Experte: Landwirtschaft auf Mooren ist endlich
Moorboden war lange für Torfabbau und Ackerbau attraktiv. Während Umweltschützer betonen, dass nasse Moore wichtig für den Klimaschutz sind, haben Landwirte auch einen Wirtschaftsanreiz zum Umdenken.
Bayerns Moore sollen wieder nässer werden. Auch sogenannte Paludikulturen, das heißt Pflanzen wie Schilf, lassen sich wirtschaftlich nutzen.Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
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Ein Viertel der landwirtschaftlich genutzten Moorfläche in Bayern könnte in 15 Jahren nicht mehr wie bisher nutzbar sein. Das prognostiziert Professor Matthias Drösler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising. Grund ist, dass bisher die meisten Moore entwässert wurden, um auf ihnen Ackerbau zu betreiben. Das hat Folgen: „Wenn man entwässert, sackt der Boden immer weiter ab“, sagt Drösler. Entweder lande man irgendwann beim Grundwasser oder bekomme untauglichen Boden.
Drösler und Kollegen haben sich die Folgen bayernweit angeschaut. „Da kommen aufrüttelnde Zahlen raus“, sagt der Forscher. In den nächsten 30 Jahren könnten sogar 40 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Mooren wegen der Sackung nicht mehr nutzbar sein. Sprich: Landwirtschaft auf entwässerten Moorböden sei endlich.
Aus Schilf und Co. neue Produkte entwickeln
Drösler plädiert daher genau wie Umweltschützer dafür, Moore wieder nasser zu machen. Dabei müssten Landwirtinnen und Landwirte nicht auf die Nutzung verzichten. Sie müssten nur andere Pflanzen anbauen. Aus sogenannten Paludikulturen, wie Schilf und Röhricht, ließen sich Produkte wie Papier und Baumaterialien herstellen. „Wenn es in den ersten Regionen klappt, wird sich rumsprechen, dass sich der Anbau lohnt und mehr und mehr Landwirte werden nachziehen“, meint Drösler.
Vom Umstieg würde auch der Klimaschutz profitieren, den Moore speichern CO2. Derzeit sind laut Landesamt für Umwelt (LfU) von den rund 220.000 Hektar Moorfläche in Bayern nur zehn Prozent intakt, etwa 90 Prozent sind entwässert. Die bayerische Regierung fördert daher die Wiedervernässung mit verschiedenen Programmen und Aktionen. Ziel ist es, bis 2040 ein Viertel der Moorfläche wieder zu vernässen.
Auf die Bedeutung von nassen Mooren und anderen Feuchtgebieten soll der „Welttag der Feuchtgebiete“ (Englisch „World Wetland Day“) am Montag aufmerksam machen. Er findet seit 1997 am 2. Februar statt.
Die meisten Moore in Bayern sind relativ ausgetrocknet. Daniel Vogl/dpa
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Bayerns Moore sollen wieder nässer werden. Auch sogenannte Paludikulturen, das heißt Pflanzen wie Schilf, lassen sich wirtschaftlich nutzen.Patrick Pleul/dpa
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Bayerns Moore sollen wieder nässer werden. Auch sogenannte Paludikulturen, das heißt Pflanzen wie Schilf, lassen sich wirtschaftlich nutzen.Patrick Pleul/dpa
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