Fussball

Infantino hält Gegner im FIFA-Zoff hin: „Dünne“ Antworten

Nach dreieinhalb Stunden Krisensitzung bleiben die Gegner von FIFA-Boss Gianni Infantino frustriert zurück. DFB-Chef Neuendorf nennt die Ergebnisse „dünn“. Der Machtkampf geht in die nächste Runde.

Von Arne Richter, dpa

15.10.2026

Gianni Infantino empfing die Mitglieder des FIFA-Councils in Zürich. (Archivbild) Bradley Collyer/PA Wire/dpa

Gianni Infantino empfing die Mitglieder des FIFA-Councils in Zürich. (Archivbild) Bradley Collyer/PA Wire/dpa

© Bradley Collyer/PA Wire/dpa

Viele Fragen, keine Antworten. Nach einer mehr als dreieinhalbstündigen Krisensitzung sind die Gegner von Präsident Gianni Infantino ohne Ergebnis und spürbar frustriert vom FIFA-Hof gefahren. UEFA-Boss Aleksander Ceferin brauste in einer Limousine samt Chauffeur hinter verdunkelten Scheiben wenige Minuten nach dem Ende des Council-Meetings als Erster ohne Kommentar davon. 

DFB-Chef Bernd Neuendorf oblag es erneut, die für ihn und seine Mitstreiter enttäuschenden Resultate der Zusammenkunft der Fußball-Spitzenfunktionäre in Worte zu fassen. „Wir haben sehr viele kritische Fragen gestellt, befriedigende Antworten hat es aus meiner Sicht nicht gegeben“, sagte Neuendorf nach dem Meeting in Zürich. 

Die Council-Sitzung war die erste Zusammenkunft von Infantino mit seinen Kontrahenten nach dessen massiv umstrittener Idee für einen WM-Investorenplan im Sommer. Infantino habe bei der Sitzung zugehört und eine Beantwortung zu allen Themen zugesagt, berichtete die englische FIFA-Vizepräsidentin Debbie Hewitt. Aber konkret vereinbart wurde praktisch nichts. 

Infantino verspricht keinen Zeitrahmen

Ein Zeitrahmen für die Antworten des Weltverbandschefs, vor allem wie er an allen FIFA-Institutionen vorbei einen hochumstrittenen Finanzplan rund um das WM-Premiumprodukt mit dem US-Präsident Donald Trump nahestehenden Joshua Kuschner als Geldsammler konzipieren konnte, wurde nicht gegeben. 

Die europäischen Funktionäre konnten sich nicht als Sieger fühlen. (Archivbild)Marijan Murat/dpa

Die europäischen Funktionäre konnten sich nicht als Sieger fühlen. (Archivbild)Marijan Murat/dpa

© Marijan Murat/dpa

Die Ergebnisse seien „dünn“, sagte Neuendorf. Infantino habe sich entschuldigt, aber nur für die ausgebliebene Kommunikation, nicht für das mittlerweile verworfene Projekt als solches. Ob die Entschuldigung aufrichtig gewesen sei, wurde Neuendorf gefragt: „Gut, das muss er selbst wissen“, sagte der DFB-Chef.

Infantino versteht sich auf die Inszenierung der Krise als Bagatelle. Und lieferte im Konferenzsaal im dritten Untergeschoss der protzigen FIFA-Zentrale ein weiteres sportpolitisches Meisterstück ab. Zuhören ja, zusagen nein. Infantino manövriert sich weiter in Richtung einer vierten Amtszeit und die Hoffnungen der Europäer auf einen Wandel sind nach diesem nur meteorologisch Goldenen-Oktober-Tag noch trister geworden. 

Zuspruch aus Afrika für FIFA-Boss

„Es gibt kein Verbot, Kandidaten aufzustellen. Die Fristen sind festgelegt. Wir haben bis zum 18. November Zeit, um zu sehen, ob es einen Kandidaten gibt oder nicht. Das ist Demokratie bei der FIFA. Aber wie Sie auch sehen, unterstützt die Mehrheit der Verbände weltweit sowie die Konföderationen Präsident Gianni Infantino“, sagte das mauretanische Council-Mitglied Ahmed Yahya. Das ist die FIFA-Realität außerhalb Europas. 

Bis zu jenem 18. November müssen die Europäer einen möglichen Gegenkandidaten für die FIFA-Präsidentschaftswahl im März 2027 aufstellen, der Infantino herausfordern soll. Der Plan bleibt unverändert. „Wie gesagt, das Vertrauen in ihn ist verloren. Es müssen jetzt neue Leute, neue Ideen entwickeln, und wie wir diese Organisation, die ja extrem wichtig ist für den Weltfußball, auf seriöse Beine stellen“, sagte Neuendorf.

