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Defizite im Job? So werden Ihre Schwächen zu Stärken

Im Berufsalltag läuft nicht immer alles glatt. Warum Selbstzweifel normal sind und welche Fragen Sie sich jetzt unbedingt stellen sollten.

Von Eva Dignös, dpa

18.05.2026

Früher oder später haben viele Menschen im Berufsleben das Gefühl, den Erwartungen nicht gerecht zu werden.picture alliance / Westend61

Früher oder später haben viele Menschen im Berufsleben das Gefühl, den Erwartungen nicht gerecht zu werden.picture alliance / Westend61

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Die neue Software, die alle anderen schon beherrschen. Das Meeting, bei dem einem die Gesprächsführung entgleitet. Das Mitarbeiter-Gespräch, in dem die Chefin ziemlich unzufrieden ist mit den Ergebnissen der vergangenen Monate. Irgendwann erwischt fast jeden oder jede im Job das Gefühl, den Anforderungen nicht zu genügen. 

Die Gute Nachricht ist: Das bedrückende Grundgefühl ist ein Stück weit normal. Wir alle sind eher an Defiziten als an Stärken orientiert hat Cornelia Niessen, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Erlangen, beobachtet: „Menschen sprechen eher über ihre Schwächen.“ Negative Erfahrungen wirkten stärker und blieben länger in Erinnerung als positive Rückmeldungen.

Selbstzweifel trüben den Blick auf die eigenen Stärken

Ein verlässlicher Kompass für die tatsächlichen Fähigkeiten sind Selbstzweifel deshalb nicht. Oft treten sie in Phasen des Übergangs auf, beim Berufseinstieg beispielsweise, bei neuen Aufgaben oder einem Jobwechsel. Wer von der Persönlichkeit her zum Perfektionismus neigt, läuft Gefahr, kleine Wissenslücken in einem Maße überzubewerten, dass sie sich im Kopf zu grundlegenden Problemen auswachsen. Das führe schnell zu einer Negativspirale, warnt Heidi Steinberger, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung: „Wer sich klein macht, diffamiert das eigene Selbstbild.“

Auch der Vergleich mit anderen ist nur bedingt zielführend: Wer ausschließlich darauf schaut, was andere besser können, verliert den Blick für die eigene Entwicklung. Und: Was eine Stärke ist und was eine Schwäche, „ist oftmals eine Frage der Auslegung“, sagt Steinberger. Risikobereitschaft kann in manchen Funktionen erwünscht sein, an anderer Stelle verpönt.

Sinnvoller als die pauschale Bewertung ist die konkrete Beobachtung: Welche Situationen fühlen sich schwierig an? Wofür benötige ich mehr Zeit als erwartet? Welche Aufgaben schiebe ich vor mir her? Was brauche ich konkret, um in dieser Situation sicherer zu werden? Auch die Frage „Will ich mich verändern, um zu gefallen oder um beruflich weiterzukommen?“ sollte Teil einer ehrlichen Selbstreflexion sein, empfiehlt die Karriereberaterin.

Was tun bei negativer Rückmeldung?

Feedback von außen kann ebenfalls hilfreich sein, von Kolleginnen und Kollegen, vom Teamleiter oder von der Chefin. Manchmal allerdings erhält man es ungefragt, wird beispielsweise von Vorgesetzten im Jahresgespräch für seine Leistungen kritisiert, obwohl man selbst ganz zufrieden mit sich war.

Eine negative Rückmeldung verunsichert, nagt am Selbstvertrauen und führt schnell zu der Frage: Wie sicher ist mein Job in diesem Team noch? Der Reflex wäre, sich zu rechtfertigen, doch davon rät Heidi Steinberger ab. Sie empfiehlt, „tief durchzuatmen und um konkrete Beispiele zu bitten, um die Kritik besser verstehen zu können“: In welcher Situation sind welche Schwächen aufgefallen? Was hätte besser funktionieren sollen? Solche Fragen signalisieren Gesprächsbereitschaft und helfen, das Feedback einzuordnen.

Kritik vom Chef – kein Grund zur Panik, aber ein Anlass zum Handeln

Nicht jede Kritik ist berechtigt. Aber auch unbequeme Rückmeldungen verdienen eine ernsthafte Prüfung. Hilfreich ist die Frage: Habe ich das schon einmal anderswo gehört? Bekomme ich beispielsweise auch von Kolleginnen und Kollegen im Team das Gefühl vermittelt, zu ungeduldig zu sein? Wenn ja, lohne es sich, genauer hinzusehen, „denn das sind Themen, die einen dauerhaft begleiten“, sagt Steinberger. Arbeitspsychologin Cornelia Niessen empfiehlt, um ein zweites Gespräch zu bitten und mögliche Gründe für die angemahnten Defizite zu erklären, die Bereitschaft zur Weiterentwicklung zu signalisieren und die Optionen dafür zu besprechen.

Die entscheidende Frage – unabhängig davon, ob die Kritik von außen kommt oder ob man selbst an seiner Leistungsfähigkeit zweifelt – lautet: Was ist tatsächlich relevant für die aktuelle Aufgabe? Manche Defizite sind dringend, weil sie die tägliche Arbeit behindern oder das Ergebnis messbar beeinflussen. Andere lassen sich durch kluge Ressourcennutzung kompensieren. Manchmal fehlt Erfahrung, manchmal sind Arbeitsabläufe unklar oder Erwartungen nicht eindeutig formuliert.

Besonders schmerzhaft kann die Erkenntnis sein, einen unpassenden Beruf gewählt zu haben. Doch so schwer es falle: Arbeitspsychologin Niessen empfiehlt, daraus Konsequenzen zu ziehen. „Es ist psychisch sehr anstrengend, fortwährend nach Passung zu suchen, wenn dies bedeutet, gegen die eigene Disposition zu leben.“ Helfen bei der Entscheidungsfindung könne die Frage: „Wie wird es mir in einem Jahr gehen, wenn ich so weitermache wie bisher?“

Stärken auszubauen ist sinnvoller, als an Schwächen herumzudoktern

Doch oftmals lassen sich Lösungen finden: Manchmal ist eine Weiterbildung der richtige Weg, manchmal Mentoring oder der regelmäßige Austausch mit erfahreneren Kolleginnen und Kollegen: Viele Kompetenzen entwickeln sich durch Wiederholung und durch regelmäßiges Üben. Auch „Job Crafting“ könne helfen, sagt Niessen: Die Aufgaben werden so abgeändert, dass sie besser zu den Fähigkeiten passen. 

Wer gut in IT ist, kann möglicherweise in diesem Bereich mehr Verantwortung übernehmen und dafür andere Aufgaben abgeben. „Stärken zu entwickeln, ergibt mehr Sinn, als an Schwächen herumzudoktern“, sagt auch Karriereberaterin Steinberger: „Man sollte immer nach vorn schauen und überlegen, wie der weitere Weg aussehen könnte.“

Ob man Schwächen von sich aus gegenüber Vorgesetzten anspricht, hängt stark vom Umfeld ab. In einem Betrieb mit guter Feedback- und Lernkultur kann Offenheit als Zeichen von Verantwortungsbewusst gewertet werden. In Unternehmen mit ausgeprägtem Leistungsdenken wird sie möglicherweise als Schwäche ausgelegt. 

Eine generelle Bereitschaft zur Weiterentwicklung könne der Arbeitgeber erwarten, sagt Steinberger. Druck von außen hemmt diesen Prozess aber eher, als dass er ihn beschleunigt. „Verhaltensänderung funktioniert nur“, sagt Steinberger, „wenn man es selbst will“.

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