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Judo, Flöte oder Chinesisch-Kurs: Wie fördere ich mein Kind?

Ist Ihr Kind fasziniert von einem Sport im Fernsehen und will den lernen? Das können Eltern nutzen - und weitere Freizeitangebote finden. Was wichtig ist, damit aus Förderung nicht Überforderung wird.

Von Anke Dankers, dpa

19.02.2026

Ohne Leistungsdruck zum Erfolg: Eltern sollten darauf achten, dass Freizeitaktivitäten Freude bereiten und nicht zu Stress führen.picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Ohne Leistungsdruck zum Erfolg: Eltern sollten darauf achten, dass Freizeitaktivitäten Freude bereiten und nicht zu Stress führen.picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

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Kaum ist der Nachwuchs auf der Welt, eröffnet sich den Eltern die große Welt der Kinder-Freizeitangebote. Ob Babyschwimmen für die Jüngsten, Krabbelgruppe für Kleinkinder oder Fußballverein für die Älteren – die Bandbreite ist riesig. 

Auch TV-Übertragungen von sportlichen Großereignissen können Kinder anstacheln, etwa eine Sportart zu erlernen. Gerade sehr angesagt: Eiskunstlauf bei den Olympischen Winterspielen. Doch wie findet man bei so viel Auswahl das Richtige? Und wie viel Förderung ist eigentlich gesund? 

Die Sozialwissenschaftlerin Alexandra Langmeyer-Tornier vom Deutschen Jugendinstitut und Konstanze Butenuth, Fachreferentin beim Deutschen Kinderschutzbund, klären auf. 

Egal, ob für Baby oder Teenager, ob Bewegung, Musik, Kunst oder Weiterbildung – Freizeitangebote haben immer etwas gemeinsam: Sie sollen Spaß machen. Darüber hinaus haben sie aber noch viel mehr zu bieten. „Bei den Jüngsten geht es vor allem um die Körperwahrnehmung und ab etwa zwei Jahren auch darum, soziale Interaktionen einzuüben“, sagt Alexandra Langmeyer-Tornier. 

Herausfinden, was zu einem passt: Das stärkt die Identität 

Außerdem könnten Kinder viele wesentliche Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Geduld und Ausdauer erlernen. „Wenn man etwas übt und vorankommt, stärkt das die Motivation und das Selbstbild der Kinder. Sie finden heraus, was zu ihnen passt, wer sie sind. Das ist wichtig für die Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung“, so die Wissenschaftlerin.

Bereits für die Jüngsten können Freizeitangebote eine gute Abwechslung zum Familienalltag sein. „Gerade Musik, Malen und Bewegung geht schon sehr früh. Es ist immer die Frage, wie das Angebot gestaltet ist und ob es auf Freiwilligkeit basiert“, sagt Konstanze Butenuth. Hier brauche es feinfühlige Eltern, die genau auf die Bedürfnisse ihres Babys achten. „Eltern sollten sich da nicht stressen. Will das Kind gerade schlafen, obwohl man sich zur Baby-Massage angemeldet hat, sollte man lieber absagen“, rät Langmeyer-Tornier. 

Vor allem in den ersten Lebensjahren, seien Bewegungsgruppen und Co. lediglich als Angebot zu verstehen, sagt Konstanze Butenuth. „In dem Alter ist es nicht notwendig, dass Aktivitäten außerhalb der Familie passieren. Oft sind es die Eltern, die diese Angebote mögen, weil sie Kontakt zu anderen Familien schaffen.“

Lieber Musik oder Sport - und welcher? Einfach ausprobieren

Welches konkrete Angebot zu den Bedürfnissen des eigenen Kindes passt, lässt sich oft nur über Ausprobieren herausfinden. „Erst wenn Kinder mit verschiedenen Dingen in Kontakt kommen, können sie herausfinden, ob es etwas für sie ist oder nicht“, sagt Konstanze Butenuth. „Gerade bei Musik und Sport ist es häufig so, dass Kinder durch verschiedene Etappen gehen, bis sie das gefunden haben, was ihnen liegt.“ 

Eltern sollten dabei genau überprüfen, ob Fußballtraining oder Keyboardspiel wirklich das ist, was die Kinder wollen oder ob ein Anspruch der Eltern dahintersteckt. „Kinder gehen in die Schule. Das ist das, was sie machen müssen. In der Freizeitgestaltung aber sollten sie selbst entscheiden dürfen, was sie machen wollen“, sagt Butenuth. 

