Panorama

Machtspiele im Job: Warum Frauen oft Kritik ernten

Wer im Job durchsetzungsstark auftritt, wird oft unterschiedlich beurteilt. Warum identisches Verhalten bei Frauen und Männern nicht gleich ankommt.

Von dpa

07.05.2026

Wenn Frauen sich entgegen gängiger Rollenbilder sehr selbstbewusst und durchsetzungsstark präsentieren, werden sie oft weniger sympathisch wahrgenommen.picture alliance/dpa/dpa-tmn

Wenn Frauen sich entgegen gängiger Rollenbilder sehr selbstbewusst und durchsetzungsstark präsentieren, werden sie oft weniger sympathisch wahrgenommen.picture alliance/dpa/dpa-tmn

© picture alliance/dpa/dpa-tmn

Hartes Auftreten im Job - das wird oft unterschiedlich gelesen: Was beim einen als Durchsetzungsstärke gilt, wirkt bei der anderen schnell „zu viel“. 

Auch bei Machtspielen hält sich deshalb ein Klischee hartnäckig: Viele vermuten, sie gingen eher von Männern aus. „Aber das ist nicht der Fall“, sagt Eva Boos, Business- und Personal-Coach in Berlin. Machtspiele gibt es in nahezu allen Branchen und auf allen Ebenen – ob zwischen Führungskräften und Teammitgliedern oder unter Kolleginnen und Kollegen.

Auch Frauen hätten oftmals eine Neigung zu Machtspielen, aber gesellschaftlich werde das Verhalten unterschiedlich bewertet, so Boos. „Ein Mann, der bei einem Meeting laut wird und hart durchgreift, gilt als leidenschaftlich. Eine Frau dagegen, die gleichermaßen auftritt und handelt, als hysterisch.“

Andere Erwartungen an Frauen

So sieht es auch der Arbeitspsychologe Prof. Gerhard Blickle: „Es gibt Doppelstandards in der Bewertung.“ Er weiß von einem Fall, bei dem ein Betriebsratsmitglied zu einem Geschäftsführer sagte, er würde ihm „die Bude abfackeln“, wenn nicht dieses oder jenes im Unternehmen geschieht. Der Geschäftsführer habe darauf gelassen reagiert. „Hätte ihm eine Frau diesen Satz entgegengeschleudert, hätte der Geschäftsführer sehr wahrscheinlich behauptet, sein Gegenüber sei hysterisch und völlig überdreht“, so Blickle. 

Von Frauen werde erwartet, dass sie „kooperativ und sozial verträglich auftreten und handeln“, so Blickle. Aber so müssten auch Männer agieren.

Die Forschung spricht in solchen Fällen von „Backlash“: Gemeint sind soziale oder ökonomische Sanktionen, wenn Menschen Rollenbilder verletzen. Etwa, wenn Frauen sehr selbstbewusst, durchsetzungsstark und führungsorientiert auftreten. Studien beschreiben, dass identisches Verhalten bei Frauen häufiger negativer bewertet wird als bei Männern.

Das könnte Sie auch interessieren

Panorama

zur Merkliste

Bahn bringt Familienticket zum Pauschalpreis

99,99 Euro für fünf Personen – hin und zurück, egal wohin im Land. Was hinter dem neuen Familienangebot der Bahn steckt. Und wie sich generell beim Reisen auf der Schiene sparen lässt.

Panorama

zur Merkliste

Erstaunliche Quote für ESC-Doku

Zum Auftakt der Eurovision-Woche zeigt das Erste die Doku „70 Jahre ESC - More than Music“ über die Geschichte der Musikshow. Vor allem beim jungen Publikum fährt die ARD damit hohe Quoten ein.

Panorama

zur Merkliste

Männer werden immer später Vater

Männer in Deutschland wurden 2024 im Schnitt erst mit 33 Jahren das erste Mal Vater. Wie sich die Zahlen über die vergangenen Jahrzehnte verändert haben.