Wie Forst und Feuerwehr Waldbrände besser bekämpfen wollen
Wissen teilen, schneller werden: Ein Pilotprojekt in drei Bundesländern bringt dafür Experten zusammen. Das ist nötig - nicht nur für den Fall, dass mehrere Waldbrände gleichzeitig lodern.
Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand. (Archivbild)Boris Roessler/dpa
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In Hessen herrscht derzeit in mehreren Regionen eine hohe Waldbrandgefahr. In den kommenden Tagen dürfte sie noch steigen. Feuer können angesichts der Trockenheit schnell entstehen, dann müssen Feuerwehren, aber auch Forstleute rasch handeln und zusammenarbeiten.
Erst am Sonntag brannte es im Wald nördlich von Mörfelden-Walldorf, wie die örtliche Feuerwehr mitteilte. Es habe mehrere Brandherde im Wald gegeben. Etwa 130 Feuerwehrkräfte waren demnach im Einsatz.
Bei der Brandbekämpfung tauchen üblicherweise auf beiden Seiten Fragen auf: Wie arbeitet die Feuerwehr? Wie kann ein Förster, der den Wald und die Zugangswege gut kennt, unterstützen?
Ein länderübergreifendes Pilotprojekt in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg soll vorhandenes Wissen aus Forstwirtschaft, Feuerwehr und Forschung bündeln, weiterentwickeln und für die Praxis nutzbar machen. Der Gedanke dahinter: „Nicht nur im Ernstfall ist es entscheidend, die Arbeitsweise des anderen zu verstehen“, erklärt Steffen Hartig vom Forstamt Otterberg in Rheinland-Pfalz.
Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Forst und Feuerwehr derzeit geregelt?
In Hessen zum Beispiel regelt der Waldbranderlass die Kooperation zwischen Feuerwehr und Forstbehörden. Er schreibt regelmäßige gemeinsame Übungen vor. Laut Umweltministerium profitieren alle Beteiligten davon, um im Ernstfall schnell und gezielt zu handeln.
In Rheinland-Pfalz sieht der Rahmen-Alarm- und Einsatzplan Waldbrand vor, die örtliche Forstbehörde frühzeitig in die Gefahrenabwehr einzubinden. Auf Landesebene existiert zudem der Fachbeirat Waldbrandschutz. Dieses Gremium dient laut Innenministerium dem regelmäßigen Austausch zwischen der Zentralstelle der Forstverwaltung und dem Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz.
Welche Probleme werden gesehen?
„Die Politik glaubte lange, Deutschland sei kein Waldbrandland und werde auch keines“, sagt Michael Müller, Branddirektor der Feuerwehr Frankfurt und Diplom-Ingenieur Forstwirtschaft. Ein Irrtum, meint er. „Vegetationsbrände sind häufig noch ein blinder Fleck in der Aus- und Fortbildung“, kritisiert auch Dirk Wolff, Professor für Waldarbeit und Forsttechnik an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (Baden-Württemberg).
Das Innen- sowie das Umweltministerium in Hessen sehen die Beteiligten dennoch gut vorbereitet. Die Zusammenarbeit funktioniere, jährlich gebe es Besprechungen zur Verbesserung und Anpassung der Waldbrandprävention, heißt es vom Umweltministerium.
Auch Fortbildungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesbetriebs Hessen-Forst finden regelmäßig statt - in Zusammenarbeit mit der Hessischen Landesfeuerwehrschule. Försterinnen und Förster lernen den Angaben zufolge dort, wie sie im Waldbrandfall die technische Einsatzleitung der Feuerwehren unterstützen können.
Warum sind weitere Maßnahmen nötig?
„Wegen des Klimawandels wird die Gefahr immer größer, wir müssen proaktiv handeln“, sagt Müller. Bisher reichte es nach seinen Worten, Brände mit viel Personal zu bekämpfen. „Unsere Länder haben technisch gut ausgestattete Fahrzeuge und moderne Drohnen. Das Wegenetz im Wald ist dicht. Die Feuerwehren sind flächendeckend präsent.“
Doch was passiert, wenn mehrere Brände gleichzeitig ausbrechen und die Kräfte aufgeteilt werden müssen? „Wir müssen das Feuer effizienter, also mit weniger Ressourcen pro Einsatzstelle bekämpfen. Das haben uns andere Länder in Europa voraus“, erläutert Experte Wolff.
Was lernen Forstleute und Feuerwehren beim Dreiländer-Projekt?
Das Pilotprojekt, das in diesem Jahr gestartet ist, soll bereits vorhandenes Wissen teilen, aktuelle Forschungsergebnisse einbeziehen und Abläufe verbessern, um Brände künftig schneller zu bekämpfen. Ziel ist es, praxisnahe Aus- und Fortbildungskonzepte für Forst und Feuerwehr zu erstellen. Zielgruppen sind Feuerwehrmannschaften, Führungskräfte, Forstwirte, Revierleiter oder Forstamtsleitungen.
Die Feuerwehr Frankfurt und die Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg haben über Jahre hinweg online unter vegetationsbraende.de ein Wissensportal zu Waldbränden, Prävention und Bekämpfung aufgebaut. Daraus ist das ForestFireFighting TransferLaboratory (FFFLab) entstanden. Das bundesweite Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit etwa einer Million Euro gefördert. Zusätzlich stehen vier Millionen Euro für Ideen, Entwicklungen und Forschungsprojekte bereit.
Wie geht es jetzt weiter?
Derzeit steckt das Projekt noch in der Startphase. Die Projektpartner haben unter Federführung der Forstwirte beim Forstamt Otterberg mit Hilfe von Umfragen und Workshops den Aus- und Fortbildungsbedarf ermittelt. Aus den Ergebnissen entwickelt Projektmitarbeiter Steffen Hartig sogenannte Lernzielkataloge.
Bis Ende August 2027 dient das Forstamt Otterberg als Modellregion und Praxispartner. Dort testen Forst und Feuerwehr die neuen Formate und trainieren gemeinsam. „Die Beteiligten sollen sich kennenlernen. Im Ernstfall müssen die Rollen klar verteilt sein, damit alles reibungslos läuft“, erklärt Hartig. „Wir wollen einen Werkzeugkasten schaffen, aus dem man je nach Situation das passende Werkzeug wählt.“
Flammen fressen sich durch ein Naturschutzgebiet. (Archivbild)Kevin Schößler/dpa
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