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Noch mehr Inseln: Norddeutschlands verborgene Paradiese

Sylt oder Rügen kennen viele. Doch der Norden Deutschlands hat noch weit mehr Inseln zu bieten - von idyllischen Ausflugszielen bis zu streng geschützten Naturparadiesen.

Von Mirjam Uhrich, dpa

31.07.2026

Die elf Kilometer lange Insel Harriersand mit Sandstrand, Reit- und Radwanderwegen ist ein ideales Ausflugsziel - und doch kaum über die Region hinaus bekannt.Sina Schuldt/dpa

Die elf Kilometer lange Insel Harriersand mit Sandstrand, Reit- und Radwanderwegen ist ein ideales Ausflugsziel - und doch kaum über die Region hinaus bekannt.Sina Schuldt/dpa

© Sina Schuldt/dpa

Norddeutschlands Küste ist bekannt für Sylt, Rügen und den Strandkorb-Tourismus. Dabei liegt zwischen Wattenmeer und Ostsee eine ganz andere Inselwelt verborgen: Halligen, die bei Flut fast verschwinden; Flussinseln, auf denen die Zeit langsamer läuft; Schutzgebiete, die kein Mensch betreten darf - und eine Insel, auf der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt forschen.

Einige Beispiele abseits der ausgetretenen Pfade:

Hamburger Hallig: Wo die Großstadt im Watt verschwindet

Die Hamburger Hallig gehört zu den kleinsten bewohnten Halligen Deutschlands.Frank Molter/dpa

Die Hamburger Hallig gehört zu den kleinsten bewohnten Halligen Deutschlands.Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

Ihr Name klingt nach Metropole, doch was Besucher auf der Hamburger Hallig erwartet, ist das genaue Gegenteil: weiter Himmel, flaches Land und charakteristische Warften - künstliche Erhöhungen, auf denen Häuser und Scheunen trocken stehen, wenn das Wasser kommt. Die Hallig gehört zu den kleinsten bewohnten Halligen Deutschlands, erreichbar zu Fuß durch das Watt, per Boot oder mit dem Auto über einen Damm.

Scharhörn: Hamburgs geheime Vogelinsel

Zehntausende Zugvögel rasten auf Scharhörn jährlich. picture alliance / dpa

Zehntausende Zugvögel rasten auf Scharhörn jährlich. picture alliance / dpa

© picture alliance / dpa

Scharhörn gehört administrativ zu Hamburg, obwohl die Düneninsel mehr als 100 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt im Wattenmeer liegt. Zehntausende Zugvögel rasten hier jährlich, betreten darf die Insel niemand außer den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Vogelwarte. 

Nigehörn: Künstlich geschaffen, von der Natur erobert

Nigehörn entstand erst in den 1980er-Jahren durch gezielte Sandaufspülung, um der erodierten Küste entgegenzuwirken. Was als Ingenieursprojekt begann, ist heute ein streng geschütztes Naturschutzgebiet: Brandseeschwalben brüten hier, Spülsaum-Pflanzen wie die Strandmelde gedeihen. Eine Insel, die buchstäblich gemacht wurde und dennoch ganz natürlich wirkt.

Neuwerk: Mittelalterlicher Außenposten im Watt

Wattwagen fahren auf der Insel Neuwerk. Der Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert im Hintergrund ist eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Hamburgs. picture alliance / dpa

Wattwagen fahren auf der Insel Neuwerk. Der Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert im Hintergrund ist eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Hamburgs. picture alliance / dpa

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Neuwerk hat knapp 40 Einwohnerinnen und Einwohner, aber einen Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert - eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Hamburgs. Per Wattwanderung oder Pferdewagen von Cuxhaven aus erreichbar, gehört die Insel mitsamt den unbewohnten Nachbarinseln Scharhörn und Nigehörn zum Hamburger Wattenmeer-Schutzgebiet. 

Vogelsand: Hamburgs Sandbank, die mit der Flut kommt und geht

Vogelsand ist keine Insel im klassischen Sinne - sondern eine Sandbank in der Außenelbe, die je nach Tide auftaucht und wieder verschwindet. Administrativ gehört sie zu Hamburg, und wer mit dem Schiff vorbeifährt, erlebt ein stilles Schauspiel: Dutzende Robben dösen träge in der Sonne. 

Krautsand: Elbinsel mit Obstgarten und Dorfseele

Krautsand im Landkreis Stade - westlich von Hamburg gelegen - ist per Fähre erreichbar und fühlt sich an wie ein Dorf aus einer anderen Zeit: Rund 500 Menschen leben hier hinter Elbdeichen, umgeben von Obstplantagen. Im Frühjahr blühen die Bäume, im Herbst werden Äpfel und Birnen geerntet. 

Lühesand: Elb-Paradies ohne großes Publikum

Die Insel Lühesand in der Unterelbe ist per Fährboot und Fahrrad erreichbar.picture alliance / dpa

Die Insel Lühesand in der Unterelbe ist per Fährboot und Fahrrad erreichbar.picture alliance / dpa

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Zwischen Stade und Hamburg liegt Lühesand im Strom der Unterelbe - eine Flussinsel, von der selbst viele Norddeutsche noch nie gehört haben dürften. Früher wurde hier Obst angebaut, heute säumen Pappeln und Weidenbüsche das Ufer, Graureiher stehen reglos im Schilf. Per Fährboot und Fahrrad erreichbar, ist die Insel besonders an Wochentagen fast menschenleer - ein Ausflugsziel für alle, die Stille suchen, keine Selfie-Spots.