Um das herauszufinden, gibt es in vielen Städten Angebote, die der Identitätsfindung dienen. Dazu gehören etwa Musikkurse, in denen Kinder unterschiedliche Instrumente kennenlernen, oder auch Bewegungsangebote, die verschiedene Ballsportarten umfassen.

Wenn aus Begeisterung „kein Bock mehr“ wird 

Manchmal wird aus der anfänglichen Begeisterung im Verlauf der Zeit ein „kein Bock“. Dann stellt sich die Frage: dranbleiben oder aufhören? „Kinder müssen auch lernen, dass es manchmal eine Weile dauert, bis Erfolge erzielt werden“, sagt Konstanze Butenuth. 

Wenn Kinder lediglich nicht in Stimmung auf Übungen oder Training sind, könne es deshalb hilfreich sein, Kompromisse zu finden. Das kann beispielsweise die Absprache sein, Beethovens „Ode an die Freude“ jeden Tag zweimal durchzuspielen oder das Handballtraining zumindest noch bis Ende des Schuljahres weiterzumachen. „Familien sollten gemeinsam aushandeln, wie die Absprache aussieht.“

Um den Unterschied zwischen temporärem Schweinehund und langfristiger Unlust zu erkennen, lohne es sich oft, das Kind nach der Freizeitaktivität zu beobachten. „Sprudelt es dann vor Freude, sollte alles in Ordnung sein. Ist das Kind dauerhaft eher betrübt, sollte man mit dem Kind ins Gespräch gehen, ob das Angebot noch das richtige ist“, sagt Alexandra Langmeyer-Tornier. 

Richtwert: ein bis zwei Aktivitäten pro Woche 

Manchmal könnten auch zu späte Trainingszeiten oder ein überfüllter Tag das Problem sein. Generell rät Langmeyer-Tornier, dringend darauf zu achten, keinen zu großen Leistungsdruck aufzubauen. „Natürlich gibt es auch Kinder, die schon im Grundschulalter Leistungsturner werden wollen. Das gilt aber nicht für jedes Kind.“ Ein bis zwei Aktivitäten pro Woche hält sie für ausreichend. 

„Es ist ganz wichtig, dass die Kinder neben der Förderung auch freie Zeit zum Spielen, Lesen, Freunde treffen oder einfach zum Rumhängen haben.“ Das sei für die Entspannung wichtig, aber auch um soziale Kontakte zu pflegen und die eigene Kreativität zu entwickeln. „Kinder sollten Raum und Zeit dafür kriegen, ein Gespür für ihren eigenen Körper zu bekommen. Was brauche ich gerade? Worauf habe ich Lust“, so Langmeyer-Tornier.

Geschieht das nicht, kann der Freizeitspaß in Frust umschlagen. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Müdigkeit, Gereiztheit und schlechter Schlaf können bei Kindern typische Symptome einer Überlastung sein, sagt Langmeyer-Tornier. 

Auch Konstanze Butenuth warnt: Wenn Kinder schlecht schlafen oder überdrehen, sollte man genau hinschauen. „Es gibt auch Kinder, die überfordert werden und nicht unbedingt sagen, dass sie es blöd finden. Nur weil ein Kind nicht widerspricht, heißt das nicht automatisch, dass es ihm gut geht.“ Hier helfe das Gespräch und Kinder wirklich ernst zu nehmen. Denn nur so bleiben Fußballverein, Klavierunterricht und Malkurs das, was sie sein sollen: eine Menge Spaß.

Ausgewogene Balance: Neben organisierten Angeboten benötigen Kinder ausreichend freie Zeit für Spiel und Entspannung.Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Ausgewogene Balance: Neben organisierten Angeboten benötigen Kinder ausreichend freie Zeit für Spiel und Entspannung.Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

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Freiwilligkeit im Mittelpunkt: Kinder-Freizeitangebote sollten die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Kinder berücksichtigen.picture alliance / dpa Themendienst

Freiwilligkeit im Mittelpunkt: Kinder-Freizeitangebote sollten die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Kinder berücksichtigen.picture alliance / dpa Themendienst

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Vielfältige Freizeitangebote fördern die kindliche Entwicklung: Von Babyschwimmen bis zum Chinesisch lernen können Kinder ihre Interessen entdecken und dabei Spaß haben.Waltraud Grubitzsch/dpa/dpa-tmn

Vielfältige Freizeitangebote fördern die kindliche Entwicklung: Von Babyschwimmen bis zum Chinesisch lernen können Kinder ihre Interessen entdecken und dabei Spaß haben.Waltraud Grubitzsch/dpa/dpa-tmn

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