Lang und Kühnert kritisieren Politikbetrieb
Beide sind jung in hohe Parteiämter gekommen, beide habe sich davon verabschiedet. Kevin Kühnert ganz, Ricarda Lang durch einen Schritt zurück ins Glied. Beide sehen den Politikbetrieb kritisch.
Die beiden ehemaligen Spitzenvertreter von Grünen und SPD sehen die Debattenkultur in Gefahr. Gregor Fischer/dpa
© Gregor Fischer/dpa
Die frühere Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang und der ehemalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert haben die Debattenkultur in Deutschland kritisiert. Die Skepsis der Bürger gegenüber den Parteien und die Art, wie die Debatten geführt würden, machten es gerade „unfassbar schwer, eine Politik zu machen, die irgendwie die Bevölkerung auch erreicht“, sagte Lang am Abend in der „Stern Stunde“ mit Stern-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz im Hamburger Körberforum. Zudem kreise der Politikbetrieb zu sehr um sich selbst.
Kühnert sagte, er habe sich Ende 2024 aus der Politik zurückgezogen, weil er das Gefühl gehabt habe - „und zum Teil habe ich es immer noch -, dass die Debattenkultur kaputt ist in unserer Gesellschaft.“ Diskussionen, die inhaltlich geführt werden müssten, würden auf Nebenkriegsschauplätze gezogen.
Kühnert zog sich Ende 2024 aus der Parteipolitik zurück und arbeitet heute bei der Bürgerbewegung Finanzwende. Gregor Fischer/dpa
© Gregor Fischer/dpa
Lang warnt vor Politikbetrieb als inzestuöse Nabelschau
Er sehe eine Gesellschaft, „die aus meiner Sicht mit dem digital-medialen Umfeld und den Netzwerken, in denen wir uns alle bewegen, noch nicht gelernt hat, einen erwachsenen, souveränen Umgang zu finden und darin sinnstiftende politische Diskussionen zu führen“, sagte Kühnert.
Sie nehme wahr, dass sich bei manchem resignierten Politiker der Gedanke eingeschlichen habe, dass es mit dieser Bevölkerung nicht klappen werde, sagte Lang. „Und das halte ich für total gefährlich.“ Für sie habe immer festgestanden, „ich will aufhören, Politik zu machen, wenn ich zynisch werde“.
Lang warnt vor einem Politikbetrieb als Nabelschau.Gregor Fischer/dpa
© Gregor Fischer/dpa
Als abgehoben habe sie beispielsweise den Streit der Grünen und der CDU nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg empfunden, bei dem es nur darum gegangen sei, „wer jetzt gemein zu wem war“. Sie habe sich gefragt: „Wen juckt’s?“
Für sie sei das eine Art „von einer selbstreferenziellen, fast schon inzestuösen Nabelschau, die wir da verfolgen von einem politischen Betrieb, der immer mehr um sich selbst kreist und dabei nicht mehr erkennt, wie sich ganz, ganz viel Leute enttäuscht und auch irritiert abwenden“, sagte Lang, die von Februar 2022 bis November 2024 Bundesvorsitzende der Grünen war.