Wissenschaft

Auftragseingänge gehen stärker zurück als erwartet

Die Unternehmen halten sich angesichts des Iran-Kriegs zurück und bestellen weniger. Hintergrund sind vor allem Preiserhöhungen wegen gestiegener Energiepreise.

Von dpa

08.06.2026

Hohe Energiepreise machen viele Produkte teurer.Jan Woitas/dpa

Hohe Energiepreise machen viele Produkte teurer.Jan Woitas/dpa

© Jan Woitas/dpa

Der Iran-Krieg belastet die Industrienachfrage in Deutschland. Der Auftragseingang ist im April stärker zurückgegangen als von Experten erwartet. Die Aufträge sanken im Vergleich zum Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 3,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Volkswirte hatten lediglich mit einem Rückgang von 2,0 Prozent gerechnet. 

Zudem wurde der Anstieg im März leicht auf ein Plus von 4,5 Prozent um einen halben Prozentpunkt nach unten revidiert. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang von Februar bis April um 3,1 Prozent niedriger als in den drei Monaten zuvor.

Hohe Energiepreise bremsen

Der Iran-Krieg treibt weiterhin die Energiepreise und sorgt für Verunsicherung. Im März hatten sich die Auftragszahlen noch erholt. Dies war allerdings auf vorgezogene Bestellungen zurückzuführen, da die Unternehmen Preiserhöhungen im Zuge des Iran-Kriegs befürchteten. „Der Einbruch von Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklima lässt keine baldige Erholung erwarten“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Vielmehr dürfte die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal etwas schrumpfen. „Der Nahost-Krieg fordert seinen Tribut.“

DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen betonte, nach dem positiven Ausschlag im März aufgrund von Lageraufstockungen folge nun die Gegenbewegung im April. Der Nahostkonflikt, die Preissteigerungen bei Öl und Gas sowie die einhergehende Unsicherheit dämpften die Konjunktur. „Darüber hinaus belasten die strukturellen Probleme am heimischen Standort das Geschäft“, sagte Zenzen. Eine schnelle Erholung sei nicht zu erwarten. Laut der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage rechne ein Drittel der Industriebetriebe in den kommenden Monaten mit einer weiteren Verschlechterung ihrer Lage.

Bestellungen aus dem Ausland sinken besonders stark

Belastet wurde die Auftragsentwicklung von einem deutlichen Rückgang der Neuaufträge in der Automobilindustrie (-5,3 Prozent zum Vormonat) und in der Herstellung von elektrischer Ausrüstung (-16,3 Prozent). Im Maschinenbau sanken die Aufträge um 7,4 Prozent.

Schwach entwickelte sich auch die Auslandsnachfrage - besonders aus der Eurozone. Die Auslandsaufträge sanken insgesamt um 4,2 Prozent. Dabei fielen die Aufträge aus der Eurozone um 11,1 Prozent und die Aufträge von außerhalb der Eurozone stiegen um 0,8 Prozent. Die Inlandsaufträge sanken um 2,9 Prozent.

Am Dienstag werden die Zahlen zur Industrieproduktion im April veröffentlicht. Hier erwarten Volkswirte einen leichten Anstieg.