EU stuft Lithiumabbau im Osten als strategisch wichtig ein
Die EU will zehn Prozent ihres Lithiumbedarfs selbst decken. Die Projekte der Unternehmen Neptune Energy in der Altmark und Zinnwald Lithium im Osterzgebirge sollen dabei eine wichtige Rolle spielen.
Das Unternehmen Neptune Energy erprobt in der Altmark die Gewinnung von Lithium aus Thermalwasser in einer Tiefe von bis zu 4.000 Metern. (Archivbild)Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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Die EU-Kommission stuft zwei Bergbauprojekte zur Förderung von Lithium in Sachsen und Sachsen-Anhalt als strategisch wichtige Projekte für kritische Rohstoffe ein. Damit gehören die Projekte des Unternehmens Neptune Energy in Salzwedel und von Zinnwald Lithium in Zinnwald-Georgenfeld zu einer Gruppe von 46 neuen Projekten in 16 EU-Mitgliedsstaaten, die künftig besonders vorangetrieben werden sollen. Acht der Projekte sind in Deutschland. Insgesamt hatte es 171 Bewerber gegeben, sagte EU-Kommissar Stéphane Séjourné bei der Vorstellung der Auswahl in Brüssel.
Rohstoffe für Batterien, Energiespeicher und Elektromobilität
Die 46 ausgewählten Projekte sollen unter anderem von beschleunigten Genehmigungsverfahren sowie einem verbesserten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten profitieren. Ziel sei eine „echte Wertschöpfungskette von der Mine bis zum Recycling“. Bis 2030 wolle die Europäische Union zehn Prozent ihres Rohstoffbedarfs über eigene Abbauprojekte abdecken. Beim Lithiumabbau sieht er dieses Ziel demnach absehbar erreicht. Nach einer ersten Entscheidung zu einer Auswahl kritischer Projekte im vergangenen Jahr hat sich die EU nun auf insgesamt 93 solcher strategischen Projekte unter dem sogenannten „Critical Raw Materials Act“ festgelegt.
Unternehmen wollen Lithium aus Tiefenwasser und Gestein fördern
Das Unternehmen Zinnwald Lithium plant den Abbau von Lithium aus Festgestein unterhalb von Zinnwald-Georgenfeld unmittelbar an der Grenze zu Tschechien, wo ein Lithium-Projekt zum Abbau desselben Erzkörpers auf tschechischer Seite den EU-Status als kritisches Projekt bereits bekommen hat. Bislang war von einem jährlichen Abbauvolumen von bis zu 1,5 Millionen Tonnen Lithium-Erz in Sachsen die Rede. In diesem Jahr war die Muttergesellschaft Zinnwald Lithium Plc vollständig vom niederländischen AMG Lithium-Konzern übernommen worden. In Bitterfeld-Wolfen hat AMG Lithium zudem Europas erste Lithiumhydroxid-Raffinerie in Betrieb genommen.
Das Unternehmen Zinnwald Lithium plant den Abbau von Lithium aus Festgestein unterhalb von Zinnwald-Georgenfeld unmittelbar an der Grenze zu Tschechien. (Archivbild)Sebastian Kahnert/dpa
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Neptune Energy erprobt in der Altmark die Gewinnung von Lithium aus Thermalwasser in einer Tiefe von bis zu 4.000 Metern. Eine entsprechende Pilotanlage zur Erforschung des Verfahrens betreibt das Unternehmen in Salzwedel. Später soll das Lithium im industriellen Maßstab in der Altmark gefördert werden. Das Lithium sei in großer Tiefe in dem Thermalwasser gelöst, das sich in feinen Poren im Gestein verteile. Durch Bohrungen und ein spezielles Adsorptionsverfahren soll der Rohstoff aus dem Wasser gewonnen werden.
Vorkommen in der Altmark gilt als eines der bedeutendsten weltweit
Der Status als strategisches Projekt bestätige das Potenzial der Altmark für die europäische Rohstoffsicherheit, sagte der Geschäftsführer von Neptune Energy, Andreas Scheck. „Europa braucht eigene, verlässliche und nachhaltige Quellen für kritische Rohstoffe sowie den Aufbau nachgelagerter Wertschöpfungsketten.“ Das Lithium-Projekt in der Altmark könne dabei eine wichtige Rolle spielen. Lithium ist ein zentraler Rohstoff für Batterien, Energiespeicher und die Elektromobilität. Nach Unternehmensangaben zählt das Vorkommen in der Altmark zu den bedeutendsten bekannten Lithium-Solevorkommen weltweit.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) sagte angesichts der EU-Einstufung für das Abbauvorhaben in Zinnwald: „Heute ist ein guter Tag für das Erzgebirge, für Sachsen und für die gesamte Rohstoffversorgung Europas.“ Das Zinnwald-Projekt sei ein wichtiger Baustein der sächsischen Rohstoffstrategie und ein Beitrag zu mehr technologischer Souveränität in Europa.
Bürgerinitiativen sehen Abbauvorhaben kritisch
Bürgerinitiativen in Altmark und Erzgebirge warnen vor den Umweltauswirkungen der Abbauvorhaben und sehen die Projekte kritisch. Zusätzliche Fördermittel sind mit der Einstufung als strategisches EU-Projekt nicht verbunden. Für die Unternehmen bedeutet der Status vor allem die Aussicht auf schnellere Genehmigungsverfahren und damit auch einfacheren Zugang zu Kapital. Je nach Projektart soll die Verfahrensdauer künftig auf maximal 27 Monate eingedampft werden, teilt die EU-Kommission mit. Bisher könne das Verfahren bis zu zehn Jahre dauern.
Sachsens oberste Bergbaubehörde, das Oberbergamt in Freiberg, hatte zuletzt erklärt, der EU-Status bedeute zusätzliche Personalkapazitäten bei der Bearbeitung der Sache, nicht aber weniger strenge Regularien.