Castor-Transporte durch NRW: Demos laufen in Jülich und Ahaus
Am späten Dienstagabend wird der erste Castortransport in Jülich starten. Das Ziel ist das Ahauser Zwischenlager. Zahlreiche Prostest laufen bereits. dpa/Christiane Göke
In Ahaus wurden am Nachmittag bereits die ersten Absperrungen aufgebaut.
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Am Dienstagabend wird der erste Castor-Transport von Jülich nach Ahaus rollen. Die Polizei Münster, die den Einsatz in NRW koordiniert, hat dies nun offiziell mitgeteilt. Es heißt, dass ein „polizeilicher Großeinsatz zum Schutz des Castor-Transportes startet.“ Geschaltet ist ab sofort auch ein Bürgertelefon unter der Nummer 0251 275 4711. Bürger können sich mit ihrem Anliegen rund um den Einsatz unter dieser Nummer an die Polizei wenden.
Am Nachmittag hat es auf der A31 auf Höhe Lembeck einen schweren Unfall gegeben. Daher ist die Autobahn in Richtung Ahaus aktuell gesperrt. Die Sperrung soll erst in der Nacht aufgehoben werden.
Mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen protestieren ab dem Abend gegen die geplanten Castor-Transporte durch Nordrhein-Westfalen. Nach eigenen Angaben rechnen die im Bündnis „Stop Westcastor“ organisierten Protest-Initiativen am Dienstagabend mit dem ersten Castor-Transport. Die Polizei bestätigt das nicht.
Um 18 Uhr startete vor dem Forschungszentrum in Jülich eine Dauerkundgebung starten. Zeitgleich ist in Ahaus eine Demo vom Bahnhof zum Rathaus angemeldet, wie die Polizei im Kreis Borken bestätigte. Ab 20 Uhr wollen die Atomkraftgegner der Bürgerinitiative Ahaus eine nächtliche Dauermahnwache vor dem Zwischenlager einrichten.
Die Naturschutzorganisation BUND Nordrhein-Westfalen, die seit Jahren auch juristisch gegen die Transporte kämpft, ruft ab 20 Uhr zu einer Mahnwache an einer Brücke der Autobahn 42 bei Duisburg auf. Die Ruhrgebietsstadt befinde sich in der Mitte der Transportstrecke von Jülich nach Ahaus.
Vor dem Forschungszentrum in Jülich trafen am Vormittag zahlreiche Einsatzwagen der Polizei ein. Allein rund das Gelände und die Hauptzufahrt bezogen etwa zehn Mannschaftswagen Position, wie ein dpa-Reporter berichtete.
Gericht bestätigt zum Teil Auflagen für Castor-Mahnwache
Atomkraftgegner haben für den Tag des ersten Castor-Transports eine bislang undatierte Mahnwache auf der Kreuzung vor dem Zwischenlager angemeldet. Das Verwaltungsgericht Münster hat bestimmte Auflagen der Polizei für diese Versammlung bestätigt, andere gekippt. So muss der Ort der symbolischen Sitzblockade um wenige Meter auf einen Abbiegestreifen der Landstraße verlegt werden, auch wurde das Mitbringen von Strohballen als Sitzgelegenheiten untersagt. Laut dem Eilbeschluss vom 23. März ist allerdings nach Angaben eines Gerichtssprechers eine von der Polizei aufgetragene Teilnehmerzahl von 15 Personen wohl nach der vorläufigen Bewertung nicht rechtens. Gegen den Beschluss ist Beschwerde am Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen möglich.
Zahlreiche Transporte nötig
Bei dem zu transportierenden Atommüll handelt es sich um rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus einem 1988 abgeschalteten Versuchsreaktor in Jülich. Sie befinden sich in 152 speziellen Schutzbehältern, sogenannten Castoren.
Auf der gut 170 Kilometer langen Strecke nach Ahaus wird nach bisherigen Angaben voraussichtlich jeweils ein kleiner Konvoi von bis zu vier Schwertransportern unterwegs sein. Angesichts der 152 Castoren dürften es zahlreiche Transporte werden.
Es gibt in Deutschland derzeit noch keine Endlager, in denen auf Hunderttausende Jahre hinweg strahlender Atommüll sicher gelagert werden soll. Stattdessen gibt es sechzehn Zwischenlager, unter anderem in Ahaus.