Tödliche Hitze: Bislang mehr als 3.600 Menschen gestorben
In Baden-Württemberg sollen bislang mehr als 3.600 Menschen durch Hitze gestorben sein – mehr als in jedem anderen Bundesland. Welche Gruppe besonders betroffen ist und wie die Zahlen zusammenkommen.
Jeder zweite Hitzetote starb nach den Zahlen des RKI zwischen Mitte Juli und Mitte August. (Symbolbild) Thomas Warnack/dpa
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Die teils extreme Hitze dieses Sommers hat in Baden-Württemberg mehr Menschen das Leben gekostet als in jedem anderen Bundesland: Einschließlich der extremen Hitzewelle Ende Juni und Anfang August geht das Robert Koch-Institut (RKI) von mehr als 3.600 hitzebedingten Sterbefällen allein im Südwesten aus. Damit kommen in Baden-Württemberg im laufenden Jahr 32 hitzebedingte Todesfälle auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Besonders ältere Menschen sind betroffen.
Jeder zweite Hitzetote starb nach den Zahlen des RKI seit Mitte Juli, als die Temperaturen vor allem in den ersten zwei Augustwochen noch einmal besonders gestiegen sind. Laut RKI lag die Zahl der Hitzetoten bis zum 19. Juli noch bei 1870 Menschen, sie hat sich seither verdoppelt. Der Bericht betrachtet den Zeitraum vom 6. April bis zum 16. August.
Höchstwert der vergangenen mindestens zehn Jahre
Dieses Jahr sind damit wesentlich mehr Menschen in Baden-Württemberg an Hitze gestorben als in den vergangenen mindestens zehn Jahren. Im ebenfalls sehr heißen und trockenen Jahr 2018 verzeichnete das RKI im Südwesten 1.460 Hitzetote, ein Jahr später wurde ihre Zahl auf 1.160 geschätzt.
Die Zahlen zu den vergangenen Jahren variieren im Vergleich zu früheren RKI-Angaben. Laut einer Sprecherin liegt das daran, dass die Schätzungen jeden Monat neu berechnet werden - auch jene für die vergangenen Jahre.
Mehr als jeder fünfte Hitzetote in Baden-Württemberg
Im Vergleich etwa zum Norden Deutschlands herrschen im Südwesten oft höhere Temperaturen. Deshalb sind in Baden-Württemberg in diesem Sommer überproportional mehr Menschen an den Folgen extremer Hitze gestorben als in manch anderem Bundesland.
Laut RKI wurde mehr als jeder fünfte der bundesweit geschätzt 15.800 Sterbefälle (22,8 Prozent) im Südwesten registriert. Der Anteil der baden-württembergischen Bevölkerung an allen Menschen in Deutschland beträgt aber gerade einmal gut 13 Prozent. Gemessen an der Bevölkerung gab es dieses Jahr aber besonders viele Hitzetote im Saarland und in Rheinland-Pfalz, wie der RKI-Bericht zeigt.
Die Zahl der Sterbefälle könnte noch höher liegen
Laut RKI handelt es sich um konservative Schätzungen. Die Gesamtzahl der diesjährigen Hitzetoten könnte daher sogar noch höher liegen. Der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, hatte kürzlich erklärt, viele Fälle würden nicht als hitzebedingt erfasst, weil auf Totenscheinen etwa Organversagen stehe.
In einigen Fällen, zum Beispiel beim Hitzeschlag, führt die Hitzeeinwirkung laut RKI unmittelbar zum Tod. In den meisten Fällen aber sterben die Betroffenen demnach an einer Kombination aus Hitze und bereits bestehenden Vorerkrankungen.
Vor allem hochbetagte Menschen starben
Von den diesjährigen Hitzetoten entfallen bundesweit laut RKI mehr als die Hälfte auf die Altersgruppe ab 85 Jahren. Insgesamt starben mehr Frauen als Männer infolge der Hitze. Das liege allerdings daran, dass der Frauenanteil bei alten Menschen höher sei.
Das RKI berechnet die Zahlen auf Basis der Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes. Zudem fließen Daten von bundesweit 52 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in die Kalkulation ein.
Dem RKI zufolge wird typischerweise ab einer Wochenmitteltemperatur von 20 Grad, also dem Durchschnitt der Tages- und Nachttemperaturen einer Woche, ein hitzebedingter Anstieg der Sterblichkeit sichtbar.
Laut RKI wurde mehr als jeder fünfte der bundesweit geschätzt 15.800 Sterbefälle im Südwesten registriert.(Symbolbild)Thomas Warnack/dpa
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