WM 2026

Ein Hai als Inspiration: King Kane trägt England

Vor dem Achtelfinale in Mexiko schwärmt das Team von Kanes Vorbildfunktion. Wie Englands Stürmer mit harter Arbeit und Konstanz beeindruckt.

Von Tom Bachmann, dpa

01.07.2026

Harry Kane (l) schoss England ins WM-Achtelfinale.Bradley Collyer/PA Wire/dpa

Harry Kane (l) schoss England ins WM-Achtelfinale.Bradley Collyer/PA Wire/dpa

© Bradley Collyer/PA Wire/dpa

Thomas Tuchel bemühte ein recht martialisches Bild. „Sie sind alles Haie. Wenn sie Blut riechen, dann sind sie da und treffen“, sagte der englische Nationaltrainer. Die Haie, das sind Spieler wie sein Kapitän Harry Kane, der England mit einem späten Doppelpack nach frühem Rückstand binnen elf Minuten nicht nur ins WM-Achtelfinale schoss, sondern auch vor einer Blamage gegen Außenseiter DR Kongo bewahrte.

Kane ist mittlerweile so etwas wie die Lebensversicherung der Three Lions. Nicht nur mit seinen Toren, die er stets in den richtigen Momenten zu erzielen scheint. „Er ist Kapitän, er ist Anführer, er entscheidet Spiele mit seinem unglaublichen Finish“, schwärmte Tuchel nach dem 2:1-Erfolg. 

„Heldenmoment“ von Kane

Zuvor war England mehrfach mit besten Möglichkeiten an Kongos überragendem Torwart Lionel Mpasi gescheitert. Doch Kane war sich stets sicher, „dass einer von uns einen Heldenmoment haben wird und zum Glück war ich das.“ In der Endphase bekam er den Platz, den er für ein Tor brauchte, im Allgemeinen redet man da vom Zentimeterbereich.

Abschluss mit Killerinstinkt: Harry Kane trifft zum 2:1.Jacob Kupferman/AP/dpa

Abschluss mit Killerinstinkt: Harry Kane trifft zum 2:1.Jacob Kupferman/AP/dpa

© Jacob Kupferman/AP/dpa

Das von Kane angeführte England zeigte das, was Deutschland bei dieser WM fehlte. Durchsetzungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit. „Wir haben immer wieder auf diesen Felsen draufgeschlagen, bis er zerbrochen ist“, sagte Anthony Gordon über die Abwehr Kongos. Das lobte auch Tuchel an seinen Spielern: „Sie haben geglaubt, sie haben nicht aufgegeben, sie haben es einfach nicht akzeptiert.“

Großer Nachteil in Mexiko

Der noch viel größere Test der Resilienz dürfte das Achtelfinale in der Nacht zum Montag (02.00 Uhr/MagentaTV) bei Co-Gastgeber Mexiko werden. Einerseits herrscht pure Vorfreude auf das legendäre Aztekenstadion, andererseits ist da auch der Respekt vor den Gegebenheiten. „An die Höhe können wir uns nicht anpassen. Das ist ein gewaltiger Vorteil Mexikos“, sagte Tuchel. Das Stadion liegt auf etwa 2.200 Metern Höhe. England will deshalb so früh wie möglich nach Mexiko reisen.

Für Trainer Thomas Tuchel (vorn) ist Harry Kane der Schlüsselspieler.Nick Potts/PA Wire/dpa

Für Trainer Thomas Tuchel (vorn) ist Harry Kane der Schlüsselspieler.Nick Potts/PA Wire/dpa

© Nick Potts/PA Wire/dpa

Tuchel rechnet mit einer Vielzahl von zu überwindenden Hindernissen. Doch am Ende haben sie halt vorn noch King Kane. „Er ist eine Inspiration für uns alle“, sagte der vor seinem Wechsel nach Barcelona auch vom FC Bayern umworbene Gordon. „Es ist nicht die Tatsache, dass er trifft. Es ist vielmehr die Konstanz, immer und immer wieder da zu sein, wenn es darauf ankommt.“

Bereit für große Momente

Und das ruft Kane nicht nur in den Spielen ab, wie Gordon betonte. „Man sieht es jeden Tag, in einfach jedem Training“, sagte der Flügelspieler. „Da gibt es keine Einheiten, die mal etwas lockerer angegangen werden. Das ist alles richtig harte Arbeit.“

Kane selbst sieht seinen Erfolg als ein Puzzle, das mit jedem Tor sozusagen komplettiert wird. „Es sind die Dinge, die die Leute da draußen nicht sehen, die zählen. Die kleinen Details, die dafür sorgen, dass du Konstanz auf dem höchsten Level erreichen kannst“, sagte der 32-Jährige. Lionel Messi und Cristiano Ronaldo seien darin unangefochten.

Nach dem Spiel gab’s den Belohnungskuss von Ehefrau Katie.Bradley Collyer/PA Wire/dpa

Nach dem Spiel gab’s den Belohnungskuss von Ehefrau Katie.Bradley Collyer/PA Wire/dpa

© Bradley Collyer/PA Wire/dpa

Kane fühle sich so gut wie nie zuvor und wolle immer als gutes Beispiel vorangehen. „Und am Ende, wenn man auf den Platz geht, dann weiß ich, dass mich die ganze Arbeit hinter den Kulissen bereit für die großen Momente gemacht hat“, sagte der Bayern-Stürmer. Vollendet dürfte er sich aber nur fühlen, wenn England am 19. Juli in New York zum zweiten Mal nach 1966 Weltmeister wird.

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