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Insektenhotels für Wildbienen: Hilfreich oder sinnlos?

Sie sind beliebt, helfen aber nur bestimmten Arten. Warum viele Nisthilfen wenig bewirken und wie man Wildbienen noch unterstützen kann - im Garten und auf dem Balkon.

Von dpa

20.05.2026

Insektenhotels kommen in erster Linie oberirdisch nistenden Wildbienenarten zugute, etwa der Gehörnten Mauerbiene.picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Insektenhotels kommen in erster Linie oberirdisch nistenden Wildbienenarten zugute, etwa der Gehörnten Mauerbiene.picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

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Sie stehen in Außenbereichen von Kindergärten, auf öffentlichen Grünflächen, an Waldrändern oder in privaten Gärten: Sogenannte Insektenhotels sollen Wildbienen und Co. helfen, deren Lebensräume zunehmend bedroht sind. 

„Ungeeignete Billig-Modelle“ haben laut dem Nabu Landesverband Berlin allerdings zunehmend zum schlechten Ruf der Nisthilfen beigetragen. Sind die Insektenhotels also nicht mehr als ein symbolischer Beitrag zum Artenschutz? Was Wildbienen wirklich brauchen - 3 Erkenntnisse zum Weltbienentag:

1. Insektenhotels helfen vor allem bestimmten Arten

Insektenhotels kommen in erster Linie oberirdisch nistenden Wildbienenarten zugute, etwa der Gehörnten Mauerbiene oder der Roten Mauerbiene. Viele andere Wildbienenarten hingegen nisten ohnehin an anderen Orten und profitieren kaum von solchen Nisthilfen.

Oft wird kritisiert, dass nur wenige, eher häufige Arten diese Nisthilfen nutzen. Doch für den Schutz bedrohter Wildbienen zähle jede unterstützte Art, argumentiert der Nabu.

2. Insektenhotels müssen richtig gemacht sein

Dem Nabu Berlin zufolge kommt es vor allem darauf an, dass Insektenhotels richtig gemacht sind, damit sie echte Nistmöglichkeiten bieten. Tannenzapfen oder Hohlräume mit breiten Schlitzen sind demnach nutzlos. 

Stattdessen sollten Insektenhotels eine Vielzahl von Röhren mit unterschiedlichen Durchmessern aufweisen - so eignen sich Bohrlöcher in Hartholz mit glattem, nicht ausgefranstem Rand. Auch hohle Stängel und nicht zu harte Lehmflächen seien sinnvoll. 

Die Nisthilfen sollten viel Sonne bekommen und ausreichend tief sein (mindestens 10 Zentimeter, besser 15 oder mehr). Wildbienen legen Eier, in denen Weibchen heranwachsen, demnach ganz hinten in ihre Niströhren. Aus flachen Nisthilfen schlüpfen allenfalls Männchen.

Vorsicht gilt bei Nisthilfen mit Glasröhrchen, die oft als Beobachtungsfenster vermarktet werden: Das Wasserdampf-undurchlässige Material kann dazu führen, dass die Wildbienenbrut verpilzt.

Insektenhotels sollten natürliche Materialien und eine Vielzahl von Röhren mit unterschiedlichen Durchmessern aufweisen.picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Insektenhotels sollten natürliche Materialien und eine Vielzahl von Röhren mit unterschiedlichen Durchmessern aufweisen.picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

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3. Auch andere Hilfen und Nahrungsquellen sind wichtig

Zwei Drittel der Wildbienenarten in Deutschland nisten unterirdisch - ein Insektenhotel bringt diesen Arten nichts. Der Nabu Berlin empfiehlt etwa Gartenbesitzern deshalb, auch bodennahe Lebensräume zu schaffen: offene Bodenstellen, schüttere Wiesen oder ein eigens angelegtes Sandarium bieten vielen dieser Arten Platz für den Nestbau.

Ebenso entscheidend ist ein ausreichendes Nahrungsangebot. Wildbienen sind auf blühende Pflanzen in ihrer unmittelbaren Umgebung angewiesen. Vielfältige Blühstreifen, Blumenwiesen und Wildkräuterbeete helfen dabei.

Auch wer nur wenig Platz hat - etwa auf dem Balkon - kann Wildbienen bei der Nahrungssuche unterstützen. Dazu sollte man laut Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) auf gängige Balkonpflanzen wie Petunien und Geranien verzichten. Besser sind heimische Wildblumen wie Kornblumen, Glockenblumen oder Wiesensalbei sowie blühende Kräuter - etwa Thymian, Borretsch, Oregano und Lavendel.

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