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BVB startet ohne konkretes Ziel - Ricken erwartet Transfers

Viel U19, kaum Stars: Der BVB startet mit Lücken im Kader und ohne klare Saisonvorgabe. Der Sportchef spricht von beweglichen Zielen und verspricht spannende Transfers – doch wer kommt wirklich?

Von Carsten Lappe, dpa

14.07.2026

Niko Kovac bat am Dienstag zum Trainingsauftakt in Dortmund. Bernd Thissen/dpa

Niko Kovac bat am Dienstag zum Trainingsauftakt in Dortmund. Bernd Thissen/dpa

© Bernd Thissen/dpa

Ambitioniert, aber unfertig: Borussia Dortmund ist mit noch einigen Fragezeichen in die Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison gestartet. Aufgefüllt mit U19-Spielern und noch ohne etliche WM-Fahrer oder verletzte Leistungsträger bat Fußballtrainer Niko Kovac am Dienstag bei 30 Grad nach zwei Tagen Leistungsdiagnostik zur ersten Einheit nach der WM-bedingten langen Pause.

„Ich spüre bei allen eine große Vorfreude. Es waren für alle sieben, acht Wochen Pause. Daran sollte man sich nicht gewöhnen. Das werden sie nicht mehr haben. Endlich geht’s los“, mahnte BVB-Sportchef Lars Ricken und kündigte an: „Natürlich wollen wir jetzt auch den nächsten Schritt machen“ - ohne „direkt die Meisterschaft auszurufen“.

Ricken ein Freund von „beweglichen Zielen“

Was das konkret bedeutet, konnte oder wollte der gerade 50 Jahre alt gewordene Geschäftsführer nicht verraten. „Ich bin ein Freund von beweglichen Zielen. Wir haben heute das erste Training und es sind auch beileibe noch nicht alle da“, merkte Ricken an. „Die Ziele werden wir mit der Mannschaft zusammen besprechen.“

Die Dortmunder Verantwortlichen wollen einen Kader, der besser und stärker ist als in der Vorsaison. Bernd Thissen/dpa

Die Dortmunder Verantwortlichen wollen einen Kader, der besser und stärker ist als in der Vorsaison. Bernd Thissen/dpa

© Bernd Thissen/dpa

Zuvor hatte sich bereits BVB-Boss Carsten Cramer bemüht, einerseits so ambitioniert wie möglich und dabei wenig konkret zu sein. „Immer, immer, immer, immer besser zu werden. Wir haben gesehen, was wir können, sicherlich aber auch noch nicht alle unsere Potenziale gehoben, das sehen wir ganz selbstkritisch“, hatte Cramer im „Kicker“ gesagt: „Also gehen wir die Saison an, ohne schon einen Tabellenplatz auszugeben.“

Adeyemi-Wechsel könnte andere Transfers beschleunigen

Das Problem für alle Beteiligten ist der unfertige Kader. Der neue Sportdirektor Ole Book hatte gehofft, zum Trainingsauftakt noch zwei gestandene Offensivakteure präsentieren zu können. Bisher wurden für zusammen rund elf Millionen Euro die Perspektivspieler Kaua Prates (18) aus Brasilien und Justin Lerma (18) aus Ecuador sowie für knapp 20 Millionen Euro Innenverteidiger Joane Gadou (19) von RB Salzburg verpflichtet. „Wir nehmen uns die Zeit, um am Ende die Spieler zu verpflichten, die uns dann auch verbessern“, sagte Ricken dazu.

Laut übereinstimmenden Medienberichten sind die Dortmunder am ebenfalls erst 18 Jahre alten Konstantinos Karetsas von KRC Genk in Belgien dran. Das Offensivtalent könnte Julian Brandt ersetzen, der noch keinen neuen Verein gefunden hat. Womöglich würde die Finalisierung des angestrebten Verkaufs von Karim Adeyemi zum FC Barcelona die Transferaktivitäten des BVB beschleunigen. Adeyemi, der ebenso wie Kjell Wätjen (zum FC Midtylland) schon nicht mehr zum Trainingsauftakt kommen musste, soll den Dortmundern gut 20 Millionen Euro plus Boni einbringen.

Ricken will „Kader, der besser und stärker ist“

Über die Abgänge Brandt, Niklas Süle und Adeyemi sagte Ricken, dass sie in der letzten Saison „am Ende dann auch nicht mehr die Unterschiedsspieler“ waren. Der Druck liegt nun bei Book, neue Unterschiedsspieler zu finden. „Wir wollen ein, zwei, drei wirklich gute Transfers machen. Wir wollen aber die richtigen Transfers machen. Und nicht irgendwelche Transfers, wo wir mal kurzfristig Applaus kriegen und im November haben wir auf einmal das Problem: Waren das wirklich die richtigen?“, befand Ricken. „Ich bin überzeugt davon, dass uns das bis zum Ende der Transferperiode gelingen wird, einen Kader zu haben, der besser und stärker ist als letzte Saison.“

BVB-Sportchef Lars Ricken erwartet noch namhafte Neuzugänge.Bernd Thissen/dpa

BVB-Sportchef Lars Ricken erwartet noch namhafte Neuzugänge.Bernd Thissen/dpa

© Bernd Thissen/dpa

Gleichzeitig gab es auch eine Ricken-Ansage an die in der vergangenen Saison verpflichteten Jobe Bellingham, Carney Chukwuemeka und Fábio Silva und eine klare Forderung: „Ich glaube, die werden besser und das ist auch unsere Erwartung, dass die auch den nächsten Schritt machen.“

Trainer Kovac steht vor der bei einem Spitzenclub normalen Herausforderung, die Leistungsträger nach der WM zu unterschiedlichen Zeitpunkten integrieren zu müssen. Die deutschen Nationalspieler sollen bis auf den schwer am Sprunggelenk verletzten Nico Schlotterbeck zur Asienreise (26. Juli bis 2. August) wieder einsteigen. Die gerade erst mit der Schweiz und Norwegen ausgeschiedenen Gregor Kobel und Julian Ryerson stoßen danach dazu.

Schlotterbeck-Comeback frühestens im Herbst

Wann Schlotterbeck wieder fit ist, ist noch unklar. „Das wird noch ein paar Wochen dauern. Das muss man ehrlicherweise sagen“, meinte Ricken. Ob es vor oder nach der ersten Länderspielpause passieren werde, hänge vom Heilungsverlauf ab. Das wäre dann frühestens im September und womöglich erst im Oktober. Bei Kapitän Emre Can wird es nach dessen Kreuzbandriss noch länger dauern.

Neben den offenen Fragen zum Kader dürfte die Dortmunder auch die Zukunft von Kovac und BVB-Boss Cramer beschäftigen. Bei beiden läuft der Vertrag im kommenden Sommer aus. Bei beiden läuft aktuell wohl alles in Richtung einer Verlängerung. „Da wächst wirklich ein tolles Team zusammen“, sagte Ricken im Hinblick auf Cramer, Kovac und Sportdirektor Book. „Das ist eine Gemeinschaft.“

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