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Faires Gold versus Altgold? Nachhaltige Trauringe finden

Es ist nicht alles Gold, was glänzt? Und selbst wenn: Bei Trauringen aus Gold lohnt es genauer hinzuschauen. Wie Sie sichergehen, dass für Ihre Ringe keine Menschen oder die Umwelt ausgebeutet wurden.

Von Isabelle Modler, dpa

19.03.2026

Faire Goldringe für die Trauung finden: Am besten gezielt nach Altgold fragen, das in Deutschland recycelt wurde.picture alliance / dpa Themendienst

Faire Goldringe für die Trauung finden: Am besten gezielt nach Altgold fragen, das in Deutschland recycelt wurde.picture alliance / dpa Themendienst

© picture alliance / dpa Themendienst

Sie suchen Trauringe? Ihnen schwebt etwas aus Gold vor? Dann lohnt es sich, beim Kauf genauer hinzusehen - und die Frage zu klären: Sind die Schmuckstücke aus recyceltem oder neu abgebauten Gold gefertigt? Denn der Abbau von neuem Gold - auch Primärgold genannt - hat seine Schattenseiten.

Weltweit wurden im vergangenen Jahr rund 3.672 Tonnen Gold aus Minen gefördert - etwa ein Viertel des Edelmetalls stammt aus dem kleingewerblichen Goldabbau. „Ein Großteil des Goldabbaus im Kleinbergbau findet informell oder illegal statt. Häufig werden dort Menschen ausgebeutet, also Arbeitsrechte, Gesundheits- und Sozialstandards missachtet“, so Christine Scholl, Rohstoff-Expertin beim WWF. Auch Kinderarbeit ist im Kleinbergbau weltweit nach wie vor ein Problem, wie ein Bericht des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zeigt.

Hinzu kommen massive Umweltschäden. Für Minen und Transportwege werden Wälder abgeholzt und Ökosysteme zerstört, so Scholl. Sie verweist exemplarisch auf den Amazonas: „Hochgiftige Stoffe wie Zyankali und Quecksilber kommen zum Einsatz, um Gold aus dem Gestein zu lösen.“ 

Die Gifte verschmutzen Wasser und Boden. So können sie direkt oder über die Nahrungskette in den Körper von Menschen und Tieren gelangen, wo sie ernsthafte gesundheitliche Schäden verursachen.

Der Branche sind die Schattenseiten bewusst. Was für Lösungen gibt es? Und worauf können Paare bei der Suche nach Trauringen achten, wenn ihnen fair abgebautes Gold, sprich Menschenrechte und Umweltschutz, am Herzen liegen?

Faires und grünes Gold erkennen

Wer Schmuck auf Basis von neu abgebauten Gold erwerben will, kann auf Siegel wie „Fairmined“ oder „Fairtraide“ achten. Hinter „Fairmined“ steckt eine internationale Nichtregierungsorganisation, die Alliance for Responsible Mining (ARM). Beide Siegel zertifizieren speziell Gold aus dem Kleinbergbau. 

Christine Scholl vom WWF erklärt: „Die Zertifizierungsstandards sollen die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe sichern sowie Sozial-, Arbeits- und Umweltstandards bei Gewinnung und Handel durchsetzen. Zudem soll die wirtschaftliche Entwicklung der Kleinbergbauleute gefördert werden“.

„Goldschmiede müssen dafür eine Lizenzgebühr bezahlen“, sagt Michael Seubert, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Goldschmiede und Silberschmiede. Meist muss man für faires Gold etwas mehr ausgeben, weil der Abbau und die Kontrollen der Standards aufwendig sind. „Gold mit Fairtrade-Siegel kostet circa zehn Prozent mehr als herkömmliches Gold“, so Seubert.

Übrigens: Für Gold aus dem Industriebergbau gibt es den übergeordneten Industriestandard IRMA, von einer Initiative zur Übernahme von mehr Verantwortung.

Faires Primärgold finden

Allerdings: Nur ein kleiner Anteil an Gold wird mit diesen Siegeln zertifiziert. „Zertifizierungen haben somit nur punktuell positive Auswirkungen, da nie alle Marktteilnehmer bei solchen freiwilligen Initiativen zu mehr Verantwortung mitmachen“, so Scholl. Zudem rät Scholl sich bei Primärgold vor Augen zu führen, „dass es generell keinen nachhaltigen Abbau von endlichen Ressourcen gibt.“ Der Abbau könne höchstens verantwortungsvoller gestaltet sein. 

