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Harter Winter senkt Kormoran-Bestand und treibt gen Süden

Kälte und Eis setzten Kormoranen an der Ostsee zu: Viele Tiere sind verendet. Im kommenden Winter dürften sie verstärkt in den Süden ziehen. Ihnen fehlt ein Kälteschutz-Mechanismus anderer Vögel.

Von dpa

28.02.2026

Kormorane fetten ihr Gefieder nicht gegen die Kälte ein. Daher setzt ihnen kaltes Wasser stärker zu als anderen Vögeln. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

Kormorane fetten ihr Gefieder nicht gegen die Kälte ein. Daher setzt ihnen kaltes Wasser stärker zu als anderen Vögeln. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

© Stefan Sauer/dpa

Der harte Winter hat nach Ansicht des Experten Christof Herrmann zeitweise ein Schrumpfen der hiesigen Kormoran-Population zur Folge. „Ich gehe jetzt ganz stark davon aus, dass der Brutbestand im Ostseeraum in diesem Jahr genauso einen Einbruch haben wird wie nach dem kalten Winter 2010“, sagt Herrmann, der für das Landesamt für Umwelt-, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern Vogelpopulationen beobachtet und die Beringungszentrale Hiddensee leitet.

Nach dem damaligen Winter sei der Brutbestand etwa in Mecklenburg-Vorpommern um 25 Prozent eingebrochen. Auch anderswo im südwestlichen Ostseeraum, also auch in Schleswig-Holstein, Dänemark und Südschweden sei mit einem Bestandsrückgang und einem veränderten Zugverhalten zu rechnen. So könnten besonders in den kommenden Wintern Kormorane in diesen Regionen teils deutlich seltener sein.

„Wir gehen davon aus, dass die Vögel durchaus von so einem harten Winter, wie wir ihn jetzt hier hatten, lernen und in den nächsten Wintern nur noch in deutlich geringerer Zahl im Ostseeraum bleiben zum Überwintern.“

Verstärktes Zugverhalten erwartet

Das legten Januar-Wintervogelzählungen aus der Vergangenheit nahe. Nach dem kalten Winter 2009/2010 seien im Winter 2011 fast gar keine Kormorane mehr in Mecklenburg-Vorpommern geblieben. Es habe Jahre gedauert, bis der Winter-Rastbestand wieder das vorhergehende Niveau erreichte.

„Das erklärt sich nicht damit, dass die alle gestorben sind und deswegen im nächsten Winter nicht mehr da waren.“ Der Brutbestand habe sich viel schneller wieder erholt. Vielmehr wanderten die Tiere wieder weiter Richtung Süden. So seien 2011 zwei beringte hiesige Kormorane im Winter in Tunesien aufgetaucht. Dass Kormorane aus dem Ostseeraum bis nach Nordafrika ziehen, habe es zuvor schon lange nicht mehr gegeben. Auch dieses Mal rechnet Herrmann mit einem Effekt auf das Rastgeschehen an der Ostseeküste für fünf bis sechs Jahre.

Dort, wo es noch offenes Wasser gab, haben sich die Kormorane an der Ostseeküste teils massenhaft versammelt. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

Dort, wo es noch offenes Wasser gab, haben sich die Kormorane an der Ostseeküste teils massenhaft versammelt. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

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Eigentlich blieben Kormorane zunehmend im Norden oder zögen nicht mehr so weit wie in der Vergangenheit. Grund seien strenge Winter seltener. „In den letzten fünf Jahren machten die Vögel, die innerhalb von 500 Kilometern geblieben sind, laut Beringungsdaten 60 Prozent aus. In den 1930er Jahren betrug die kürzeste Entfernung 915 Kilometer.“

Sensibler für kaltes Wasser als andere Vögel

Dieser Winter habe den Kormoranen auf unterschiedliche Weise zugesetzt. Zum einen kamen die auf Fisch spezialisierten Vögel wegen des Eises vielerorts nicht mehr an ihre Beute. Aber auch dort, wo es kein Eis gab, seien Tiere verendet - wegen der Kälte. 

Anders als andere Wasservögel schützten sich Kormorane nicht vor ihr, indem sie ihr Gefieder einfetten. „Wenn sie zu lange im Wasser nach Nahrung tauchen müssen, dann verlieren sie zu viel Wärme, zu viel Energie.“ Die Vögel seien darauf angewiesen, möglichst effizient Beute zu machen. So sei etwa nachgewiesen, dass Kormorane im Winter, gezielt größere Fische fressen.

Wegen der Eisbildung kamen die Kormorane vielerorts nicht an ihre Beute - Fisch. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

Wegen der Eisbildung kamen die Kormorane vielerorts nicht an ihre Beute - Fisch. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

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„Das heißt also, der Kormoran kann im kalten Wasser nur leben, wenn die Fischdichte entsprechend hoch ist.“ Wenn nicht, könnten die Vögel verenden.

Verendete Tiere, aber auch Abwanderung

Zahlen, wie viele Kormorane dem jüngsten Winter zum Opfer gefallen sind, sind aktuell kaum zu ermitteln. Mit einiger Verzögerung lässt sich laut Herrmann aus Ringfunddaten jedoch die Sterblichkeit berechnen, die in diesem Winter sicherlich höher gewesen sei als in den vergangenen Jahren. Ein Teil der Vögel sei offenbar aber auch während der Kälteperiode abgewandert. 

Auf der kleinen Insel Greifswalder Oie östlich des Greifswalder Boddens wurden laut Herrmann zu Beginn der Kälteperiode etwa 3.000 Kormorane gezählt. „Jetzt waren da noch 700 zum Schluss.“ Auch dort seien einige tote Kormorane gefunden worden.

Auswirkung auf Fischbestände unklar

Aussterben wird der Kormoran unterdessen bei uns nicht. Laut Kormoran-Bericht Mecklenburg-Vorpommern von 2024 war der Bestand im südwestlichen Ostseeraum einschließlich Dänemark, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein abgesehen von dem Einbruch nach 2010 weitgehend konstant. Für 2025 geht Herrmann von etwa 46.000 Brutpaaren im südwestlichen Ostseeraum aus. Nach seiner Einschätzung wird sich der Bestand nach den Verlusten dieses Winters in drei bis fünf Jahren wieder erholen.

Der vorausgesagte Bestandsrückgang im südwestlichen Ostseeraum dürfte binnen weniger Jahre wieder ausgeglichen sein. (Archivbild)Jens Büttner/dpa

Der vorausgesagte Bestandsrückgang im südwestlichen Ostseeraum dürfte binnen weniger Jahre wieder ausgeglichen sein. (Archivbild)Jens Büttner/dpa

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Dürfen Fischer nun auf mehr Fisch hoffen? So einfach sei es nicht, sagt Herrmann. Einfache Hochrechnungen funktionierten nicht. Fischbestände könnten bestimmte Verluste etwa durch den Kormoran ohnehin kompensieren, weshalb ein direkter Effekt schwer darzustellen sei. Für Fischteiche oder Netzkäfige könne man zwar die Verluste durch den Kormoran ermitteln. Besonders attraktive Gebiete wie Fischteichanlagen würden Kormorane aber auch bei einem niedrigeren Bestand besonders stark aufsuchen.

Viele Kormorane sind in diesem Winter verendet. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

Viele Kormorane sind in diesem Winter verendet. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

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Im nächsten Winter rasten womöglich weniger Kormorane an der Ostseeküste. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

Im nächsten Winter rasten womöglich weniger Kormorane an der Ostseeküste. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa

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