Panorama

„Braunschlag 1986“: War früher alles besser?

Ein Provinznest als Zeitkapsel: Was passiert, wenn man in die 80er Jahre zurückkehrt? Die Fortsetzung von „Braunschlag“ sucht mit viel schwarzem Humor und schrägen Figuren nach Antworten.

Von Albert Otti, dpa

13.07.2026

Die schräge Miniserie „Braunschlag 1986“ unternimmt eine Zeitreise in die österreichische Provinz der 80er Jahre.---/SUPERFILM/dpa

Die schräge Miniserie „Braunschlag 1986“ unternimmt eine Zeitreise in die österreichische Provinz der 80er Jahre.---/SUPERFILM/dpa

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Falco, Föhnfrisuren und Samantha Fox - war früher alles besser? Die schräge Miniserie „Braunschlag 1986“ unternimmt eine Zeitreise in die österreichische Provinz der 80er Jahre, um dieser Frage auf den Grund zu gehen (HBO Max ab Donnerstag (16.7.); lief im ORF im März). Im Gepäck: tiefschwarzer Humor, politische Satire und eine Portion Science-Fiction.

Fortsetzung einer Erfolgsserie

Drehbuchautor und Regisseur David Schalko knüpft mit den fünf neuen Episoden an seine erfolgreiche Serie „Braunschlag“ aus dem Jahr 2012 an. Damals ging es um eine fiktive Gemeinde in Österreich, in der eine erfundene Marienerscheinung für Pilger- und Geldströme sorgt.

Die neue Staffel setzt mehr als zehn Jahre später ein: Braunschlag ist nach einem Atomunfall fast menschenleer - nur Bürgermeister Tschach (Robert Palfrader) und Discobesitzer Pfeisinger (Nicholas Ofczarek) leben noch in dem Provinznest nahe der tschechischen Grenze. 

Wie kann man den Ort wieder voll bekommen? Tschach hat eine Idee: In Braunschlag soll laut einem Dekret des Bürgermeisters wieder alles so sein wie im Jahr 1986 - eine Oase ohne Internet, Künstliche Intelligenz, Corona oder politisch korrekte Sprache. „Wir wollen eine Welt, die man kapiert, eine Welt, in der jeder jeden kennt“, sagt der Gemeindechef in der Serie.

Ein Nostalgie-Projekt, das aus dem Ruder läuft

Die Uhren werden zurückgedreht, und das Retro-Konzept lockt tatsächlich Menschen zurück nach Braunschlag. Doch die früheren Bewohner bringen auch eine Menge Beziehungsprobleme und Macken mit - darunter eine Mutter (Nina Proll), deren Sohn sich hinter einer Darth-Vader-Maske versteckt; sowie ein Landarzt, dessen toter Vater aus der Urne zu ihm spricht. 

Ein mysteriöser jugendlicher Investor, Politiker und ein UFO-gläubiger Rückkehrer lassen das Nostalgie-Projekt aus dem Ruder laufen.

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Etwas aus dem Ruder läuft auch die Serie selbst, denn inmitten der vielen Erzählstränge und skurrilen Figuren fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Immerhin sorgt das hochkarätige Ensemble dafür, dass „Braunschlag 1986“ nicht untergeht. 

Neben den Hauptdarstellern Palfrader und Ofczarek sind auch die meisten andere Rollen mit bekannten Gesichtern besetzt, darunter Ofczareks Burgtheater-Kollegin Stefanie Reinsperger (bis vor kurzem Dortmund-„Tatort“) als Dorfpolizistin oder Simon Schwarz („Eberhoferkrimis“) als Landespolitiker.

Politik als Drehbuchvorlage

In die Geschichte um eine Rückkehr in die 80er Jahre baut Schalko auch eine weitere Ebene um Politik und Macht ein. Denn der österreichische Fernseh-Profi ist nicht nur für Serien („Altes Geld“, „Kafka“) und Avantgarde-TV („Sendung ohne Namen“) bekannt, sondern auch für Politsatire-Formate. 

Für „Braunschlag 1986“ gilt: Vieles musste Schalko nicht erst erfinden, sondern konnte die Realität seiner Heimat in seine Serie einbauen. Dazu gehören etwa ein führender rechter Regionalpolitiker, dessen Familie teilweise aus einem muslimisch geprägten Land stammt; ein mächtiger konservativer Strippenzieher, dessen Einfluss bis in die Provinz reicht; und ein Bankkonzern mit besten Verbindungen in die Politik.

Die verschiedenen Zutaten dieser Serie ergeben einen Fiebertraum, in dem sich 80er-Nostalgie, bittere Satire und melancholische Beziehungsromantik vermengen. Wer diese wilde Mischung besser verstehen will, sollte zuerst die Staffel von 2012 ansehen (auch bei HBO Max; sowie als Kauftitel bei Amazon Prime und Apple TV).

Bleibt noch die Frage, ob früher alles besser war. Das müssen die Zuschauerinnen und Zuschauer letztendlich selbst beantworten. Doch in der Serie fällt ein Satz, der schon mal eine Richtung vorgibt: „Es war nie besser, wir waren nur jünger.“

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