Handball

„Gummersbach boomt“: Der Bundesliga-Dino feiert ein Revival

Champions League in Sicht, ein Star-Transfer und mehr DHB-Profis als jeder andere Handball-Club: Der frühere Weltverein VfL Gummersbach arbeitet an einer neuen Erfolgsstory. Heiner Brand schwärmt.

Von Jordan Raza, dpa

03.04.2026

Wechselt im Sommer zum THW Kiel: Julian Köster. (Archivbild)Michael Hundt/dpa

Wechselt im Sommer zum THW Kiel: Julian Köster. (Archivbild)Michael Hundt/dpa

© Michael Hundt/dpa

Die glanzvollen 1970er- und 80er-Jahre mit Vereinsikone Heiner Brand brachten dem VfL Gummersbach Ruhm und Anerkennung weit über die Grenzen des Oberbergischen hinaus. Nun, rund ein halbes Jahrhundert später, steht der Handball-Bundesligist womöglich am Anfang einer neuen Erfolgsära. 

Der 39:30-Sieg am Donnerstag im Derby beim Bergischen HC war der neunte Erfolg in Serie für den mit deutschen Nationalspielern gespickten Kader. Gummersbach hat sich in der Spitzengruppe der Bundesliga etabliert und könnte sich erstmals seit fast 20 Jahren für die Champions League qualifizieren. 

Auch heute noch Stammgast bei den Heimspielen: Vereinslegende Heiner Brand. (Archivbild)Matthias Balk/dpa

Auch heute noch Stammgast bei den Heimspielen: Vereinslegende Heiner Brand. (Archivbild)Matthias Balk/dpa

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„Das ist die beste Gummersbacher Mannschaft seit Jahrzehnten“, schwärmte Brand im Gespräch mit der dpa. Der 73-Jährige trug als Spieler und später als Trainer über 30 Jahre das Trikot seines Herzensvereins und lässt sich auch heute kaum ein Heimspiel entgehen. „Das ist der einzige Handball-Termin, den ich mir immer freihalte. Ich bin in den letzten Jahren wesentlich mehr Fan geworden“, berichtete Brand.

Goldene Ära, tiefer Fall und neue Euphorie

Der VfL zählt zu den traditionsreichsten und erfolgreichsten Handballclubs Deutschlands. Gummersbach war nicht nur Gründungsmitglied der Bundesliga, sondern auch der erste deutsche Meister 1967. Mit zahlreichen Titeln – darunter 12 deutsche Meisterschaften, fünf DHB-Pokalsiege und fünf Europapokale der Landesmeister – prägte er vor allem die 1970er- und 1980er-Jahre. Persönlichkeiten wie Brand oder Joachim Deckarm stehen bis heute sinnbildlich für diese goldene Ära. 

Heiner Brand gewann als VfL-Spieler sechsmal die deutsche Meisterschaft. (Archivbild)picture alliance / dpa

Heiner Brand gewann als VfL-Spieler sechsmal die deutsche Meisterschaft. (Archivbild)picture alliance / dpa

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In den 1990er-Jahren geriet der Verein zunehmend in eine sportliche und wirtschaftliche Schieflage. Tiefpunkt der Vereinsgeschichte war der Abstieg 2019. Drei Jahre später gelang die Rückkehr ins Oberhaus - nicht zuletzt dank des isländischen Trainers Guðjón Valur Sigurðsson und Sportchef Christoph Schindler, der als Architekt des Aufschwungs gilt. „Meine Zukunft beim VfL wird frühestens dann enden, wenn wir endlich da sind, wo dieser Verein hingehört“, erklärte Schindler vor einigen Wochen. 

Arena 42 Mal in Folge ausverkauft

Zuletzt meldete der Club zum 42. Mal in Folge eine ausverkaufte Halle. Nun ist die Schwalbe-Arena mit einer Kapazität von rund 4.100 Zuschauern zwar deutlich kleiner als die Hallen einiger Konkurrenten - dennoch verdeutlichen die Zahlen die neue Euphorie in Gummersbach. 

„Dieser Zuschauerzuspruch ist nicht normal. Gummersbach boomt. Als wir in den 70er-Jahren Titel am laufenden Band gewonnen haben, war die kleine Eugen-Haas-Halle, die Platz für etwa 2.000 Zuschauer bot, vielleicht dreimal voll und ansonsten waren es 500 Zuschauer“, erinnerte sich Brand. 

Warum Platz für die Königsklasse reichen könnte

Der Lohn für die erfolgreichste Saison seit Jahren könnte die Qualifikation für die Champions League sein. Dabei könnte dem VfL die Erweiterung der Königsklasse von 16 auf 24 Teams in die Karten spielen. „In diesem Zuge wird auch der Bundesliga die Möglichkeit eingeräumt, bis zu drei Mannschaften zu melden. Eine wird automatisch qualifiziert sein, nämlich der Meister. Platz zwei und drei könnten über ein sogenanntes Upgrade-Verfahren auch an der Champions League teilnehmen“, sagte Liga-Chef Frank Bohmann dem NDR. 

Seine Entwicklung steht sinnbildlich für den Gummersbacher Aufschwung: Nationalspieler Miro Schluroff. (Archivbild)Michael Hundt/dpa

Seine Entwicklung steht sinnbildlich für den Gummersbacher Aufschwung: Nationalspieler Miro Schluroff. (Archivbild)Michael Hundt/dpa

© Michael Hundt/dpa

Nach Siegen unter anderem über Flensburg und Kiel steht der VfL auf Rang vier. „Natürlich wollen wir am Ende so hoch raus, wie es geht. Wir sehen auch, dass die Konkurrenz hier und da mal Punkte liegen lässt“, sagte Nationalspieler Miro Schluroff zuletzt.

Drei DHB-Profis mit Langzeitverträgen

Was die positive Entwicklung zusätzlich unterstreicht: in Julian Köster, Schluroff, Tom Kiesler und Mathis Häseler kommen aktuell vier deutsche Nationalspieler aus Gummersbach. Kein Verein stellt mehr DHB-Profis. Die Zukunft des VfL ist vielversprechend, auch wenn in Kapitän und Identifikationsfigur Köster der wichtigste Spieler im Sommer zum THW Kiel wechselt. „Der Abgang tut weh. Julian ist für mich der kompletteste deutsche Handballer“, befand Brand.

Unverzichtbar im Gummersbacher Rückraum: Julian Köster (l) und Miro Schluroff. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa-Pool/dpa

Unverzichtbar im Gummersbacher Rückraum: Julian Köster (l) und Miro Schluroff. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa-Pool/dpa

© Sina Schuldt/dpa-Pool/dpa

Immerhin bleibt das Trio um Schluroff dem VfL erhalten. Darüber hinaus hat sich der Verein ab der kommenden Spielzeit die Dienste des spanischen Handball-Stars Alex Dujshebaev gesichert. Vieles deutet darauf hin: Der VfL ist bereit für die europäische Bühne.

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