Mehr Waffengewalt in Berlin – AfD fordert mehr Transparenz
Messer- und Schusswaffengewalt bleibt ein zentrales Thema in Berlin. Die AfD wirft dem schwarz-roten Senat mangelnde Transparenz vor und reagiert mit einem Internetangebot. Was bringt das?
Ein Bildschirm zeigt eine von der Berliner AfD-Fraktion vorgestellte Übersicht von Vorfällen mit Messern, die auf der AfD-Webseite abrufbar ist. Michael Brandt/dpa
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Die Berliner AfD macht die steigende Messerkriminalität in der Hauptstadt zum Wahlkampfthema. Die Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker wirft der Koalition von CDU und SPD mangelnde Transparenz im Umgang mit Gewaltstraftaten vor. „Das Unsicherheitsgefühl in der Stadt hat erheblich zugenommen“, erklärte Brinker. Dies stehe im Gegensatz dazu, dass der heutige Regierende Bürgermeister Kai Wegner im Wahlkampf 2023 ein „sicheres Berlin“ versprochen habe.
Mit einer Übersicht der von der Polizei gemeldeten Vorfälle mit Messern will die AfD-Fraktion nach eigenen Worten für mehr Transparenz sorgen. Der schwarz-rote Senat soll so dazu gedrängt werden, mehr Daten zu veröffentlichen - beispielsweise zur Nationalität der Verdächtigen. Berlin gehöre zu den wenigen Ländern, wo dies weiterhin nicht passiere, kritisierte der innenpolitische Sprecher Thorsten Weiß. Nach seinen Angaben gibt es Überlegungen, die Darstellung um den Schusswaffengebrauch und Sexualstraftaten auszuweiten.
Bekannte Zahlen zusammengestellt
Die von der Fraktion als „Messer-App“ angekündigte Übersicht ist auf der Webseite der AfD-Fraktion abrufbar. In der Übersicht sind unter anderem die Anzahl der von der Polizei veröffentlichten Vorfälle der vergangenen 30 Tage sowie die Zahl der dabei Verletzten zu sehen. Es gibt eine interaktive Karte, die zeigt, wo sich die Vorfälle ereigneten.
Zudem wird eine durchschnittliche Zahl der Vorfälle nach der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) genannt. Diese Daten stammen jedoch aus dem Jahr 2025. Der Vergleich beider Zahlen soll aus Sicht der AfD eine große Differenz zwischen den von der Polizei veröffentlichten Einsätzen und den in der PKS erfassten Vorfällen zeigen.
Kritik kam von der Linken-Fraktion: Der AfD gehe es darum, „gezielt Angst in der Bevölkerung zu verstärken und zu instrumentalisieren, um Hass gegen Zugewanderte zu schüren“.
Deutlich mehr Messer- und Schusswaffengewalt
Messergewalt ist in Berlin ein ernsthaftes Problem, das die Sicherheitsbehörden und Politik beschäftigt. 2024 registrierte die Polizei laut Kriminalitätsstatistik 3.412 Messerangriffe. Im vergangenen Jahr wurden nach der Statistik 3.599 Fälle im Bereich „Messerangriff“ registriert (plus 5,5 Prozent). Etwa die Hälfte waren Drohungen. 1.906 Verdächtige ermittelte die Polizei. 86 Prozent waren demnach männlich, 56 Prozent mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit.
Zudem hat der Gebrauch von Schusswaffen stark zugenommen. 2025 erfasste die Polizei 68 Prozent mehr Straftaten, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde. Insgesamt wurden laut Statistik 1.119 Fälle registriert, etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen.
Polizei und Staatsanwaltschaft reagierten mit Sondereinheiten auf die Entwicklung. Zudem hat der Senat drei Waffen- und Messerverbotszonen - Görlitzer Park und Kottbusser Tor in Kreuzberg sowie Leopoldplatz in Wedding - errichtet. Polizei und Senat sehen erste Erfolge.
Die Messerkriminalität sei in diesen drei Zonen um bis zu 45 Prozent zurückgegangen, erklärte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Burkhard Dregger. „Ich plädiere dafür, die Messerverbotszonen regelmäßig zu verlegen oder im Rahmen der personellen Ressourcen der Polizei zahlenmäßig zu erhöhen, um auch andere neuralgische Punkte mit einer erhöhten Messerkriminalität entsprechend zu schützen“, so Dregger weiter.
Thorsten Weiß, innenpolitischer Sprecher der Berliner AfD-Fraktion, und Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker bei einer Pressekonferenz.Michael Brandt/dpa
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