Visionen für 1001 Nacht - Markus Söder und die 10 Milliarden
Am Sonntag zieht es CSU-Chef Söder auf die arabische Halbinsel. Er spricht von einem Zeichen der Solidarität im laufenden Konflikt mit dem Iran. Hinter der Reise stehen aber auch handfeste Interessen.
Im September war Präsident Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan in München zu Besuch - nun macht Markus Söder den Gegenbesuch in Abu Dhabi. (Archivbild)Peter Kneffel/dpa
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Inmitten der ungelösten Suche nach einer gemeinsamen Unionskandidatin für das Amt des Bundespräsidenten zieht es CSU-Chef Markus Söder auf die arabische Halbinsel. Am Sonntag bricht der bayerische Ministerpräsident zu einer kurzen Visite in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und nach Katar auf. Ursprünglich hatte Söder für sein außenpolitisches Märchen aus 1001 Nacht auch noch ins benachbarte Saudi-Arabien reisen wollen. Wegen der unsicheren Lage wurde dies aber kurzfristig gestrichen. Seit September gab es schwere Auseinandersetzungen zwischen den Huthi und Saudi-Arabien.
„Bayern goes Arabien. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar sind zwei wichtige Partnerländer für Bayern im Nahen Osten“, sagte Söder vor der viertägigen Reise der Deutschen Presse-Agentur in München. Im Mittelpunkt stünden die Bereiche Wirtschaft, Investitionen, Technologie und Verteidigung. „Dazu treffen wir höchstrangige Gesprächspartner. Die klare Ausrichtung: Wir werben für weitere Investitionen und Aufträge für die bayerische Wirtschaft. Wir erweitern dazu unser internationales Netzwerk bewusst auch zu Partnern in der arabischen Welt.“
Das Zehn-Milliarden-Euro-Abkommen
In den VAE erwartet Söder Präsident Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan auch ein Regierungschef, den er erst vor wenigen Wochen in München getroffen hatte. Damals hatten Bayern und die Emirate ein Abkommen unterzeichnet, das Investitionen von zehn Milliarden Euro in Bayern vorsieht. Die VAE investieren insgesamt sogar 40 Milliarden Euro in Deutschland. Das Geld soll unter anderem in Zukunftsbranchen wie Luft- und Raumfahrt, künstliche Intelligenz oder Verteidigung fließen.
Nachdem Söder im April 2022 eine bereits geplante Reise in die Golf-Region wegen seiner Corona-Infektion hatte absagen müssen, ist nun die Vorfreude umso größer. „Wir wollen das zugesagte Investitionsabkommen über zehn Milliarden Euro für die bayerische Wirtschaft schnell in die Umsetzung bringen. Dazu starten wir nun den Umsetzungsprozess zwischen arabischen Investoren und bayerischen Unternehmen“, betonte Söder. Bei den Investorengesprächen stünden KI sowie Luft- und Raumfahrt im Fokus. Es gehe aber auch um Energieinvestitionen und Agri-Tech. „Die VAE sind in der Region bereits jetzt unser größter Handelspartner. Wir pflegen seit vielen Jahren den Austausch.“
Das bilaterale Handelsvolumen zwischen Bayern und den VAE lag 2025 bei rund 1,65 Milliarden Euro - Tendenz seit Jahren stark steigend. Die Handelsbilanz ist stark durch bayerische Exporte in die Emirate geprägt. Wichtigste Exportgüter sind Autos, Elektrotechnik, Maschinen und chemische Erzeugnisse.
In Katar geht es um modernste Drohnensysteme
Auch das zweite Ziel auf Söders Reise, Katar, erweckt große Erwartungen. Hier liege der Schwerpunkt auf dem Rüstungsbereich. „Bayerische Unternehmen sind mit ihrem Know-how bei Verteidigungstechnologie sehr gefragt. Ein Beispiel: Modernste Drohnensysteme aus Bayern können helfen, die Sicherheit auszubauen und zu gewährleisten. Das ist besonders in Zeiten globaler Krisen und Kriege wichtig“, sagte er.
Nachdem der Iran in den vergangenen Monaten immer wieder auch Ziele in den VAE und Katar mit Raketen und Drohnen angegriffen hatte, sind auch hier modernste Militär-Technologien sehr gefragt. Auch die Ukraine greift auf in Bayern produzierte Flugabwehr und unbemannte Waffensysteme zurück.
„Mit der Reise zeigen wir auch Solidarität mit unseren Partnern am Golf in Zeiten großer Instabilität in der gesamten Region durch den Iran. Wir stehen an der Seite der angegriffenen Staaten“, betonte Söder. „In der Region wird sehr aufmerksam und positiv wahrgenommen, dass wir gerade jetzt dorthin reisen und uns nicht zurückziehen. Wir setzen auf verlässliche Partnerschaft.“
„Das Interesse von Unternehmen an der Golfregion ist sehr hoch. Die Investitionsmöglichkeiten aus den beiden Ländern sind enorm. Bayern hat Know-how und Produkte, die dort gefragt sind“, fasst Söder die Ausgangslage vor der Reise zusammen. Der Freistaat gelte als weltweiter Top-Standort bei KI, Luft- und Raumfahrt, Robotik, Maschinenbau, Energietechnologie und Verteidigung. „Diese Bereiche machen uns international sehr stark.“
Transformation der bayerischen Wirtschaft im Hinterkopf
Perspektivisch sieht Söder in den neuen Wirtschaftsbereichen eine perfekte Ergänzung zu den klassischen Feldern wie Auto, Maschinenbau und Chemie. „Bayern setzt in der Wirtschaftspolitik auf die Transformation und die Förderung von Zukunftstechnologien.“ Die Nachfrage sei schon jetzt sehr hoch, besonders in den Bereichen Defense Tech, Cybersicherheit und Verteidigung. „Diese neuen Technologiefelder bieten Aufträge für die Zukunft.“
Für Söder ist es übrigens nicht die erste Reise in die Golfregion: Als Gesundheitsminister war er 2010 in den Emiraten. Aber: „In Katar wird es mein erster Besuch sein.“
Bei Menschenrechten ist Söder gegen Belehrungen von außen
Ein Thema, welches bei Reisen deutscher Politiker in die Region immer mitschwingt, ist die Einhaltung der Menschenrechte. Söder will hier aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auftreten. „Veränderung durch Dialog und Partnerschaft ist wirkungsvoller als Belehrungen von außen“, sagte er. Die Diskussionen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft habe zudem erste Veränderungen angestoßen. „Das Thema Menschenrechte ist immer präsent. Bei allen unterschiedlichen Auffassungen ist es umso wichtiger, im Gespräch zu sein und über gemeinsame Interessen Verbesserungen zu erwirken.“