Politik Inland

Todesfahrer vom Weihnachtsmarkt schildert Lebenslauf

Nach seinem Hungerstreik ist der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt wieder im Gerichtssaal. Er berichtet über seinen Lebenslauf und beklagt sich über die Haft.

Von dpa

08.01.2026

Justizbeamte führen den Angeklagten Taleb al-Abdulmohsen in den Gerichtssaal des temporären Gerichtsgebäudes vom Landgericht Magdeburg.Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Justizbeamte führen den Angeklagten Taleb al-Abdulmohsen in den Gerichtssaal des temporären Gerichtsgebäudes vom Landgericht Magdeburg.Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Am ersten Verhandlungstag im neuen Jahr ist der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt mit kurz geschnittenen Haaren und gestutztem Bart im Gericht erschienen. Er machte auf Nachfragen des Vorsitzenden Richters Dirk Sternberg Angaben zu seinem Lebenslauf und sagte etwa, dass er nach dem frühen Tod seines Vaters mit zwei älteren Schwestern, einem älteren Bruder und einem älteren Halbbruder bei seiner Mutter in Saudi-Arabien aufwuchs. Zuvor war er abgewichen und hatte etwa zu Kindheitserlebnissen mit Katzen erzählt.

Der Angeklagte hat sich zu seiner Person geäußert. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Der Angeklagte hat sich zu seiner Person geäußert. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Der 51-Jährige berichtete, dass er nach zwölf Jahren Schule und dem Abitur Medizin in Riad studierte und nach sieben Jahren einen Abschluss als Arzt machte. 2006 sei er nach Deutschland gekommen und habe seine Facharztausbildung zum Psychiater gemacht und auch Asyl bekommen. Von 2020 bis zum Anschlag am 20. Dezember 2024, bei dem sechs Menschen starben und mehr als 300 verletzt wurden, arbeitete er im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter in Bernburg.

Auf Nachfrage gab der Angeklagte an, Schulden in Höhe von etwa 50.000 Euro bei seinem Bruder zu haben. Trotz eines guten Einkommens als Facharzt habe er sie nicht zurückgezahlt. Er habe über die Jahre in Deutschland Kontakt zu seiner Familie gehabt, habe sie beraten, sagte der Angeklagte. 

Seit er inhaftiert sei, gebe es keinen Kontakt mehr. Verheiratet oder liiert sei er nicht. Es habe eine kurze Ehe für etwa acht Monate im Jahr 1995 gegeben, die ohne Kinder geblieben sei. 1994 habe er einen schweren Autounfall gehabt mit Knochenbrüchen und Verletzungen im Gesicht.

Im Gericht wurde ein Video der Vernehmung Taleb al-Abdulmohsens beim Haftrichter am Tag nach dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt gezeigt. Zudem wurden ausgewählte Schriftstücke verlesen, unter anderem das auf den Tag des Anschlags datierte Testament des Angeklagten. Darin verfügte er, dass sein gesamter Besitz vernichtet werden sollte, das Geld sollte ans Rote Kreuz gehen. 

Haftunfähig nach Hunger- und Durststreik

Am vorigen Verhandlungstermin am 18. Dezember war der 51-Jährige aufgrund der Folgen eines Hunger- und Durststreiks nicht verhandlungsfähig gewesen. Es wurde ohne ihn verhandelt. Zwischenzeitlich beklagte er sich über die Haftbedingungen etwa mit harter Matratze und lange stehendem Essen und gab an, den Eindruck zu haben, man habe ihn im Gefängnis vergiften wollen. Der Vorsitzende Richter Sternberg sagte, zum Thema Vergiftung werde ermittelt.

Am 20. Dezember 2024 lenkte der damals 50-jährige Angeklagte einen mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt. Er war mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde unterwegs. Ein Junge sowie fünf Frauen kamen ums Leben. Mehr als 300 weitere Menschen wurden verletzt. Der Angeklagte hat die Tat zugegeben. Die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg wirft ihm unter anderem Mord in sechs Fällen und versuchten Mord in 338 weiteren Fällen vor.

Aus Sicherheitsgründen sitzt der Angeklagte hinter Glas. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Aus Sicherheitsgründen sitzt der Angeklagte hinter Glas. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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