CX-6e: Mazda probt den elektrischen Ernstfall
Das neue Elektro-SUV des japanischen Herstellers ist für die Marke erstaunlich gewöhnlich, hat aber dafür umso größere Erfolgsaussichten.
Morgendämmerung: Mazda bringt mit dem CX-6e ein vergleichsweise konventionelles Elektro-SUV auf den Markt.Mazda/dpa-tmn
© Mazda/dpa-tmn
Der MX-30 war zwar mit seinen gegenläufig öffnenden Portaltüren ein Hingucker, aber so wenig erfolgreich, dass Mazda seinen elektrischen Erstling bereits wieder aus dem Handel genommen hat. Und der 6e als zweites Batterie-Modell fährt als Limousine mit eigenwilligem Design auch nicht gerade in der Mitte des Marktes. Doch aller guten Dinge sind drei, und jetzt macht Mazda offenbar Ernst mit der Elektromobilität.
Diesen Herbst bringen die Japaner mit dem CX-6e ein vergleichsweise normales elektrisches SUV zu den Händlern. Die Preise für den 4,85 Meter langen Konkurrenten von VW ID.4 und Renault Scénic starten bei 49.990 Euro und liegen damit auf dem Niveau des ähnlich großen CX-6 mit Diesel oder Plug-in-Hybrid.
Ein Japaner mit chinesischen Wurzeln
Entwickelt wurde der elektrische Hoffnungsträger allerdings nicht am japanischen Stammsitz Hiroshima, sondern genau wie der 6e gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Changan in China, wo er auch vom Band läuft. Das eine Jahr, das seit dessen Einführung vergangen ist, hat die asiatische Allianz für ein gründliches Update genutzt.
Deshalb gibt es für 5.000 Euro Aufpreis mit dem CX-6e nun nicht nur eine Karosserievariante, die mehr Platz für Kind und Kegel bietet und zudem eher den Geschmack der breiten Masse trifft.
Sondern es gibt insbesondere modernere Elektrotechnik: Anders als im 6e arbeitet der CX-6e nur noch mit einem Akku mit einer Kapazität von 78 kWh, der eine Normreichweite von 484 Kilometern ermöglicht. Vor allem aber hat Mazda die Ladeleistung erhöht. An der Wallbox bleibt es zwar bei nur 11 statt sonst oft 22 kW bei der Konkurrenz. Doch mit jetzt dann 195 kW am Gleichstrom-Anschluss kommen die Japaner auf Augenhöhe mit der breiten Masse und für eine Aufladung von 10 auf 80 Prozent vergehen künftig nach Herstellerangaben nur noch 24 Minuten.
Ein Statement gegen die Gleichgültigkeit
Die Batterie speist einen 190 kW/258 PS starken E-Motor an der Hinterachse, der den CX-6e mit seinen 290 Nm Drehmoment in 7,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt.
Dabei haben es die Japaner geschafft, ihr typisches Fahrgefühl zu erhalten - und das, obwohl das Auto wie beschrieben zumindest zur Hälfte ein chinesisches ist. Natürlich ist ein SUV von mehr als zwei Tonnen kein Sportwagen und man sitzt zwei Etagen höher als im Roadster MX-5. Aber gemessen an all den völlig gleichgültigen China-Abstimmungen, die uns bei Herstellern wie BYD, Geely oder Chery begegnen, legt Mazda offenbar deutlich mehr Wert auf Fahrspaß. Die Federung ist straffer, die Lenkung mitteilsamer und am Steuer fühlt man sich weniger als Gast denn als Gestalter. Zudem ist erst bei 185 km/h Spitze Schluss - und damit lässt Mazda dem CX-6e mehr Auslauf, als ihn die meisten Konkurrenten zu bieten haben.
