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Reiter über seine Fehler: „Fast nicht ganz bei Sinnen“

Am Wochenende will Dieter Reiter Münchner OB bleiben. Vorher gibt er noch einmal ein großes Interview, um mit seinen Fehlern aufzuräumen - mit bemerkenswerter Wortwahl.

Von dpa

18.03.2026

Reiter war nach eigenen Angaben „fast nicht ganz bei Sinnen“. (Archivbild)Lukas Barth-Tuttas/dpa

Reiter war nach eigenen Angaben „fast nicht ganz bei Sinnen“. (Archivbild)Lukas Barth-Tuttas/dpa

© Lukas Barth-Tuttas/dpa

„Fast nicht ganz bei Sinnen“, „völlig schiefgewickelt“: Kurz vor der Stichwahl um das Amt des Münchner Oberbürgermeisters befasst sich Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) noch einmal mit seinen Fehlern aus der jüngsten Vergangenheit. Dabei findet er deutliche Worte. 

Demzufolge kann er nach eigenen Angaben selbst nicht nachvollziehen, wie er sich in der Affäre um seine Ämter beim FC Bayern verhalten hat. „Ich war da tatsächlich fast nicht ganz bei Sinnen“, sagte er der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Ich war da völlig schiefgewickelt.“ 

Dabei bezog er sich auf eine Sitzung des Münchner Stadtrats, in der seine Berufung in den Aufsichtsrat des Vereines für Diskussionen gesorgt hatte. „Da hätte ich Tabula rasa machen müssen, spätestens da“, sagte Reiter. „Ich hätte ans Rednerpult gehen müssen und sagen, was Sache ist. Das ist mir beileibe nicht gelungen. Wie ich mich da verhalten habe, das war völlig widersprüchlich: Ich wollte das Thema abräumen, aber habe nicht alles auf den Tisch gepackt.“

„Entspanntheit und Arroganz“ nahe beieinander

Er habe gedacht: „Wenn ich das jetzt entspannt rüberbringe, dann passt das schon“, sagte der 67-Jährige. „Dass Entspanntheit und Arroganz in der Außenwirkung natürlich nahe beieinander liegen, das ist mir erst danach klargeworden.“ 

Reiter war wegen seiner Tätigkeit für den FC Bayern und seinem Umgang damit kurz vor der Kommunalwahl massiv in die Kritik geraten, weil er sich diese nicht vom Stadtrat hatte genehmigen lassen. Inzwischen ist er davon und auch von seinem Amt im Aufsichtsrat, in den er erst im Februar aufgerückt war, zurückgetreten. Die 90.000 Euro, die er bislang von den Bayern bekommen hat, will er spenden. 

Bayern-Fan Reiter hat seine Ämter bei dem Verein niedergelegt. (Archivbild)Daniel Löb/dpa

Bayern-Fan Reiter hat seine Ämter bei dem Verein niedergelegt. (Archivbild)Daniel Löb/dpa

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Die Affäre hatte offenbar große Auswirkungen auf die Wahl. Reiter bekam 35,6 Prozent der Stimmen und damit rund zwölf Prozentpunkte weniger als 2020. An diesem Sonntag tritt er gegen den Zweitplatzierten, Dominik Krause von den Grünen, in der Stichwahl an. 

In der Stichwahl treffen Dominik Krause und Dieter Reiter aufeinander. (Archivbild)Felix Hörhager/dpa

In der Stichwahl treffen Dominik Krause und Dieter Reiter aufeinander. (Archivbild)Felix Hörhager/dpa

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„Watsch’n, die’s gebraucht hat“

Diese Entwicklung lässt Reiter auch darüber nachdenken, ob es klug war, den Wahlkampf um das Oberbürgermeisteramt komplett auf seine Person zuzuschneiden. „Es gab im Vorfeld unseres Wahlkampfs gerade viele jüngere Stimmen, die meinten, wir hätten viel mehr auf Themen setzen müssen und deutlich weniger Dieter Reiter auf Plakate packen sollen“, sagte Reiter, der seit zwölf Jahren in München regiert, der „Zeit“. „Gerade wenn Du lange Zeit relativ erfolgreich warst, leidet manchmal die Selbstreflektion. War das die Watsch’n, die’s gebraucht hat? Ja, definitiv.“

Muss Reiter sich einem Disziplinarverfahren stellen? 

Ob Reiter sich wegen der nicht genehmigten Nebentätigkeit für den FC Bayern einem Disziplinarverfahren stellen muss, ist nach Angaben der zuständigen Regierung von Oberbayern noch unklar. Sie wartet nach Angaben eines Sprechers noch auf Reiters Stellungnahme.

„Eine Entscheidung über die Einleitung eines Disziplinarverfahrens ist bislang noch nicht getroffen“, sagte der Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Herr Oberbürgermeister Reiter hat gegenüber der Regierung von Oberbayern angekündigt, zu der Angelegenheit eine Stellungnahme abzugeben, der wir derzeit entgegensehen.“

Ob Reiter, der sich Urlaub für den Wahlkampf genommen hat, die Stellungnahme noch vor der Stichwahl an diesem Sonntag einreichen wird, konnte seine Sprecherin auf Anfrage nicht sagen. Wann über das Disziplinarverfahren entschieden werden kann, ist damit unklar. Bis zur Stichwahl wird es zumindest knapp.

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