WM 2026

Modus macht’s möglich: Bisher kaum WM-Stress für Stars

Bei der Fußball-WM sind erstmals 48 Teams dabei. Das entzerrt den Spielplan in der Vorrunde extrem. Den Profis gibt das viel Zeit für Freizeitaktivitäten - aber nicht mehr lange.

Von Eric Dobias, dpa

23.06.2026

Die Norweger sind nicht nur beim Jubel innovativ, sondern auch bei der Freizeitgestaltung.Tom Weller/dpa

Die Norweger sind nicht nur beim Jubel innovativ, sondern auch bei der Freizeitgestaltung.Tom Weller/dpa

© Tom Weller/dpa

Die Norweger um Erling Haaland flogen in der ersten WM-Woche mal fix mit einem Privat-Jet zum Kurzurlaub nach New York, Thomas Tuchel vergnügte sich mit seinen Engländern beim Baseball. Und auch die DFB-Profis konnten sich in der Frühphase des Turniers nicht über mangelnde Freizeit beklagen. 

Die von 32 auf 48 Teams aufgeblähte XXL-WM in den USA, Kanada und Mexiko sorgt bisher für eine entschleunigte Endrunde, bei der die aus dem Liga-Alltag bekannten Klagen der Fußball-Millionäre über Terminstress nicht zu vernehmen sind. 

Kein Wunder, blieb angesichts der langen Pausen zwischen den bisherigen Gruppenspielen von fünf oder sogar sechs Tagen doch viel Zeit für Aktivitäten abseits des Fußballs. „Sie können trainieren, wenn sie wollen. Sie können aber auch eine Runde Golf spielen“, sagte Norwegens Trainer Ståle Solbakken nach dem 4:1-Auftaktsieg der Wikinger gegen den Irak. Oder eben einen Abstecher zum Big Apple machen - mit Erlaubnis des Trainers und auf eigene Kosten, versteht sich.

Nagelsmann will kein Laissez-faire

Für die DFB-Stars wird es dagegen nichts mit einem Ausflug nach New York nach dem bedeutungslosen Gruppenfinale gegen Ecuador am Donnerstag in East Rutherford vor den Toren der Millionen-Metropole. Entsprechende Spekulationen dementierte der Verband umgehend. Shopping und Sightseeing mit den Liebsten - nicht mit dem Bundestrainer. „Wir sind, ehrlich gesagt, nicht auf einer Freizeitfahrt“, beschied Julian Nagelsmann schon nach dem 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste in Toronto.

Beim Familientag am Montag im Basecamp in Winston-Salem wurde die WM zwar für einige Stunden ausgeblendet. Ansonsten fordert Nagelsmann aber höchste Konzentration. Dass die DFB-Auswahl bereits als Gruppensieger feststeht, will der 38-Jährige nicht als Freifahrtschein für eine Laissez-faire-Haltung verstanden wissen.

Trinkt mit seinen Teamkollegen gerne mal ein stilles Wasser: Joshua Kimmich. (Archivbild)Federico Gambarini/dpa

Trinkt mit seinen Teamkollegen gerne mal ein stilles Wasser: Joshua Kimmich. (Archivbild)Federico Gambarini/dpa

© Federico Gambarini/dpa

Dennoch: Auch im The Graylyn Estate dreht sich nicht immer alles nur um den Fußball. „Es gibt einiges, was man hier so treiben kann“, berichtete Joshua Kimmich unlängst. Kartenspielen, Basketball, Tischtennis und Padel stehen hoch im Kurs. Und bei stabilen Temperaturen um die 30 Grad ist natürlich der Pool ein beliebter Anziehungspunkt. 

Cocktails werden dort aber nicht geschlürft. Denn Alkohol ist während des Turniers verpönt. „Wenn du auf dem Platz zusammen alles raushaust, kannst du das verstärken, indem du mal am Abend ein stilles Wasser miteinander trinkst“, sagte Kimmich dazu. 

Zoff in Portugal

Nicht nur der Bayern-Profi weiß: Ein zu süßes WM-Leben kann schnell zum Bumerang werden, wenn die Leistung auf dem Platz nicht stimmt. So wie bei Portugal zum WM-Start. Weil die Stars um Cristiano Ronaldo aus dem luxuriösen Team-Quartier in Palm Beach fleißig Strandfotos von sich in den sozialen Medien gepostet hatten, ernteten sie nach dem enttäuschenden 1:1 im ersten Gruppenspiel gegen die DR Kongo böse Kommentare aus der Heimat.

Das brachte wiederum die Profis auf die Palme, die den Medien die Schuld an der Aufregung gaben. Deren Pflicht sei es, „Sachverhalte angemessen zu berichten und die Leute richtig zu informieren, anstatt einfach nur eine Geschichte zu konstruieren, die sich gut liest und eine unnötige Unruhe erzeugt, die so gar nicht existiert“, schimpfte Abwehrspieler Ruben Dias. Es sei „biologisch gesehen gut für uns, wenn wir regenerieren. Natürlich nur zum passenden Zeitpunkt.“

Kane & Co. haben Freizeit-Spaß

Wesentlich entspannter geht es bei den Engländern zu. Allerdings müssen Harry Kane & Co. gewisse Regeln einhalten. So musste der Starstürmer vom deutschen Rekordmeister Bayern München einen Ausflug mit einigen Teamkollegen zu einem Konzert der amerikanischen Countrysängerin Ella Langley vorzeitig abbrechen, um nicht zu spät ins WM-Quartier zurückzukehren. 

„Leider haben wir die letzten drei Songs - die besten - verpasst, um rechtzeitig zum Beginn der Ausgangssperre wieder im Hotel zu sein“, berichtete Dan Burn von Newcastle United. Zuvor hatten die „Three Lions“ schon ein Baseball-Spiel der Kansas City Royals besucht. „Großartiger Erholungstag mit den Jungs beim Baseball“, schrieb Kane danach bei X.

Hatten viel Spaß beim Baseball: Englands Trainer Thomas Tuchel und Starstürmer Harry Kane (r). (Archivbild)Charlie Riedel/AP/dpa

Hatten viel Spaß beim Baseball: Englands Trainer Thomas Tuchel und Starstürmer Harry Kane (r). (Archivbild)Charlie Riedel/AP/dpa

© Charlie Riedel/AP/dpa

Generell hoch im Kurs stehen gemeinsame Aktivitäten mit den Angehörigen der Spieler. Das US-Team zelebrierte nach dem siegreichen WM-Start ebenso ein Familien-Grillfest wie Co-Gastgeber Kanada nach dem ersten WM-Sieg der Historie. 

Damit dürfte es spätestens ab der K.-o.-Phase vorbei sein, wenn sich nicht nur der Takt der Spiele erhöht, sondern auch der Druck für die Mannschaften. Die Frage, wie die Stars am besten ihre Freizeit verbringen, stellt sich dann nicht mehr.