Tillys Karnevalskunst im EU-Parlament - drei Wagen fehlen
Während in Russland ein Prozess gegen den Düsseldorfer Künstler Tilly läuft, werden seine Werke in Brüssel ausgestellt - allerdings nicht alle.
Unter anderem wegen Beleidigung von Kremlchef Wladimir Putin läuft in Russland ein umstrittenes Strafverfahren gegen Tilly. (Archivbild)Federico Gambarini/dpa
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Der Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly zeigt seine Werke im Europaparlament in Brüssel. Unter dem Motto „Gegen Machtmissbrauch mit Humor - Jacques Tillys Arbeiten im Düsseldorfer Karneval“ eröffnete der Bildhauer gemeinsam mit der FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine mehrtägige Ausstellung mit Fotos sowie Miniatur-Ausführungen seiner politischen Karnevalswagen.
Drei Wagen Tillys sind allerdings anders als geplant nicht zu sehen: Konservative Mitglieder des Parlamentspräsidiums lehnten Fotos von Karnevalswagen ab, auf denen der inzwischen verstorbene rechtspopulistischen Regierungschef Italiens, Silvio Berlusconi, Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini und der polnische PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski zu sehen sind.
In Russland läuft Verfahren gegen Tilly
Unter anderem wegen Beleidigung der russischen Staatsorgane läuft in Russland ein umstrittenes Strafverfahren gegen Tilly. Der Künstler hatte Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug mit Karikaturen von Kremlchef Wladimir Putin gebaut. Laut Gericht muss sich Tilly nun wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane verantworten, dazu gehört neben der russischen Armee auch Präsident Putin. Der Prozess soll am 16. März fortgesetzt werden. Bei einer Verurteilung drohen Tilly eine Geldstrafe oder bis zu zehn Jahre Haft.
Tilly sagte in Brüssel, am Anfang des Prozesses sei er etwas beunruhigt gewesen, mittlerweile aber sehe er das viel gelassener. Die Anklage zeige auch die Schwäche und die Angst eines „autokratischen Regimes“, das Angst davor habe, infrage gestellt und kritisiert zu werden. „Pappfiguren vor den Kadi zu zerren, ist einfach so was von, wie soll ich sagen, unsouverän“, so Tilly.
Rechtskonservative kritisieren
Die rechtskonservative EKR-Fraktion im Europaparlament kritisierte die Ausstellung der „umstrittenen Werke“. Strack-Zimmermann habe in ihrer Funktion als Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung des Europaparlaments mangelndes institutionelles Urteilsvermögen und fehlende Sensibilität gezeigt, schreiben die Vorsitzenden in einer Mitteilung. „Die Ausstellung zeigt unter anderem Darstellungen, die Donald Trump mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gleichsetzen, Vergleiche mit totalitären Figuren ziehen und den Präsidenten der Vereinigten Staaten in explizit obszöner und erniedrigender, sexualisierter Weise darstellen. Zudem enthält sie Motive, die von vielen als religiös verletzend empfunden werden könnten.“