Politik Inland

Trump verkündet Einigung zur Entwaffnung der Hamas

Die Hamas soll ihre Waffen abgeben, Israel seine Truppen aus dem Gazastreifen abziehen. Hat Donald Trumps Friedensrat wirklich einen Durchbruch erzielt?

Von dpa

31.07.2026

Der Friedensrat soll nach Darstellung Trumps die „vollständige Entwaffnung“ der Hamas vereinbart haben.Alex Brandon/AP/dpa

Der Friedensrat soll nach Darstellung Trumps die „vollständige Entwaffnung“ der Hamas vereinbart haben.Alex Brandon/AP/dpa

© Alex Brandon/AP/dpa

Nach der überraschenden Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, wonach im Gaza-Konflikt eine Einigung auf eine „vollständige Entwaffnung“ der Terrororganisation Hamas erreicht worden sei, bleiben viele Fragen offen. Israel äußerte sich zunächst nicht dazu. Die Hamas wiederum bestätigte in einer Mitteilung nicht, dass es einen Durchbruch bei den Verhandlungen gegeben habe. Stattdessen stellte sie Bedingungen.

Trump schrieb auf seiner Plattform Truth Social, im Gegenzug zu der Entwaffnung der Hamas würden die israelischen Streitkräfte aus dem Küstengebiet abziehen. Er sprach angesichts einer vom Friedensrat erreichten Einigung von „einem monumentalen Schritt“ hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit. Auch alle anderen islamistischen Gruppen im Gazastreifen würden entwaffnet. 

Der von Trump gegründete, umstrittene Friedensrat teilte mit: „Zum ersten Mal hat sich die Hamas offiziell zu einem umsetzbaren Plan zur Abgabe all ihrer Waffen verpflichtet.“ Der Friedensrat soll den Wiederaufbau des Gazastreifens und die Nachkriegsordnung in dem großflächig zerstörten Küstengebiet überwachen.

Die Entwaffnung der für den Terroranschlag am 7. Oktober 2023 in Israel verantwortlichen Islamisten gilt als einer der großen Streitpunkte im von den USA vorangetriebenen Friedensplan für den Gazastreifen. Die Hamas hatte eine Abgabe ihrer Waffen bislang abgelehnt. Israel wiederum pocht darauf, dass das großflächig zerstörte Küstengebiet erst wieder aufgebaut wird, wenn die Terrororganisationen im Gazastreifen ihre Waffen abgeben. 

Hamas betont Bedingungen für Entwaffnung

Laut der Hamas-Mitteilung hängt die Umsetzung der zweiten Phase des Friedensplans davon ab, dass Israel alle Bedingungen der ersten Phase einhalte, hieß es. Dazu zähle das Ende der militärischen Einsätze Israels. Die zweite Phase des Plans sieht die vollständige Entwaffnung der Hamas vor.

Die Islamistenorganisation teilte mit, der Umstand, dass schwere Waffen Teil des Abkommens seien, sei an weitere Forderungen geknüpft, darunter unter anderem Israels Abzug aus dem Gazastreifen sowie die Gründung eines palästinensischen Staats. Tatsächlich sieht der Friedensplan die Gründung eines eigenen palästinensischen Staats nicht explizit vor, eine vollständige Entwaffnung der Hamas und des Gazastreifens dagegen schon. 

Ein Mitglied der Verhandlungsdelegation der Hamas, Ghazi Hamad, sagte dem „Wall Street Journal“, die Gruppe habe zugestimmt, ihre Waffen in einem Lager unter der Aufsicht der palästinensischen Übergangsverwaltung zu deponieren. Im Gegenzug müsse Israel seine Militäreinsätze im Gazastreifen beenden. Er stellte zugleich klar: „Wir haben nicht von Entwaffnung gesprochen, wir haben nicht davon gesprochen, die Waffen zu übergeben.“ 

Ein israelischer Regierungsvertreter hatte vor Trumps Ankündigung einen „Abtransport sämtlicher Waffen aus dem Gazastreifen und eine vollständige Entmilitarisierung des Küstengebiets als Voraussetzung für jeden weiteren politischen Prozess“ gefordert.

Ist die Hamas wirklich bereit, ihre Waffen vollständig abzugeben? (Archivbild)Abed Rahim Khatib/dpa

Ist die Hamas wirklich bereit, ihre Waffen vollständig abzugeben? (Archivbild)Abed Rahim Khatib/dpa

© Abed Rahim Khatib/dpa

Der mit der Hamas verbündete Palästinensische Islamische Dschihad (PIJ) wies eine Einigung zurück. Ein Mitglied des Politbüros der Terrororganisation sagte, es handle sich bei einem „aktuell kursierenden Dokument“ lediglich um einen Entwurf, gegen den seine Gruppe Vorbehalte habe.

Zeitplan noch weitgehend offen

Trump schrieb, eine internationale Stabilisierungstruppe solle mit „einer neuen palästinensischen Polizei“ zusammenarbeiten, um die Sicherheit der Bewohner des Küstengebiets und der Nachbarn zu gewährleisten. Israel solle die Garantie erhalten, dass der „Gazastreifen nicht länger als Basis für Terroranschläge missbraucht wird“. 

In den kommenden Wochen müssten weitere Details ausgearbeitet werden, hieß es US-Quellen zufolge. „Ich denke, wir können in den nächsten ein bis zwei Monaten Fortschritte sehen“, sagte ein ranghoher Regierungsbeamter. Eine andere Quelle aus Kreisen des Friedensrates stellte für das gesamte Vorhaben einen Zeithorizont von „200 bis 350 Tagen“ in Aussicht. Genauere Angaben könnten erst gemacht werden, sobald „ein Zeitplan für jede Phase“ vereinbart worden sei.

Bereits zuvor Berichte über Fortschritte

Zuvor hatte es Berichte darüber gegeben, dass es bei Gesprächen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo über eine Entwaffnung der Hamas im Gazastreifen Fortschritte gegeben haben solle. 

Ein israelischer Regierungsvertreter sagte dazu, es werde bis zur vollständigen Entwaffnung und Entmilitarisierung des Gazastreifens keinen Abzug der israelischen Armee von der sogenannten „gelben Linie“ geben. Diese Linie bezeichnet die im Rahmen der Waffenruhe vereinbarte Rückzugsposition der israelischen Armee.

Israel kontrolliert weiterhin mehr als die Hälfte des abgeriegelten Küstengebiets. Der Hamas gelang es seit Beginn der Waffenruhe aber, ihre Herrschaft im von ihr weiterhin kontrollierten Rest des Gazastreifens wieder zu festigen.

Der Terroranschlag der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober 2023 hatte den verheerenden Gaza-Krieg ausgelöst. Seit Oktober 2025 gilt formell eine Waffenruhe, trotzdem kommt es immer wieder zu tödlichen Konfrontationen und Angriffen. Laut israelischen Medienberichten ist es das Ziel des israelischen Militärs, alle am Massaker Beteiligten aufzuspüren und zu töten. Demnach dürfte es sich noch um etwa 2.000 Terroristen handeln. 

Die Lage für die Bewohner des Gebiets ist derweil weiterhin prekär. Viele Menschen hausen weiterhin in überfüllten Zeltlagern, in denen es an vielen grundlegenden Gütern mangelt.

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