Aus bei Autozuliefern droht: Mehr als 1.000 Jobs in Gefahr
Bittere Nachrichten aus Harzgerode und Wernigerode: Hauptauftraggeber ziehen sich zurück, Rettungsversuche scheitern – jetzt droht bei Bohai und der Schlote-Gruppe das endgültige Aus.
Mit Bohai Trimet und der Schlote-Gruppe stehen zwei wichtige Automobilzulieferer mit Standorten im Harz und Thüringen vor dem Aus. (Archivbild)Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa
© Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa
Die Automobilzulieferindustrie im Harz erlebt an einem einzigen Tag einen doppelten Schlag: Sowohl beim insolventen Gießereispezialisten Bohai als auch bei der ebenfalls insolventen Schlote-Gruppe zeichnet sich nach Angaben der Insolvenzverwalter das Ende des laufenden Betriebs ab. Insgesamt seien damit über 1.000 direkte Arbeitsplätze unter anderem an den Standorten in Harzgerode und Wernigerode gefährdet. Hinzu könnten weitere mehrere Hundert Stellen kommen, die indirekt mit den Unternehmen verbunden sind.
Zwar sei mit drei potenziellen Interessenten über eine Übernahme von Bohai verhandelt worden, sagte Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann. Allerdings gebe es bis zum heutigen Tag keine Einigung. Und das, obwohl das Land Sachsen-Anhalt, die Stadt Harzgerode und weitere Institutionen verbindliche Unterstützung für die Zukunft erklärt hätten. Ende vergangener Woche habe dann der Hauptauftraggeber mitgeteilt, dass wesentliche, bislang in Harzgerode und dem thüringischen Sömmerda gefertigte Teile ab Herbst abgezogen würden.
Ohne diese Arbeit seien beide Standorte nicht überlebensfähig, sagte Spiekermann. Eine endgültige Entscheidung müssten die vier Gläubigerausschüsse vermutlich Ende der kommenden Woche treffen. Bei Bohai arbeiten knapp 700 Beschäftigte. Von dem Aus des Unternehmens seien aber auch weitere 650 Arbeitsplätze bei Unternehmen in der Region betroffen, die wirtschaftlich mit Bohai verbunden seien.
Auch Werke in Thüringen und Brandenburg betroffen
Auch bei der insolventen Schlote-Gruppe hätten die Kunden dem Insolvenzverwalter mitgeteilt, dass sie die dort beauftragten Autoteile künftig von anderen Lieferanten beziehen würden, hieß es in einer Mitteilung des Insolvenzverwalters. Von dieser Entscheidung betroffen seien rund 330 Beschäftigte in den Werken von GAW Wernigerode, Schlote Harzgerode und Schlote Brandenburg.
Die Fortführung des Betriebs sei von den Kunden und Auftraggebern sowohl bei Schlote als auch bei Bohai mit zweistelligen Millionenbeträgen unterstützt worden, um seit einem Jahr noch eine Rettung der beiden Unternehmen zu verhandeln, teilten die Insolvenzverwalter mit. Auch bei der Schlote-Gruppe muss der Gläubigerausschuss noch zustimmen. Im Werk in Brandenburg an der Havel laufe die Produktion bereits aus. Das Werk werde voraussichtlich im Herbst geschlossen.