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Lustlos nach den Ferien? 5 Tricks gegen Schul-Stress

Erfolgsinseln statt Lernfrust: Wie ein Fortschritts-Board Kindern zeigt, was sie wirklich draufhaben und wie Eltern mit einfachen Strategien Motivation und Selbstvertrauen ihrer Kids stärken.

Von Claudia Wittke-Gaida, dpa

11.08.2026

Lustlos heißt nicht faul. Viele brauchen nach mehreren Ferienwochen Zeit zum Reinkommen – Erfolgserlebnisse bauen Selbstvertrauen auf.picture alliance / dpa-tmn

Lustlos heißt nicht faul. Viele brauchen nach mehreren Ferienwochen Zeit zum Reinkommen – Erfolgserlebnisse bauen Selbstvertrauen auf.picture alliance / dpa-tmn

© picture alliance / dpa-tmn

Sechs lange Wochen lief das Leben von Schülern meist unbeschwert und leicht. Wenn dieser Tage das neue Schuljahr startet, kommt oft neben dem neuen Stundenplan auch Druck und Unruhe dazu. Wenn ein Kind dann blockiert, überfordert oder lustlos wirkt, sollten Eltern vor allem keinen zusätzlichen Druck aufbauen. 

„Vorwürfe, Vergleiche oder Sätze wie „Reiß dich zusammen“ helfen meist nicht weiter, weil sie Scham und Widerstand verstärken können“, sagt Bildungsexpertin Ulrike Lichtinger. Doch wie kommen Schüler in den Flow? Wie kann ihre Motivation wachsen? „Mit kleinen, machbaren Schritten“, sagt die Professorin für Sozialwissenschaften von der „IU Internationalen Hochschule“.

Nach den Ferien bräuchten viele Kinder und Jugendliche erst einmal Zeit, um wieder im Schulalltag anzukommen. „Motivation und Selbstvertrauen wachsen dabei am besten, wenn der Einstieg nicht zu groß und nicht zu anspruchsvoll ist“, sagt Lichtinger, die zu „Positiver Bildung“ forscht. Was es dafür allerdings bräuchte, sei Erfolgserleben. Wie Eltern mit für wichtige „Erfolgsinseln“ sorgen können, erklärt Lichtinger in diesen 5 Strategien.

1. Anknüpfen: 2 bis 3 Aufgaben rauspicken statt ganzen Stoff durchackern 

Ist ein Kind etwa unsicher oder hat Probleme in Mathematik, würde einen das Durchackern des gesamten Stoffes vom Vorjahr erschlagen, um einen guten Anschluss im neuen Schuljahr zu finden. „Besser ist, wenn Eltern sagen „Lass uns mal 2,3 Aufgaben raussuchen, die du schon mal geschafft hast. Und dann schauen wir mal, wie du da anschließen kannst““, empfiehlt Lichtinger. 

Wenn das Kind dann die Aufgaben lösen kann, merkt es: „Ui, ich kann ja doch noch was!“ So ist es wieder im Stoff drin und bestenfalls offener für eine schwierigere Aufgabe. 

2. Mini-Ziele vereinbaren und Erfolgs-Rückmeldungen geben

„Immer wieder Ziele setzen, aber eben kleine“, rät Lichtinger auch für den Alltag und schlägt dafür ein Ritual vor. So könnte man am Vorabend vereinbaren, dass sich das Kind etwa in der Mathestunde mindestens einmal meldet. Oder: dass es eine besprochene Aufgabe mal ganz alleine zu Ende führt. Oder: ein Kind auf dem Schulhof anspricht, wenn es sehr schüchtern ist. 

Wichtig im Anschluss: Am Folgeabend sollte man darüber sprechen und fragen: Wie ist es gelaufen? Gab es einen Fortschritt, sollten Eltern nicht nur mit einem „Hast du gut gemacht“ loben, sondern in einer Rückmeldung genau benennen, warum und was gelungen ist. Beispiele: „Du hast heute angefangen, obwohl du keine Lust hattest.“ Oder: „Du bist bei der Aufgabe geblieben, obwohl das sehr schwierig war.“

3. Ein Fortschritts-Board als Bergbesteigung malen

Die Schulwissenschaftlerin setzt auf ein Progress-Board: Auf einem A-3-Papier wird das Schuljahr als Bergbesteigung aufgemalt, wobei der Gipfel das Schuljahresende ist. Auf dem Weg dorthin können lauter Post-its angeheftet werden - mit Dingen, die das Kind geschafft hat. 

So sieht das Kind: Krass, mir ist ja doch vieles gelungen, obwohl das Empfinden nach einer verhauenen Klassenarbeit vielleicht ganz gegenteilig war. „Das liegt daran, weil in der Erinnerung immer gern das Negative eher hängen bleibt“, erklärt Ulrike Lichtinger. Deshalb sei die Erfahrung der Selbstwirksamkeit so wichtig.

4. Die 3-2-1-Abfrage vor einer Klassenarbeit

„Hilfe, ich habe alles vergessen“, klagen Kinder oft vor einer Klassenarbeit. Lichtingers Tipp: Eltern und Kind stellen einen 5-Minuten-Timer. In der Zeit soll das Kind sein Heft beiseitelegen und 3 Dinge aufschreiben, was es noch weiß. 2 Dinge, wo es sich nicht ganz sicher ist und eine Sache, die es nicht verstanden hat. 

Das gibt dem Kind das Gefühl, dass es nicht völlig „leer“ ist. „Es ist selten, dass ein Kind gar nichts verstanden hat. Es sieht so, dass es nicht bei 0 anfängt und weiß, worauf es sich jetzt fokussieren muss“, so die Expertin.

5. Die Hürde des Anfangens überwinden

Manchmal stehen Kinder vor einem Berg an parallelen Hausaufgaben und sind davon völlig erschlagen. „In diesen Situationen können Eltern auf der emotionalen Ebene eine Rückmeldung geben, etwa mit „Da verstehe ich, dass es dir schwerfällt.““ Um dann eine Lösung vorzuschlagen: kleine Häppchen.

Damit sollen die Aufgaben nicht kleingeredet werden, aber man überwindet die Hürde des Anfangens. „Wir essen ja eine Wurst auch nicht gleich im Ganzen, sondern in kleinen Stücken“, erklärt Lichtinger das Prinzip und nennt Beispiele: 

  • Mach auf diesem Arbeitsblatt doch erst einmal nur die erste Aufgabe.
  • Unterstreiche dort doch nur mal das wichtigste Schlüsselwort in der Aufgabenstellung. 
  • Eine Schreibaufgabe steht an? Dann schreib doch erst mal nur die Überschrift. Oder drei Stichworte. 

„Bei den Anschub-Tipps geht es nicht um die Entscheidung, wie das Kind das alles schaffen soll, sondern nur darum, ein erstes Thema auszuwählen und zu starten“, erklärt Lichtinger den Hintergrund. Bestenfalls kann so nacheinander alles abgearbeitet werden. 

Und wenn man als Vater oder Mutter noch mehr helfen und selbst zum Stift greifen will? Besser nicht. „Was Eltern nicht machen sollten: Den Kindern die Arbeit abzunehmen“, so die Professorin.

Eine schöne Erfolgsinsel: „Siehst du, du weißt mehr als du gedacht hast“, lobt Mama den Sohn, nachdem er zwei Aufgaben richtig gelöst hat.picture alliance / dpa-tmn

Eine schöne Erfolgsinsel: „Siehst du, du weißt mehr als du gedacht hast“, lobt Mama den Sohn, nachdem er zwei Aufgaben richtig gelöst hat.picture alliance / dpa-tmn

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