Erster Castor-Transport ist in Ahaus angekommen
Seit dem späten Dienstagabend lief der erste Castortransport von Jülich nach Ahaus. Einige Prosteste liefen parallel, aber überall friedlich. dpa/Christiane Göke
Die gepanzerte Zugmaschine mit dem Castor verlässt das Forschungszentrum Jülich. Er hat sich um kurz nach 22 Uhr auf den Weg nach Ahaus gemacht.
© Oliver Berg / dpa
2.06 Uhr: Der erste Castor-Transport hat es ohne Zwischenfälle von Jülich nach Ahaus geschafft. Fehlen nun nur noch weitere 150 Behälter.
2 Uhr: Der Transport läuft nach Einschätzung eines Polizeisprechers planmäßig. „Wir sind wirklich voll im Zeitplan, unser Konzept geht auf und der Konvoi kommt gut voran“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Wenn es auf dem verbleibenden Teil der etwa 170 Kilometer langen Strecke keine Verzögerungen gebe, sei es sogar möglich, dass der Konvoi am Zwischenlager in Ahaus früher als ursprünglich geplant ankomme. Nähere Details nannte er nicht .
1.30 Uhr: Der Konvoi mit dem Castor hat die A31 auf Höhe Heiden/Reken mittlerweile passiert. Bis Ahaus dürfte es noch eine halbe Stunde sein. Der speziell gesicherte Lastwagen wird von zahlreichen Polizeiautos und einem Hubschrauber in der Luft gesichert. Auf den Brücken über der A31 sind überall Polizisten positioniert. Sollte das Video nicht angezeigt werden, klicken Sie hier.
Diesen Link nutzen:
Hochradioaktiver Atommüll aus Jülich wird seit Dienstagabend ins Zwischenlager Ahaus gebracht. Wie sicher sind die Transporte und was bedeuten sie für Anwohner an der Strecke? Mehr dazu lesen Sie hier.
© Oliver Berg/dpa
Der Transport aus Jülich ist kurz nach 22 Uhr gestartet. Zahlreiche Polizisten sind vor dem Forschungszentrum in Jülich und begleiten den Transport nach Ahaus. Es wird geschätzt, dass während der gesamten 170 Kilometer mehr als 2500 Polizisten im Einsatz sein werden. „Das ist kein Kindergeburtstag. Das ist kein Routineeinsatz, sondern eine hochkomplexe Lage, bei der wir die ganze polizeiliche Klaviatur spielen“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul im Vorfeld.
Einsatzfahrzeuge der Polizei verlassen das Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrum Jülich bevor der Castortransport folgt.
© Christoph Reichwein/dpa
Gleich an mehreren Stellen einer möglichen Fahrtroute für die Verlagerung von Atommüll quer durch Nordrhein-Westfalen demonstrieren Gegner der anstehenden Castor-Transporte. In Duisburg haben sich am Abend an einer Auffahrt zur A42 Dutzende Menschen versammelt, wie ein dpa-Reporter berichtet. Zu der Aktion hat die Umweltorganisation BUND aufgerufen. Gegner der Transporte gehen davon aus, dass die A42 bei Duisburg eine mögliche Strecke sein könnte. Auch in Jülich und Ahaus demonstrieren Menschen gegen die Transporte.
© Fabian Strauch/dpa
Der Castor auf der A44.
© Christoph Reichwein/dpa
Am Dienstagabend wird der erste Castor-Transport von Jülich nach Ahaus rollen. Die Polizei Münster, die den Einsatz in NRW koordiniert, hat dies nun offiziell mitgeteilt. Es heißt, dass ein „polizeilicher Großeinsatz zum Schutz des Castor-Transportes startet.“ Geschaltet ist ab sofort auch ein Bürgertelefon unter der Nummer 0251 275 4711. Bürger können sich mit ihrem Anliegen rund um den Einsatz unter dieser Nummer an die Polizei wenden.
Am Nachmittag hat es auf der A31 auf Höhe Lembeck einen schweren Unfall gegeben. Daher ist die Autobahn in Richtung Ahaus aktuell gesperrt. Die Sperrung soll erst in der Nacht aufgehoben werden.
Mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen protestieren ab dem Abend gegen die geplanten Castor-Transporte durch Nordrhein-Westfalen. Nach eigenen Angaben rechnen die im Bündnis „Stop Westcastor“ organisierten Protest-Initiativen am Dienstagabend mit dem ersten Castor-Transport. Die Polizei bestätigt das nicht.
Um 18 Uhr startete vor dem Forschungszentrum in Jülich eine Dauerkundgebung starten. Zeitgleich ist in Ahaus eine Demo vom Bahnhof zum Rathaus angemeldet, wie die Polizei im Kreis Borken bestätigte. Ab 20 Uhr wollen die Atomkraftgegner der Bürgerinitiative Ahaus eine nächtliche Dauermahnwache vor dem Zwischenlager einrichten.
Die Naturschutzorganisation BUND Nordrhein-Westfalen, die seit Jahren auch juristisch gegen die Transporte kämpft, ruft ab 20 Uhr zu einer Mahnwache an einer Brücke der Autobahn 42 bei Duisburg auf. Die Ruhrgebietsstadt befinde sich in der Mitte der Transportstrecke von Jülich nach Ahaus.
Vor dem Forschungszentrum in Jülich trafen am Vormittag zahlreiche Einsatzwagen der Polizei ein. Allein rund das Gelände und die Hauptzufahrt bezogen etwa zehn Mannschaftswagen Position, wie ein dpa-Reporter berichtete.
Gericht bestätigt zum Teil Auflagen für Castor-Mahnwache
Atomkraftgegner haben für den Tag des ersten Castor-Transports eine bislang undatierte Mahnwache auf der Kreuzung vor dem Zwischenlager angemeldet. Das Verwaltungsgericht Münster hat bestimmte Auflagen der Polizei für diese Versammlung bestätigt, andere gekippt. So muss der Ort der symbolischen Sitzblockade um wenige Meter auf einen Abbiegestreifen der Landstraße verlegt werden, auch wurde das Mitbringen von Strohballen als Sitzgelegenheiten untersagt. Laut dem Eilbeschluss vom 23. März ist allerdings nach Angaben eines Gerichtssprechers eine von der Polizei aufgetragene Teilnehmerzahl von 15 Personen wohl nach der vorläufigen Bewertung nicht rechtens. Gegen den Beschluss ist Beschwerde am Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen möglich.
Zahlreiche Transporte nötig
Bei dem zu transportierenden Atommüll handelt es sich um rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus einem 1988 abgeschalteten Versuchsreaktor in Jülich. Sie befinden sich in 152 speziellen Schutzbehältern, sogenannten Castoren.
Auf der gut 170 Kilometer langen Strecke nach Ahaus wird nach bisherigen Angaben voraussichtlich jeweils ein kleiner Konvoi von bis zu vier Schwertransportern unterwegs sein. Angesichts der 152 Castoren dürften es zahlreiche Transporte werden.
Es gibt in Deutschland derzeit noch keine Endlager, in denen auf Hunderttausende Jahre hinweg strahlender Atommüll sicher gelagert werden soll. Stattdessen gibt es sechzehn Zwischenlager, unter anderem in Ahaus.