Wahlumfrage in MV: SPD verkürzt Abstand zur AfD
Vier Monate sind es noch bis zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Eine neue Wahlumfrage sieht die AfD mit 36 Prozent deutlich vor der SPD. Doch der Abstand schrumpft. Und wo ist die CDU?
Wer übt künftig die Macht aus im Landtag und in der Staatskanzlei? Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. (Archivbild)Jens Büttner/dpa
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Gut vier Monate vor der Landtagswahl bleibt die AfD einer Umfrage zufolge stärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern. 36 Prozent der Wählerinnen und Wähler würden aktuell der Partei ihre Stimme geben, wie aus der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks (NDR) hervorgeht. Gewählt wird am 20. September.
Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kommt auf 27 Prozent und legt damit im Vergleich zur Januar-Umfrage von Infratest dimap um zwei Prozentpunkte zu. Bei der Landtagswahl 2021 erhielten die Sozialdemokraten 39,6 Prozent der Stimmen.
Die AfD steigert sich im Vergleich zur Januar-Umfrage um einen Prozentpunkt. Die CDU würden nur noch 10 Prozent (-3) wählen und rutscht auf Platz 4 ab hinter die Linken, die sich um einen Prozentpunkt auf 13 Prozent steigern konnte.
Die Grünen bleiben bei 4 Prozent. Das BSW liegt in der Umfrage bei 5 Prozent und muss um den Einzug in den Landtag bangen. Alle anderen Parteien einschließlich der FDP erreichen zusammen 5 Prozent.
Manuela Schwesig (SPD) will Ministerpräsidentin bleiben. (Archivbild)Carsten Koall/dpa
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Politikwissenschaftler: CDU Verlierer in dieser Umfrage
Der Politikwissenschaftler Wolfgang Muno von der Universität Rostock zeigte sich vom Aufholen der SPD wenig überrascht. Der personalisierte Wahlkampf von Schwesig funktioniere offenbar, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Ihn überrasche, dass die AfD nicht weiter zugelegt habe, was sie im Bund und in Sachsen-Anhalt tue. „Vielleicht liegt es an der unklaren Spitzenkandidaten-Frage“, sagte er. Als Ministerpräsidenten-Kandidat tritt der Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm in Erscheinung. Auf Listenplatz eins der Partei steht allerdings der Co-Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete Enrico Schult. Er ist damit Spitzenkandidat.
Überrascht zeigte sich Muno vom Abrutschen der CDU. „Erwartbar war, dass die kleinen Parteien Probleme bekommen. Dass sich das so schnell und so deutlich auf die CDU auswirkt, habe ich nicht erwartet.“ Die Sozialdemokraten setzen neben ihren Inhalten stark auf eine direkte Auseinandersetzung mit der AfD - nach dem Motto: Wer die AfD verhindern will, muss SPD wählen.
Die Union sei der Verlierer in dieser Umfrage. Muno hält es nach eigenen Worten auch nicht für ausgeschlossen, dass die CDU noch einstellig werden könnte.
Schadet der CDU ihr Nein zur Linken?
Gründe für die aktuelle CDU-Schwäche sieht Muno etwa im negativen Bundestrend der Union. „Es gibt kaum einen Kanzler, der so unbeliebt war, wie Friedrich Merz es derzeit ist“, sagte er. Im Land selbst komme die CDU mit ihrem Personal und ihren Inhalten bisher nicht wie erhofft an. Der CDU dürfte aus Sicht von Muno überdies schaden, dass sie sich weigert, mit der Linken zu kooperieren.
Da Grüne und BSW um den Einzug in den Landtag bangen müssten - Muno ist skeptisch, dass sie es schaffen - müssten möglicherweise SPD, Linke und CDU zusammenarbeiten, um eine Regierung bilden zu können. „Ich glaube nicht, dass es im Land gut ankommt, dass man mit den Linken nicht kooperieren will“, sagte der Beobachter des Schweriner Politikbetriebs.
Die CDU-Generalsekretärin Katy Hoffmeister beklagt, dass die Auseinandersetzung zwischen SPD und AfD in der Öffentlichkeit dominiere und politische Inhalte es schwer hätten. (Archivbild)Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
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CDU-Generalsekretärin: Inhalte haben es schwer
Die Generalsekretärin der CDU in MV, Katy Hoffmeister, analysiert die Lage so: „Der öffentliche und mediale Fokus liegt ausschließlich auf dem vermeintlichen Duell Schwesig gegen die AfD. Das ist eine Entwicklung, auf die sowohl die AfD als auch Frau Schwesig erfolgreich hingearbeitet haben.“ In der Folge unterbleibe die Auseinandersetzung über die richtige Politik für MV. „Da wir voll auf Inhalte setzen, finden wir im Wahlkampf noch nicht ausreichend statt. Das müssen wir besser machen.“
AfD will absolute Mehrheit
Die AfD sieht sich beflügelt durch die Umfrage. „Diese SPD hat für unser Mecklenburg-Vorpommern keine Vision mehr - ihre einzige Strategie ist, vor der AfD zu warnen“, erklärte Spitzenkandidat Schult. „Doch die Bürger verankern uns im MV-Trend seit langem auf Platz eins.“ Die absolute Mehrheit bleibe das Ziel - davon ist die AfD aber laut Umfrage ein ganzes Stück entfernt.
Schwesig erklärte, es seit gut, dass die Werte für ihre Partei nach oben gingen. „Bis zu Wahltag ist es aber noch ein weiter Weg“, gab sie zu bedenken. „Und Wahlen werden auf der Zielgeraden entschieden.“ Schwesig versucht im Wahlkampf zu vermitteln, dass sie für Kontinuität und die Weiterentwicklung des Landes stehe.
Aus der Landtagswahl 2021 war die SPD mit 39,6 Prozent als Gewinnerin hervorgegangen. Die AfD erhielt 16,7 Prozent der Stimmen, die CDU 13,3 Prozent, die Linke 9,9 Prozent, die Grünen 6,3 Prozent und die FDP 5,8 Prozent.
Die AfD und ihr Spitzenkandidat Enrico Schult streben eine absolute Mehrheit an. (Archivbild)Jens Büttner/dpa
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Mehr als 1.150 Wahlberechtigte wurden befragt
Für die Umfrage wurden vom 7. bis 11. Mai 2026 insgesamt 1.153 Wahlberechtigte aller Altersgruppen, Bildungsabschlüsse und Geschlechter in Mecklenburg-Vorpommern befragt. Unter anderem wurde die Frage gestellt: „Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag in MV Landtagswahl wäre?“
Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang. Die ermittelten Ergebnisse können, wie alle Stichprobenerhebungen, Fehlertoleranzen enthalten.
Die AfD liegt in Mecklenburg-Vorpommern einer Umfrage zufolge vorn. (Archivbild)Bernd Wüstneck/dpa
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