Was der CSD-Anschlag für Feste im Nordwesten bedeutet
Nach dem tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin sind die Sorgen um die Sicherheit groß. Wie Veranstalter in Bremen und Niedersachsen jetzt reagieren.
CSD-Veranstalter passen ihr Sicherheitskonzept an. (Archivbild)Jörn Hüneke/dpa
© Jörn Hüneke/dpa
Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin werden die Sicherheitskonzepte für queere Veranstaltungen im Nordwesten überarbeitet. So kündigten die Veranstalter des Maschseefests an, die Maßnahmen für den sogenannten „Queer Wednesday“ zu verschärfen. Auch die Konzepte für anstehende CSD-Veranstaltungen in Bremen und Niedersachsen sollen sicherheitshalber überprüft werden.
Welche Maßnahmen beim „Queer Wednesday“ geplant sind
Am 6. August verwandelt sich das Nordufer am Maschsee in Hannover in eine Regenbogenmeile - dieses Jahr jedoch unter besonders strengen Sicherheitsvorkehrungen. Der Bereich wird nachmittags und abends komplett für den Verkehr abgeriegelt, wie die Organisatoren mitteilen. Autofahrer müssen mit Staus und Umleitungen rechnen.
Rund um den Eingangsbereich werden zudem auf circa 23 Meter Fahrzeugsperren errichtet. „Die Anpassung erfolgt vorsorglich auf Grundlage der aktuellen Sicherheitsbewertung und in enger Abstimmung mit Polizei, Feuerwehr und der Landeshauptstadt Hannover“, teilten die Veranstalter mit. Diese Maßnahmen waren eigentlich nur für die besucherstärksten Tage am Freitag und Samstag auf dem Maschseefest vorgesehen.
So rüsten sich CSD-Veranstalter
Der nächste CSD in Niedersachsen findet am 8. August in Braunschweig statt. Im letzten Jahr zogen rund 5.000 Menschen durch die Stadt - nun könnten es noch mehr werden. „Ich persönlich glaube, dass viele Menschen aus der queeren Community diese Energie und Einstellung eines „Jetzt erst recht!“ auch in unsere Demonstration tragen werden“, sagt Björn Waldmann vom CSD Braunschweig.
Das Sicherheitskonzept der vergangenen Jahre habe sich bewährt, sagte Waldmann. Der Schlossplatz soll für die Kundgebung wieder mit Zufahrtssperren geschützt werden. Nach dem Angriff in Berlin seien Gespräche mit den Behörden geplant, inwiefern die ohnehin schon geplanten Maßnahmen noch verschärft werden müssen. Denkbar seien etwa weitere Sperrungen am und um den Bereich der Kundgebung.
In einem Monat werden wieder Zehntausende zum Bremer CSD unter dem Motto „Generationen voller Pride - glücklich, sichtbar, stark“ erwartet. Im vergangenen Jahr demonstrierten laut Polizei rund 25.000 Teilnehmende für die Rechte von lesbischen, schwulen und anderen queeren Menschen. Schon damals gab es eine Drohung, wie Robert Dadanski vom CSD-Vorstand berichtet. Doch in enger Abstimmung mit der Polizei sei es gelungen, dass die Veranstaltung sicher und ohne Zwischenfälle stattfinden konnte.
Darauf vertraue das Team auch dieses Jahr, sagt Dadanski. Aktuell laufen Gespräche, ob das Konzept nach dem Anschlag in Berlin überarbeitet werden muss. „Wir haben alle das Ziel, den CSD sehr sicher durchzuführen.“ Der Bremer Polizei liegen nach eigenen Angaben bisher keine Hinweise auf eine besondere Gefahr vor.
Wie viele sich am 22. August auf die Straßen in Bremen trauen, lasse sich nach dem Vorfall in Berlin nur schwer einschätzen. „Es wird sicher Menschen geben, die Angst haben“, sagt Dadanski. „Aber es gibt auch Menschen, die gerade jetzt ein Zeichen setzen wollen.“
Weitere CSD-Veranstaltungen in der Region sind in Leer, Hann. Münden, Aurich, Northeim, Goslar, Papenburg, Delmenhorst, Walsrode, Verden und Norden geplant.
Angriff in Berlin: Eine Tote und 29 Verletzte
Der CSD in Berlin war am Samstagabend abgebrochen worden, nachdem ein Auto am Rande der Großveranstaltung in eine Menschenmenge gefahren war. Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen wurden verletzt. Inzwischen hat die Polizei einen 21-jährigen Verdächtigen, der zur islamistischen Szene gehören soll, bei einem Einsatz erschossen.