Medaillentraum lebt: Handballer stürmen ins EM-Halbfinale
Im entscheidenden Hauptrundenspiel zeigen die deutschen Handballer eine starke Leistung und belohnen sich mit dem Einzug ins Halbfinale. Dort wartet ein alter Bekannter.
Die deutschen Handballer stehen im EM-Halbfinale.Sina Schuldt/dpa
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Bundestrainer Alfred Gislason verfolgte mit einem zufriedenen Lächeln den Jubeltanz der deutschen Handballer. Angetrieben von einem famosen Juri Knorr ist die DHB-Auswahl ins Halbfinale der Europameisterschaft gestürmt und darf weiter von der ersten EM-Medaille seit dem Gold-Triumph vor zehn Jahren träumen. Der Olympia-Zweite behielt im Hauptrunden-Endspiel gegen Rekord-Weltmeister Frankreich die Nerven und überzeugte beim 38:34 (19:15) mit einer im Turnier bisher vermissten Offensiv-Power.
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich begeistert. Der CDU-Politiker gratulierte der deutschen Mannschaft aus Berlin. „Das ist eine große Freude“, sagte Merz bei einer Pressekonferenz. Jetzt hoffe er auf einen Einzug ins Endspiel. Um dorthin zu gelangen, muss die DHB-Auswahl im Halbfinale am Freitag den WM-Zweiten Kroatien besiegen. „Jetzt wollen wir auch ins Finale“, sagte Gislason.
Nach dem verdienten Sieg gegen Frankreich sprach der 66-Jährige von einer „phänomenalen Leistung“ und zeigte sich „extrem stolz“ von der Teamleistung. Ein Extra-Lob gab es für Knorr, der mit zehn Toren bester deutscher Werfer war. „Die Leistung war phänomenal. Er hat sich sehr unter Druck gesetzt. Heute hat er das beste Spiel gemacht, das ich je von ihm gegen so eine Nation gesehen habe“, sagte Gislason.
Jetzt gegen Kroatien
Vor 10.850 Zuschauern in Herning legte die DHB-Auswahl einen furiosen Auftritt hin und distanzierte in der zweiten Turnierphase mit 8:2 Punkten die starke Konkurrenz aus Frankreich, Spanien, Portugal und Norwegen. Nur der punktgleiche Weltmeister und Olympiasieger Dänemark lag wegen des gewonnenen Direktvergleichs vor der deutschen Mannschaft und bekommt es im Halbfinale nun mit Island zu tun.
Wie schon beim „Wunder von Lille“ bei den Sommerspielen 2024, als Deutschland im Viertelfinale in der Verlängerung siegte, gab es im DHB-Lager nach dem Abpfiff grenzenlose Freude. „Wir freuen uns natürlich, dass wir das Ding geholt haben“, sagte Rückraumspieler Renars Uscins.
Klar ist: In dieser Form darf das DHB-Team bei der Endrunde in Dänemark, Norwegen und Schweden weiter auf das erste EM-Edelmetall seit dem sensationellen Titelgewinn 2016 hoffen. Der starke Auftritt gegen Frankreich dürfte auch die Diskussionen um die Zukunft von Gislason, dessen Vertrag bis zum Ende der Heim-WM 2027 gilt, verstummen lassen.
Deutsches Offensiv-Feuerwerk
Die Ausgangslage vor dem Showdown war klar: Der deutschen Mannschaft reichte schon ein Remis zum Einzug ins Halbfinale, der viermalige Europameister musste unbedingt gewinnen. Entsprechend motiviert gingen beide Teams in die Partie, in der das DHB-Team kurzfristig auf den erkrankten Abwehrspezialisten Tom Kiesler verzichten musste.
Anders als in den Partien zuvor agierte die deutsche Mannschaft im Angriff von Beginn an konzentriert und effektiv. Dafür fand die Deckung zunächst keine Einstellung. Erst nach einer Viertelstunde konnte Torwart Andreas Wolff, der nach seiner Reservistenrolle gegen Dänemark wieder begann, erstmals einen Wurf der Franzosen abwehren.
War dieses Mal kein Faktor: Torwart Andreas Wolff. Sina Schuldt/dpa
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Die Parade wirkte wie ein Signal an seine Vorderleute, noch aggressiver zu Werke zu gehen. Und das taten sie. Nach 18 Minuten war Deutschland beim 11:7 auf vier Tore enteilt. Großen Anteil daran hatte Knorr, der endlich die erhoffte Torgefahr ausstrahlte und zur prägenden Figur in der ersten Halbzeit avancierte. Zudem erwies sich Justus Fischer am Kreis als sicherer Vollstrecker.
Abwehrprobleme bleiben folgenlos
Frankreich setzte der deutschen Offensivstärke nur die Torgefahr von Dika Mem entgegen. Der Star vom FC Barcelona, der im Sommer 2027 zum deutschen Meister Füchse Berlin wechselt, war kaum zu stellen. Dennoch nahm die DHB-Auswahl unter dem Jubel der zahlreichen deutschen Fans ein Vier-Tore-Polster in die Pausenkabine mit.
Sorgte aus dem Rückraum für Torgefahr: Renars Uscins. Sina Schuldt/dpa
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Weil Wolff in der ersten Halbzeit überhaupt kein Faktor war, schickte der Bundestrainer mit Wiederbeginn David Späth zwischen die Pfosten. Und der 23-Jährige lieferte zunächst, sodass sich seine Vorderleute den einen oder anderen Fehlwurf leisten konnten.
Zwölf Minuten vor Ultimo stand die Partie beim 29:28 aber plötzlich wieder auf der Kippe. Wolff kehrte zurück und entschärfte gleich den ersten Wurf. In der dramatischen Schlussphase hatte Deutschland das bessere Ende für sich und greift nun nach einer Medaille.
War bester deutscher Werfer: Juri Knorr.Sina Schuldt/dpa
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