Sächsische CDU-Kreischefs an Merz: Beratung über Neustart
Gegen eine extrem starke AfD hat die CDU in Sachsen-Anhalt eine enorme Niederlage einstecken müssen. In der Union gärt es. CDU-Kreischefs werden in einem Schreiben an Kanzler Merz deutlich.
Die Kreisvorsitzenden der Sächsischen Union haben klare Worte an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gerichtet. (Archivbild)Michael Brandt/dpa
© Michael Brandt/dpa
Nach dem Einbruch des CDU-Ergebnisses bei der sachsen-anhaltischen Landtagswahl fordern die sächsischen Kreisvorsitzenden in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz zügige Beratungen über einen Neustart der Partei. „Das desaströse Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag hat gezeigt, in welchem dramatischen Ausmaß die Bevölkerung das Vertrauen sowohl in die Arbeit der Bundesregierung als auch in die Politik der Union verloren hat“, heißt es in dem Schreiben an Parteichef Merz und CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann. Der „Politico“-Journalist Rasmus Buchsteiner veröffentlichte den Brief auf X - das Büro des Dresdner CDU-Kreischefs Ingo Flemming bestätigte die Echtheit des Briefes.
Bei Zustimmungswerten von um die 20 Prozent sei die Frage mehr als berechtigt, ob die CDU künftig noch eine Volkspartei sei, heißt es in dem Brief. In Mecklenburg-Vorpommern, wo in einer Woche ein neuer Landtag gewählt wird, scheine die Lage letzten Umfragen zufolge sogar noch ernster.
Forderung nach schonungsloser Analyse und neuem Aufbruch
„Es braucht jetzt eine schonungslose Analyse und einen neuen Aufbruch ohne weiteres Zögern“, schreiben die Kreisvorsitzenden. Das erwarteten die Mitglieder - der Eindruck werde auch von Bürgerinnen und Bürgern sowie der Wirtschaft gespiegelt. Bei einer Kreisvorsitzendenkonferenz noch deutlich vor dem avisierten Termin im November müsse geklärt werden, wie die CDU wieder zur alten Stärke zurückgelange, wie ihre klare Vision für Deutschland aussehe und wie sie Vertrauen zurückgewinne.
Bei der sachsen-anhaltischen Landtagswahl am Sonntag war die AfD mit 43,8 Prozent die mit Abstand stärkste Kraft geworden - vor der CDU mit 17,2 Prozent der Stimmen. Es war das schlechteste Ergebnis der CDU bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung. Die CDU verlor 25 Mandate, im neuen Landtag ist die Fraktion nur noch mit 15 Abgeordneten vertreten.