Patientenmorde: Palliativmediziner akzeptiert Urteil nicht
Bei Hausbesuchen hat ein Arzt 15 Patienten ermordet. Dafür verurteilt ihn ein Gericht zur Höchststrafe. Doch der Fall beschäftigt weiter die Justiz.
Im Mordprozess gegen einen Palliativmediziner hat das Gericht die Höchststrafe verhängt. Soeren Stache/dpa
© Soeren Stache/dpa
Der wegen 15-fachen Mordes verurteilte Palliativmediziner akzeptiert seine Verurteilung zur Höchststrafe nicht. Die Verteidigung des 41-jährigen Deutschen hat Revision gegen das Urteil des Landgerichts eingelegt, wie eine Gerichtssprecherin auf Anfrage sagte. Die Anwälte hatten diese bereits nach der Verkündung am Mittwoch angekündigt. Damit muss der Bundesgerichtshof den Fall auf mögliche Rechtsfehler prüfen.
Die Schwurgerichtskammer hatte den promovierten Mediziner am Mittwoch zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Zudem ordnete das Gericht Sicherungsverwahrung nach der Haftstrafe an und verhängte ein lebenslanges Berufsverbot.
Nach Überzeugung der Richterinnen und Richter hat der Arzt von 2021 bis 2024 zwölf Frauen und drei Männern jeweils ein tödliches Gemisch verschiedener Medikamente verabreicht. Jüngstes Opfer ist laut Urteil eine 25-Jährige, ältestes eine 94 Jahre alte Frau. Alle waren schwerstkrank, ihr Tod stand aber nicht unmittelbar bevor.
Teilgeständnis kurz vor Prozessende
Der Arzt hatte nach monatelangem Schweigen überraschend kurz vor Prozessende gestanden, zwölf schwer kranke Patientinnen und Patienten bei Hausbesuchen getötet zu haben. Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten „Leid und Siechtum“ zu ersparen, hieß es in seiner Erklärung.
Der 41-Jährige sitzt seit Anfang August 2024 in Untersuchungshaft. Auslöser der Ermittlungen waren Brände, die er gelegt haben soll, um Tötungen von Patienten zu verdecken. Zunächst wurde wegen Brandstiftung mit Todesfolge ermittelt. Dabei geriet der Angeklagte zunehmend in den Fokus.
Inzwischen zeichnet sich ein zweiter Prozess gegen den Mediziner ab. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben in 76 weiteren Fällen und geht von einer weiteren Anklage noch in diesem Jahr aus.