Tipp: Auf der Fairtrade-Internetseite gibt es eine Karte mit Suchfunktion - so können Kunden sehen, welcher Goldschmied ein entsprechendes Zertifikat hat.

Recyceltes Gold nutzen

Muss es überhaupt Primärgold sein? Nicht unbedingt. „Über 99 Prozent des hierzulande verarbeiteten Goldes ist Bestandsgold. Es kommt also nur wenig neu abgebautes Gold nach Deutschland“, so Seubert. 

Goldschmiede beziehen aufbereitetes Altgold meist von einer der rund 20 Scheideanstalten in Deutschland. „Dort herrschen höchste Umweltauflagen. Auch faire Löhne und der Ausschluss von Kinderarbeit sind garantiert“, so Seubert. Bei den meisten dieser Scheideanstalten liegt der Fokus auf dem Recycling von Gold. Neben altem Schmuck sind hierzulande etwa ausrangierte Elektrogeräte eine wichtige Goldquelle.

Allerdings: Privatpersonen haben in der Regel keinen Zugriff auf recyceltes Gold aus Scheideanstalten - falls doch, müssen sie dafür fast das Doppelte wie Goldschmiede zahlen, so Seubert; „allein der Prozess der Aufbereitung ist teuer und lohnt sich erst bei größeren Mengen.“ Was können Privatpersonen also tun? 

Altgold einschmelzen lassen

Privatpersonen können ihr Schmuckkästchen nach Schätzen durchstöbern und alten Goldschmuck zum Goldschmied bringen. „Das Gold wird dann eingeschmolzen. In der Regel wird nicht exakt dieses Gold für den neuen Ring verwendet, sondern nur der Wert des mitgebrachten Goldes angerechnet“, erklärt Seubert. Das kann sich lohnen, angesichts des aktuellen Goldpreises von rund 145 Euro pro Gramm Feingold (999er) (Stand: 17. März 2026). 

Wichtig zu wissen: „Im Arbeitsprozess und beim Einschmelzen gibt es etwas Verluste. Für einen zehn Gramm Goldring braucht es also etwas mehr als zehn Gramm Altgold“, erklärt der Goldschmiedemeister. 

Christine Scholl weist darauf hin: „Gold kann unbegrenzt oft recycelt werden. Dabei verliert das Edelmetall weder an Qualität noch an Wert.“ Wer auf Recycling setzt, spart einen Teil des Materialpreises und schont Ressourcen. Ein weiterer Vorteil: „Für recyceltes Gold wird kein neuer Bergbau betrieben“, sagt die WWF-Rohstoff-Expertin. Wer Altgold wählt, reduziert also seinen ökologischen und sozialen Fußabdruck. 

Scholl rät: Beim Juwelier bewusst nach Gold zu fragen, das auf Altgold basiert und in Deutschland recycelt wurde. Für Schmuckstücke gibt es Zertifikate, die dies belegen, etwa vom Responsible Jewellry Council (RJC).

Den alten Ring von Oma umarbeiten lassen?

Es gibt noch eine Möglichkeit: „Privatpersonen können ein altes Schmuckstück von einem Goldschmied auch umarbeiten lassen, etwa die Trauringe der Großeltern“, sagt Seubert. In der Regel zahlt man dann nur die Arbeitskosten. 

„Finanziell ist es immer geschickter, ein Schmuckstück zu behalten und irgendwann umarbeiten zu lassen, als es zu verkaufen“, so Seubert. Denn beim Verkauf kommt es oft zu einem Wertverlust. „Für einem Ring mit kleinen Brillanten wird etwa für die Steine oft nichts bezahlt - zu aufwendig wäre es, ihre Qualität, wie Reinheit und Farbe, zu prüfen“, erklärt der Gold- und Silberschmiedemeister.

Werden alte Schmuckstücke umgestaltet, geht es oft aber um noch mehr - „um einen emotionalen Wert“, so Seubert. Etwa um das schöne Gefühl, wenn man den Ring seiner geliebten Oma trägt.

Wahre Schätze: Goldschmiede können alte Schmuckstücke umarbeiten.Franziska Gabbert/dpa-tmn

Wahre Schätze: Goldschmiede können alte Schmuckstücke umarbeiten.Franziska Gabbert/dpa-tmn

© Franziska Gabbert/dpa-tmn

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