Stromausfall: Grundbetrieb in Kliniken per Notstrom möglich
Notstrom hält OP-Säle und Intensivstationen am Laufen – doch was passiert, wenn der Blackout länger dauert? Sachsens Kliniken verraten, wo dann die Grenzen liegen.
Notstromaggregate sichern in Sachsens Krankenhäusern wichtige Bereiche wie OP-Säle und Intensivstationen. (Symbolbild)Jan Woitas/dpa
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Nachdem ein großflächiger Stromausfall in Berlin auch mehrere Krankenhäuser von der Versorgung abgeschnitten hatte, sehen sich Sachsens Kliniken auf den Ernstfall vorbereitet. Es gebe genügend Notstromkapazitäten, um den Grundbetrieb „eine gewisse Zeit“ aufrechtzuerhalten, sagte eine Sprecherin vom Universitätsklinikum Dresden der Deutschen Presse-Agentur. Vom Klinikum Chemnitz heißt es, die als kritische Infrastruktur geltenden Krankenhäuser müssten die Versorgung auch bei Stromausfällen ohnehin für bis zu 24 Stunden gewährleisten.
„Am Klinikum Chemnitz geschieht das mit Hilfe von insgesamt elf Netzersatz-Aggregaten, die Strom erzeugen.“ Versorgt würden damit unter anderem die Notfallambulanz und OP-Säle, die Intensivstationen sowie Sicherheitsbeleuchtung, Aufzüge und Brandschutzanlagen. An der Uniklinik Leipzig gibt es 17 solcher Stromgeneratoren. Fällt der Strom aus, springen sie binnen 15 Sekunden an und liefern Energie. Die lokalen Dieselvorräte reichen für einen 24-stündigen Notbetrieb, teilt die Klinik mit.
Ziel für die Zukunft sei es, die Notstromversorgung für 72 Stunden zu gewährleisten, um die Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu erfüllen, so ein Sprecher. Dafür sei die Uniklinik unter anderem in Gesprächen mit Stadt und Stadtwerken.
Klar sei aber auch: Ein derart langer Stromausfall wie es ihn in dieser Woche in Berlin gegeben hat, würde einen „Ausfall an medizinischer Leistung bedeuten“, so eine Sprecherin des Dresdner Uniklinikums. Betroffen wären davon vor allem geplante und nicht dringende Behandlungen und Operationen, heißt es weiter. In Arbeitskreisen mit Behörden und Energieversorgern würden die Notfallszenarien regelmäßig auf den Prüfstand gestellt. Bei Neubauten werden etwa weitere Notstromaggregate berücksichtigt.
Berliner Ernstfall hat keine Konsequenzen für Notfallplanung
Auch in Sachsens Krankenhäusern hat man den Stromausfall in Berlin aufmerksam beobachtet. Unmittelbare nötige Konsequenzen auf die eigene Notfallplanung sehen die Häuser im Freistaat allerdings nicht. Das Dresdner Uniklinikum musste den Ernstfall zuletzt 2021 meistern. Damals hatte ein Heliumballon einen Kurzschluss im Umspannwerk Dresden-Süd verursacht und einen großflächigen Stromausfall verursacht. Zeitweise waren 300.000 Haushalte im gesamten Versorgungsgebiet in Dresden von Ausfällen betroffen.
Welche Bereiche im Ernstfall am dringendsten versorgt werden müssten, sei lageabhängig, so die Sprecherin des Dresdner Uniklinikums. In Chemnitz geht man nach eigenem Bekunden davon aus, alle drei Klinikstandorte mit den eigenen Anlagen ausreichend für die Notfallversorgung mit Energie beliefern zu können.
Cyberattacken und Schäden durch Metalldiebe bei Netzbetreibern
Zäune, Überwachungssysteme, Zugangskontrollen, aber auch Firewalls, Datenverschlüsselung und regelmäßige Sicherheitsupdates sind Standard für den Netzbetreiber SachsenNetze. Das Dresdner Unternehmen deckt die Landeshauptstadt sowie Teile Ostsachsens und der Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ab. Die Sicherheitsvorkehrungen seien in den vergangenen Jahren verschärft worden, so eine Sprecherin. Ziel sei es, Sicherheit und Resilienz des Stromnetzes auch künftig zu steigern. Anschläge wie in Berlin seien aber auch mit intensivsten Schutzvorkehrungen nicht hundertprozentig vermeidbar. „Nach aktuellen Erkenntnissen sind die Täter in Berlin hochprofessionell und mit enormer krimineller Energie vorgegangen.“
Auch Sachsens größter Netzbetreiber Mitnetz probt nach eigenen Aussagen regelmäßig den Krisenfall - sei es aufgrund von Naturkatastrophen oder wegen mutwilliger Beschädigungen. Auch der zunehmenden Wahrscheinlichkeit politisch motivierter Angriffe sei man sich bewusst, so Pressesprecher Hagen Ruhmer. „Wir haben diese diffuse Bedrohungslage im Blick und ergreifen Gegenmaßnahmen.“ Am häufigsten komme es aktuell zu Hackerangriffen und Buntmetalldiebstählen. Details zu Sicherheitsmaßnahmen will der Netzbetreiber nicht nennen. Auch verfüge der Netzbetreiber über mobile Generatoren. Einige davon seien auch wegen des großflächigen Stromausfalls nach Berlin geschickt worden. Auch der Dresdner Netzbetreiber SachsenNetze hat nach eigenem Bekunden zwei Notstromaggregate in die Bundeshauptstadt geschickt.
Ähnlich äußert sich der Energieversorger Eins Energie, dessen Tochterunternehmen Inetz das Stromnetz in Chemnitz und Teilen Südwestsachsens verantwortet. Zu Einzelheiten des Netzaufbaus und der Krisenversorgung wolle man sich aus Sicherheitsgründen nicht äußern, so eine Sprecherin. Auch hier häuften sich Vandalismus, Cyberattacken und „bewusste physische Sabotageakte“. Trotz hoher materieller Schäden sei es aber bislang nicht zu großflächigen Ausfällen gekommen. Die Risiken würden bereits in der Planungsphase berücksichtigt, das Netz entsprechend redundant gestaltet, um Ausfälle zu beherrschen.
Durch den großflächigen Stromausfall infolge eines Anschlags auf eine Kabelbrücke im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf waren nach Behördenangaben seit Samstagmorgen zeitweise rund 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe ohne Strom. Zu dem Brandanschlag hatte sich eine linksextremistische Gruppierung bekannt. Am Mittwoch ist die Energieversorgung für das betroffene Gebiet wieder angelaufen.