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Angehörige pflegen: Diese Tipps können helfen

53 Prozent fühlen sich psychisch belastet, 50 Prozent berichten von Fehlern bei der Medikation: Eine Umfrage zeigt, welche Schwierigkeiten pflegende Angehörige oft haben. Was im Alltag helfen kann.

Von dpa

06.10.2026

Was muss wann genommen werden? Und wird es auch genommen? Sichere Medikation ist eine Herausforderung für Pflegebedürftige - und für pflegende Angehörige.Christin Klose/dpa-tmn

Was muss wann genommen werden? Und wird es auch genommen? Sichere Medikation ist eine Herausforderung für Pflegebedürftige - und für pflegende Angehörige.Christin Klose/dpa-tmn

© Christin Klose/dpa-tmn

Welche Tablette morgens, welche abends? Und wie lange ist das Medikament im Fläschchen nach dem Öffnen noch haltbar? Wer Angehörige zu Hause pflegt, trägt viel Verantwortung. Wie anspruchsvoll das ist, zeigt eine Befragung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP), für die bundesweit 1.012 pflegende Angehörige zwischen 40 und 85 Jahren befragt wurden, die seit mindestens sechs Monaten mindestens wöchentlich einen zu Hause lebenden Menschen ab 60 Jahren mit Pflegegrad pflegen: 

  • 53 Prozent der Befragten fühlen sich psychisch belastet (bei Demenz sind es sogar 71 Prozent). 
  • 50 Prozent der Befragten berichten, dass Arzneimittel der pflegebedürftigen Person in den vergangenen sechs Monaten falsch oder gar nicht angewendet wurden. 19 Prozent geben an, dass dies wiederholt vorkam.

Was kann pflegende Angehörige dabei unterstützen, dass Medikamente sicher angewendet werden? Und wie können sie für sich selbst sorgen und sich psychisch stärken?

Das Zentrum für Qualität in der Pflege gibt folgende Tipps:

Medikamente: Einnahme klären und schriftlich festhalten

Für den Überblick hilft ein Medikationsplan aus der Hausarztpraxis. Er sollte aktuell und vollständig sein: Auch selbst gekaufte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel gehören in die Übersicht, ebenso Naturheilprodukte. Wichtig sind Angaben dazu, welches Mittel wann und in welcher Menge angewendet wird. Die Liste kann man bei Arzt- und Apothekenbesuchen vorlegen. 

Das ZQP empfiehlt, sich über Wirkung, mögliche Neben- und Wechselwirkungen, Dosierung, Zeitpunkt und Art der Anwendung sowie Lagerung der Arzneien zu informieren. Eine Medikationsanalyse in der Apotheke kann helfen, mögliche Wechselwirkungen zu erkennen.

Fragen lassen sich in der Arztpraxis, der Apotheke oder zum Teil mit Pflegefachpersonen klären. Die wichtigste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Am besten die Fragen vorher aufschreiben und die Antworten selbst notieren oder schriftlich mitgeben lassen.

Haltbarkeit und Vorräte im Blick behalten

Manche Arzneimittel müssen kühl, andere lichtgeschützt aufbewahrt werden. Das ZQP rät, nach dem ersten Öffnen zu prüfen, bis zu welchem Tag ein Medikament verwendbar ist und dieses Datum auf der Verpackung zu notieren. Auch die Haltbarkeit der übrigen Medikamente sollte regelmäßig kontrolliert werden. 

Wichtig: Rezepte und Medikamente rechtzeitig besorgen, bevor der Vorrat aufgebraucht ist.

Medikamente richtig anwenden

Vor jeder Anwendung prüfen, ob Medikament, Dosis und Zeitpunkt stimmen. Hände vor dem Anfassen der Medikamente waschen und gut trocknen. Bei der Einnahme sollte die pflegebedürftige Person möglichst aufrecht sitzen und ein Glas Wasser ohne Kohlensäure erhalten.

Gut zu wissen: Nicht jedes Arzneimittel darf in eine Tablettenbox umgefüllt werden. Die Apotheke kann dazu beraten. Dort lässt sich auch nach einer Verblisterung fragen. Dabei werden Medikamente nach Einnahmezeiten vorsortiert und einzeln verpackt.

Bei Schluckproblemen nicht einfach zerkleinern

Eine Tablette teilen oder auflösen, eine Kapsel öffnen? Vorher in der Arztpraxis oder Apotheke klären, ob das erlaubt ist. Sonst kann sich die Wirkung verändern.

Unterstützung suchen

Lassen sich Medikamente nicht wie ärztlich angeordnet anwenden oder wirken sie nicht wie vorgesehen, sollte zeitnah ärztlicher Rat eingeholt werden. Lehnt die pflegebedürftige Person die Einnahme ab, keinen Zwang ausüben und im Zweifel auch hier ärztlichen oder pflegefachlichen Rat suchen.

Überhaupt gilt: Pflegende Angehörige müssen Schwierigkeiten nicht ganz allein lösen. Und sie sollten sich auch gut um sich selbst kümmern. 

Kostenfreie Beratungen zur Pflege gibt es unter anderem bei Pflegekassen und Pflegestützpunkten. Dort lässt sich auch besprechen, welche Entlastung zur eigenen Situation passt. Eine Suche nach Beratungsangeboten bietet die ZQP-Datenbank unter www.zqp.de/beratung-pflege/.

Eigene Grenzen ernst nehmen und Ausgleich schaffen

Auch die eigenen Bedürfnisse brauchen Platz: Das ZQP empfiehlt, regelmäßig Pausen einzulegen und sich Zeit für Hobbys und Kontakte zu nehmen. Ein Spaziergang, ein Treffen mit Freunden oder Entspannungsübungen können Ausgleich schaffen. Wichtig ist auch, die eigenen Belastungsgrenzen anzuerkennen und offen zu sagen, welche Aufgaben man übernehmen kann und welche nicht. Angehörige können Familie, Freunde oder Nachbarn gezielt um Hilfe bitten und bei Bedarf einzelne Pflegeaufgaben an einen Pflegedienst abgeben.

Über Sorgen und Gefühle zu sprechen, kann ebenfalls entlasten - mit vertrauten Menschen oder anderen pflegenden Angehörigen, etwa in einer Selbsthilfegruppe. Krankenkassen bieten zudem Kurse zur Entspannung und zum Umgang mit Stress an.

Schlafprobleme, ständige Müdigkeit, Gereiztheit oder Niedergeschlagenheit können Anzeichen für Überlastung sein. Dann rät das ZQP, sich möglichst rasch Unterstützung für die Pflege zu organisieren und ärztlichen Rat einzuholen. Bestimmen Sorgen den Alltag, kann psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung helfen. Kostenfreie psychologische Onlineberatung gibt es unter www.pflegen-und-leben.de.

Angehörige zu pflegen bedeutet große Verantwortung und oft große Belastung, zeitlich, körperlich, psychisch. Daher ist es wichtig, dass Pflegende sich Ausgleich schaffen.Peter Steffen/dpa/dpa-tmn

Angehörige zu pflegen bedeutet große Verantwortung und oft große Belastung, zeitlich, körperlich, psychisch. Daher ist es wichtig, dass Pflegende sich Ausgleich schaffen.Peter Steffen/dpa/dpa-tmn

© Peter Steffen/dpa/dpa-tmn

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