Kurz vor Sitzungsbeginn hatte Infantino per Instagram seinen Post mit einem Herz und einem Globus garniert. Die Message: Die Fußball-Welt steht zusammen, alle Würdenträger kommen zu mir nach Zürich. Die Bilder vom Vorabend in einem Nobelhotel sollten dies zusätzlich dokumentieren.

Inszenierung in sozialen Medien

Handshake mit Funktionären aus aller Welt. Ein Glas Rotwein bei Seafood und Mozzarella. Etwas sauertöpfisch wirkten dagegen die Gesichter am Tisch der Europäer um Ceferin und Neuendorf. Infantino steht auf einem Bild vor seinen sitzenden Rivalen. Sie müssen zu ihm aufblicken. 

„Ich habe einen wunderbaren Abend mit Freunden, Kollegen, FIFA-Vizepräsidenten und Mitgliedern des FIFA-Rates verbracht - am Vorabend der ersten Sitzung des FIFA-Rates in Zürich seit dem überwältigenden Erfolg der FIFA-Weltmeisterschaft 2026“, schrieb Infantino. Vermutlich Ansichtssache für manche der Beteiligten. 

Die politische Botschaft verpackte der Schweizer im Folgesatz. „Ich bin allen für ihr anhaltendes Engagement und ihre Leidenschaft dankbar, während wir uns darauf vorbereiten, wichtige Entscheidungen für die Zukunft des Fußballs zu treffen - eines Fußballs, der allen gehört, überall auf der Welt.“

Arbeitsgruppe für Reformen

Ein paar symbolische Entscheidungen konnten Infantino abgerungen werden. Beschlossen wurde die Bildung einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von FIFA-Vizepräsident Scheich Salman Bin Ebrahim al Khalifa. Sie soll die Governancestruktur des Weltverbandes neu ordnen, damit künftig Alleingänge bei wichtigen Projekten wie von Infantino bei den WM-Investorenplänen nicht mehr möglich sind. 

In der FIFA-Zentrale kam das Council des Weltverbandes zu Beratungen zusammen. Arne Richter/dpa

In der FIFA-Zentrale kam das Council des Weltverbandes zu Beratungen zusammen. Arne Richter/dpa

© Arne Richter/dpa

Neuendorf machte klar, dass es primär darum gegangen sei, für die Wahl am 18. März im marokkanischen Rabat einen fairen Prozess zu ermöglichen, ohne die von Infantino geführte FIFA-Administration. Das Vertrauen in die Institution ist minimal. „Ich habe ehrlich gesagt nicht die große Erwartung gehabt, dass wir auf jede Frage hier heute eine Antwort bekommen. Dass wir gar keine bekommen, das ist schon ein bisschen enttäuschend“, zog Neuendorf als Fazit. 

Friedenspreis auf Prüfstand

Bis zur nächsten Council-Sitzung am 16. Dezember in Doha soll immerhin eine Entscheidung über die Zukunft des FIFA-Friedenspreises fallen, den Infantino im Vorjahr auf groteske Weise an US-Präsident Donald Trump verliehen hatte. Auf den Weg gebracht wurde die Erhöhung der jährlichen Zuschüsse an alle 211 nationalen Fußball-Verbände von rund 10 auf etwa 25 Millionen Dollar - ein Vorschlag, den Infantino kurz vor der Sitzung eingebracht hatte. 

Verworfen wurde laut Hewitt der Vorschlag einer Neureglung bei der Bestrafung von Roten Karten. Nachdem WM-Wirbel um die Aufhebung der Sperre für US-Spieler Folarin Balogun - angeblich auf Intervention von Trump und Infantino - sollte es künftig keine Einspruchsmöglichkeiten gegen die Mindeststrafe von einem Spiel mehr geben.

Bei der FIFA-Sitzung trafen Präsident Infantino und seine Gegner aufeinander.  Claudio Thoma/KEYSTONE/dpa

Bei der FIFA-Sitzung trafen Präsident Infantino und seine Gegner aufeinander. Claudio Thoma/KEYSTONE/dpa

© Claudio Thoma/KEYSTONE/dpa

Karte
Das könnte Sie auch interessieren

Fussball

zur Merkliste

Der schnelle Absturz: Wenn Ex-Fußballer pleitegehen

Hohe Gehälter, kurze Karrieren, große Risiken: Für Profifußballer endet mit dem letzten Spiel oft auch eine Phase der finanziellen Sicherheit. Was passiert nach dem Abpfiff?