65 Jahre nach dem Mauerbau - Berlins Mann fürs Erinnern
Frank Ebert will nicht, dass vergessen wird, wie Menschen in der DDR verfolgt und unterdrückt wurden. Erinnern an die Zeit vor dem Mauerfall gehört zu seinem Job. Es geht ihm aber auch ums Mutmachen.
Berlins Senatsbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Frank Ebert, will, dass die Geschichte der DDR nicht in Vergessenheit gerät. (Archivbild)Carsten Koall/dpa
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Als die Mauer 1961 gebaut wurde, war Frank Ebert noch nicht geboren. Als er in Ost-Berlin aufwuchs, teilte sie noch immer die Stadt. Schon in der Schule lehnte er sich gegen die staatliche Bevormundung auf und war später Teil der Opposition in der DDR. Beim Mauerfall war er ein junger Mann. Und heute? Heute ist Ebert der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Er will, dass nicht vergessen wird, wie es war, als die Mauer noch stand.
Ebert ist in dieser Funktion für die Beratung von Stasi-Opfern zuständig und gibt ihren Anliegen auch im Landesparlament eine Stimme. Gleichzeitig beschäftigt er sich mit der Geschichte der DDR und nicht zuletzt des Ministeriums für Staatssicherheit.
Jährlich stellt er im Abgeordnetenhaus seinen Tätigkeitsbericht vor und macht darauf aufmerksam, was aus seiner Sicht noch nicht so läuft, wie es sollte. Erst Anfang Juli kritisierte er in seinem jüngsten Bericht, dass Berliner Behörden die Anliegen politisch verfolgter DDR-Bürger zum Teil jahrelang ignorierten und Anträge auf Opferrenten unbearbeitet liegenblieben.
Ebert veröffentlicht darüber hinaus Texte zur Geschichte der Opposition in der DDR, nicht nur der Bürgerbewegung, der er selbst angehört hat. Er will, dass diese Themen eine möglichst breite Öffentlichkeit bekommen, statt nur in Fachkreisen diskutiert zu werden.
Berlin soll eine Freiheitsausstellung bekommen
„Für mich ist die Aufarbeitung der SED-Diktatur eine bleibende Aufgabe“, sagt er. Er macht sich deshalb für das „Forum Opposition und Widerstand 1945 - 1990“ als zentralem Erinnerungsort auf dem ehemaligen Gelände der Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg stark. Und Ebert setzt sich für eine Freiheitsausstellung zur Geschichte der Friedlichen Revolution im Humboldt Forum ein.
„Ich will deutlich machen, dass man Erfolg haben kann, wenn man etwas gegen Diktaturen unternimmt“, betont er. Die Ausstellung sei für ihn ein Ort des Mutmachens - auch mit Blick auf diejenigen, die heute in Diktaturen leben. „Ob das in Venezuela ist oder im Iran.“
Für den Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Frank Ebert, ist Erinnern an das Unrecht in der Vergangenheit eine bleibende Aufgabe. (Archivbild) Carsten Koall/dpa
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Es geht ihm ausdrücklich nicht nur um die Vergangenheit, sondern um die Gesellschaft von heute. „Ich möchte, dass man den Menschen den Wert von Freiheit wieder näher bringt.“ Der drohe immer wieder in Vergessenheit zu geraten.
Der gebürtige Hallenser ist inzwischen 56. Seit 1981 lebt er in Berlin. „Bleibe im Lande und wehre dich täglich“, lautete in der DDR sein Leitspruch - nicht wegducken bedeutete das, nicht alles runterschlucken, auch wenn das Konsequenzen haben konnte.
Ebert verweigerte 1987 den Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee (NVA). Seit dem Jahr darauf arbeitete er in der Umweltbibliothek Berlin im Gemeindehaus der Zionskirche mit, in dem sich Oppositionelle trafen, denen nicht zuletzt Friedens- und Umweltthemen wichtig waren.
Proteste gegen den Wahlbetrug 1989
Im Wendejahr 1989 wurde Ebert nach Protesten gegen den Wahlbetrug bei der Kommunalwahl im Mai mehrfach verhaftet. Im Oktober war er Mitorganisator einer Mahnwache an der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg, die für die DDR-Opposition zu einem wichtigen Anlaufpunkt wurde. Im September 1990 beteiligte er sich an der zweiten Besetzung der Stasi-Zentrale, die vor allem das Ziel hatte, die Vernichtung der Stasi-Akten zu verhindern.
Seit 1991 baute Ebert das Matthias-Domaschk-Archiv auf und überführte es 1993 in die Robert-Havemann-Gesellschaft. Es war der Grundstock für das heutige Archiv der DDR-Opposition. Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ist er seit März 2023.
Sein Anliegen ist, auch dem Schönfärben der Geschichte vorzubeugen. „Man sollte nicht vergessen, es waren nicht alles Oppositionelle in der DDR, das waren die Wenigsten“, erklärt Ebert. „Aber es ist auch nur eine kleine Minderheit, die die DDR wiederhaben will oder sagt, da war alles besser.“