Mellum: Wo der Mensch das letzte Wort nicht hatte

 Die Insel Mellum liegt weit vor der niedersächsischen Küste.Sina Schuldt/dpa

Die Insel Mellum liegt weit vor der niedersächsischen Küste.Sina Schuldt/dpa

© Sina Schuldt/dpa

Mellum in der Außenweser gehört den Vögeln, dem Wind und der Flut. Die Insel liegt weit vor der niedersächsischen Küste, ohne reguläre Fähre und ohne Infrastruktur. Sie entstand erst um 1900 durch Sandablagerungen, Menschen versuchten sie landwirtschaftlich zu nutzen - das Meer ließ es nicht zu. Heute ist Mellum eine von drei unbewohnten Inseln des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer: Lachmöwen, Brandseeschwalben und Austernfischer brüten hier in riesigen Kolonien. 

Harriersand: Deutschlands größte Flussinsel 

Der Harriersand ist Deutschlands größte Flussinsel.Sina Schuldt/dpa

Der Harriersand ist Deutschlands größte Flussinsel.Sina Schuldt/dpa

© Sina Schuldt/dpa

Gegenüber der niedersächsischen Stadt Brake liegt Deutschlands größte Flussinsel, der Harriersand mitten in der Weser. Die elf Kilometer lange Insel mit Sandstrand, Reit- und Radwanderwegen ist ein ideales Ausflugsziel - und doch kaum über die Region hinaus bekannt. Die Insel ist am besten am südlichen Ende über eine kleine Brücke vom Festland beim Ort Rade auf der östlichen Weserseite oder mit der Fähre „MS Guntsiet“ zu erreichen. Wer über Nacht bleiben möchte, kann auf einem Campingplatz zelten, eine Ferienwohnung buchen oder Urlaub auf dem Bauernhof machen.

Ruden: Vogelparadies auf ehemaliger Lotseninsel

Der Ruden gehört seit 1925 zum Naturschutzgebiet Peenemünder Haken, Struck und Ruden. Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB

Der Ruden gehört seit 1925 zum Naturschutzgebiet Peenemünder Haken, Struck und Ruden. Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB

© Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB

Rüber in die Ostsee: Ruden liegt im Greifswalder Bodden. Das kleine Eiland vor der Nordküste Usedoms diente früher als Lotseninsel, später als Zollstation der DDR. Nach der Wende verfiel die Infrastruktur, die Natur kehrte zurück. Zahlreiche Vögel wie Kraniche, Kormorane und Seeadler bewohnen nun die Insel.

Riems: Hochsicherheitsinsel, die die Welt schützt

Für die Öffentlichkeit gesperrt: In den Hochsicherheitslaboren arbeitet das Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) an gefährlichen Tierseuchen.Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Für die Öffentlichkeit gesperrt: In den Hochsicherheitslaboren arbeitet das Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) an gefährlichen Tierseuchen.Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

© Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Von außen sieht Riems im Greifswalder Bodden unscheinbar aus - flach, grün, kaum einen Kilometer lang. Doch hinter den Zäunen arbeitet das Friedrich-Loeffler-Institut in Hochsicherheitslaboren an gefährlichen Tierseuchen. Die Insellage ist kein Zufall: Sie bietet natürlichen Schutz vor unkontrollierter Ausbreitung. Für die Öffentlichkeit bleibt Riems gesperrt - eine Insel, die die Welt schützt, indem sie sich von ihr fernhält.

Ostervilm: Vogelparadies vom Boot aus

Das unbewohnte Eiland Ostervilm war einst eine Militärstation.Philip Dulian/dpa

Das unbewohnte Eiland Ostervilm war einst eine Militärstation.Philip Dulian/dpa

© Philip Dulian/dpa

Ostervilm im Greifswalder Bodden ist so klein, dass sie selbst auf regionalen Karten oft fehlt. Das unbewohnte Eiland war einst eine Militärstation, hier wurden unter anderem Schiffe entmagnetisiert. Heute brüten dort Kormorane und Graureiher. Ostervilm darf nicht betreten werden. Wer im Boot die Insel umrundet und nur die Rufe der Vögel hört, erlebt die Stille des Boddens.

Das Nutzungsrecht für Ostervilm wurde in diesem Jahr bei einer Auktion versteigert. Die Art der künftigen Nutzung ist noch unklar. 

Greifswalder Oie: Leuchtturm und Zugvögel

Jahrzehntelang militärisch genutzt, ist die Insel Greifswalder Oie heute ein Naturschutzgebiet.picture alliance / ZB

Jahrzehntelang militärisch genutzt, ist die Insel Greifswalder Oie heute ein Naturschutzgebiet.picture alliance / ZB

© picture alliance / ZB

Zwischen Rügen und Usedom, mitten in der Ostsee, überragt ein markanter Leuchtturm das flache Eiland der Greifswalder Oie. Die kleine Insel in der südlichen Ostsee teilen sich die Seenotretter mit einem Vogelschutzverein, der auf der Insel eine Vogelwarte betreibt. Die Greifswalder Oie ist per Boot von Greifswald aus erreichbar, nur wenige Touristen kommen in der Sommersaison dorthin.

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