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Mitschwimm-Demos gegen Badeverbot in der Spree starten

Mit Mitschwimm-Demos protestiert der Verein Flussbad Berlin gegen das Badeverbot in der Spree. Was die Initiatoren fordern und warum die Umweltverwaltung beim Verbot bleibt.

Von dpa

20.05.2026

Zum Auftakt am Mittwoch lautet die Losung „101 Jahre Badeverbot abwählen!“. (Archivbild) Jens Kalaene/dpa

Zum Auftakt am Mittwoch lautet die Losung „101 Jahre Badeverbot abwählen!“. (Archivbild) Jens Kalaene/dpa

© Jens Kalaene/dpa

Aus Protest gegen das pauschale Badeverbot in der Spree hat der Verein Flussbad Berlin erneut zu einer Reihe von Mitschwimm-Demos aufgerufen. Die erste in diesem Jahr ist für den Nachmittag geplant. Dann sollen Schwimmerinnen und Schwimmer am Schinkelplatz in Berlin-Mitte im Spreekanal ins Wasser steigen, wie der Verein ankündigte. 

Vorgesehen sind jeweils am 20. des Monats insgesamt fünf solcher Mitschwimm-Demonstrationen, mit denen der Verein im Wahlkampf Druck auf die Parteien machen will. Am 20. September ist die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. 

Zum Auftakt am Mittwoch lautet die Losung „101 Jahre Badeverbot abwählen!“. Seit dem 20. Mai 1925 ist Baden in der innerstädtischen Spree nicht mehr erlaubt. Die zunehmende Verschmutzung des Flusses und damit verbundene Gesundheitsgefahren waren damals der Grund dafür. 

Die Umweltverwaltung hat darauf hingewiesen, dass Baden im Spreekanal weiterhin untersagt sei und es keine Ausnahmegenehmigung für Schwimmdemonstrationen gebe. „Wer im Rahmen dieser Veranstaltungen in den Spreekanal steigt, handelt daher rechtswidrig und auf eigenes Risiko“, teilte sie mit.

Verein will eine Pilotbadestelle durchsetzen

Zentrale Ziele des Vereins sind die Aufhebung des pauschalen Badeverbots und die Einrichtung einer Pilotbadestelle im Spreekanal, der möglichst weitere Badestellen folgen sollen. „Die Wasserqualität ist in der Saison in über 80 Prozent der Zeit nachweislich ausreichend gut, um das sichere Baden zu ermöglichen“, argumentiert Vereinsvorstand Jan Edler. 

„Und wir verfügen heute über technische Systeme zur Prognose der aktuellen Wasserqualität.“ Ein entsprechendes Monitoringsystem für den Spreekanal gebe es seit 2023. „Bislang hat die Senatsverwaltung nicht auf unsere Forderungen reagiert“, kritisierte Edler. 

Laut der Badegewässerverordnung ist Baden in der Spree mitten in Berlin komplett verboten. Die Umweltverwaltung sieht aktuell keinen Anlass, das zu ändern oder Ausnahmen zu ermöglichen. Sie weist auf Bedenken des zuständigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) hin. 

Infos zur Wasserqualität gibt es per App 

Wenn es zum Überlaufen der Berliner Mischwasserkanalisation kommt, kann die Spree dadurch verschmutzt und möglicherweise auch mit Krankheitserregern belastet werden. Die Wasserqualität kann sich zum Beispiel nach einem Gewitterregen kurzfristig verschlechtern. 

Edler weist darauf hin, dass der Verein mit den Berliner Wasserbetrieben zusammenarbeite und automatisierte Warnmeldungen erhalte, wenn die Mischwasserkanalisation überläuft. 

Der Verein will es leichter machen, sich über die Wasserqualität zu informieren und stellt entsprechende Daten fürs Smartphone oder Laptop zur Verfügung. Auch Warnhinweise zu kurzfristigen Verschlechterungen der Wasserqualität lassen sich per App abrufen, wie Edler betont. 

Am „Fluss Bad Garten“, der Informationsstelle des Vereins am Spreekanal an der Friedrichsgracht, zeigt eine Fahne an, wie es um die Wasserqualität bestellt ist - Grün signalisiert: alles gut, Rot warnt vor dem Baden. 

Aus Sicht der Umweltverwaltung gibt es aber nicht nur hygienische Bedenken. Sie verweist auch darauf, dass die Verordnung das Baden 100 Meter ober- und unterhalb von Brücken untersagt. Von solchen auf Bundesrecht fußenden Regelungen könne das Land Berlin nicht einfach abweichen.

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