizt“, erläutert Sobko. Das betreffe weniger als fünf Prozent der Kirchen. Alternativ gebe es in manchen Kirchen Heizkissen oder es würden Decken zur Verfügung gestellt. Auch wüssten die Besucherinnen und Besucher der Gottesdienste um die Temperaturen in den Kirchen und kleideten sich entsprechend warm. Bei besonders eisigen Temperaturen könnten auch wärmere Gemeinderäume für Gottesdienste genutzt werden. „Aber die Kirchen werden bevorzugt, da wird Kälte in Kauf genommen.“ 

Die hohen Heizkosten zwingen auch Gemeinden in Chemnitz dazu, über Alternativen nachzudenken. Ob Gottesdienste im Winter künftig in unbeheizten Kirchenräumen gefeiert werden - eben dann mit wärmerer Kleidung und Decken - werde sich zeigen, erklärt Manneschmidt. „Da gibt es in den Gemeinden noch keine Erfahrungen und auch noch keine Entscheidungen.“ Auch seien Bankheizungen oder Heizstrahler eine Variante. Das sei aber keine Lösung für Konzerte, weil es für Orchester warme Luft im Altarraum brauche. 

Ostern will die Gemeinde St. Petri-Schloß trotzdem feiern, wenn auch anders als in den Jahren zuvor - nämlich ausschließlich in der beheizten Schloßkirche.

Die Chemnitzer St.-Petri-Schloß-Kirchgemeinde feiert Ostern in diesem Jahr in der Schlosskirche.David Hammersen/dpa

Die Chemnitzer St.-Petri-Schloß-Kirchgemeinde feiert Ostern in diesem Jahr in der Schlosskirche.David Hammersen/dpa

© David Hammersen/dpa

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