Großes Display für Fahrer und Beifahrer
Ganz und gar untypisch für Mazda ist das Cockpit. Nachdem der Hersteller bislang eher zurückhaltend digitalisiert und lange möglichst viele Knöpfe bewahrt hat, flimmert im neuesten Modell ein großes Mäusekino vor der Mittelkonsole, die meisten anderen Taster und Schalter sind verschwunden. Fast 27 Zoll machen das Display zum größten, das die Japaner bislang in einem Modell eingebaut haben, und 5k-Auflösung sowie eine smarte Teilung für Fahrer und Beifahrer bringen Information für den einen und Unterhaltung für den anderen.
Ebenfalls ausgemustert haben die Japaner die klassischen Instrumente. Während man sich an die Leere hinter dem Lenkrad erst noch gewöhnen muss, blendet das Head-up-Display in der Frontscheibe dafür alle wichtigen Informationen direkt ins Blickfeld ein.
Auf Wunsch gibt es auch digitale Außenspiegel mit Kameras in den Kotflügeln und Bildschirmen in den Türen.
Ausreichend Platz in der zweiten Reihe und im Kofferraum
Während sich der Fahrer also auf neue Aussichten einstellen muss, ist der CX-6e für die Mitfahrer ein SUV wie alle anderen in dieser Klasse. Der Platz reicht bei 2,90 Metern Radstand auch in der zweiten Reihe nicht nur für den Nachwuchs, und der Kofferraum ist mit bis zu 1.434 Liter Fassungsvermögen auch für die großen Ferien groß genug. Erst recht, weil es fürs Ladekabel und anderen Kleinkram unter der Vorderhaube noch einen Frunk von 83 Litern gibt.
Fazit: Jetzt schwimmt Mazda mit dem Strom
Nachdem sich die Japaner lange gegen Trends wie die Elektrifizierung und die Digitalisierung gesperrt haben, schwimmen sie mit dem CX-6e jetzt buchstäblich mit dem Strom. Zwar geben sie damit ihren Eigensinn auf und verlieren etwas an Charakterstärke. Doch dafür ist der CX-6e als SUV für die Mittelklasse mit adäquater Akku- und Ladeleistung und digitalem Ambiente der erste elektrische Mazda, der Aussicht auf Erfolg hat.
Datenblatt: Mazda CX-6e
Motor und Antrieb:ElektromotorMax. Leistung:190 kW/258 PS Max. Drehmoment:290 Nm Antrieb:HeckantriebGetriebe:1-Gang-Automatik
Maße und Gewichte Länge:4.850 mm Breite:1.948 mmHöhe:1.620 mmRadstand:2.902 mmLeergewicht:2.205 kgZuladung:385 kgKofferraumvolumen:468 - 1.434 Liter (plus 83 Liter Frunk)
Fahrdaten Höchstgeschwindigkeit:185 km/hBeschleunigung 0-100 km/h:7,9 sDurchschnittsverbrauch:18,9 kWh/100 kmReichweite:484 kmCO2-Emission:0 g/kmBatteriekapazität (brutto): 78 kWhLadeleistung AC/DC: 11/195 kW
Kosten Basispreis des Mazda 6e:49.990 Euro Typklassen:k.A.Kfz-Steuer:0 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung Sicherheit:Neun Airbags, Notbrems- und Spurhalte-Assistent, Automatische AbstandsregelungKomfort:Klimaanlage, Touchscreen-Infotainment, Pamoramadach
Misst 4,85 Meter in der Länge: der Mazda CX-6e.Mazda/dpa-tmn
© Mazda/dpa-tmn
Der Mazda CX-6e soll dem VW ID.4 und dem Renault Scénic Konkurrenz machen.Mazda/dpa-tmn
© Mazda/dpa-tmn
Information und Unterhaltung gesucht? Bei diesem 5K-Monitor, der fast 27 Zoll misst, sollte es daran nicht scheitern.Mazda/dpa-tmn
© Mazda/dpa-tmn
Alles genau im Blick: die Außenspiegel des CX-6e werden auf Wunsch gegen Kameras getauscht.Mazda/dpa-tmn
© Mazda/dpa-tmn
Zu Preisen ab 49.990 Euro gibt es mehr als 1.400 Liter Fassungsvermögen im Kofferraum.Mazda/dpa-tmn
© Mazda/dpa-tmn