Politik Inland

Netanjahu nimmt Trumps Einladung zum „Friedensrat“ an

Israels Ministerpräsident hatte sich über die personelle Besetzung eines Aufsichtsgremiums für den Gazastreifen durch das Weiße Haus geärgert. Doch die Einladung zum „Friedensrat“ schlägt er nicht ab.

Von dpa

21.01.2026

Israels Regierungschef will Trumps „Friedensrat“ für den Gazastreifen beitreten. (Archivbild)Alex Brandon/AP/dpa

Israels Regierungschef will Trumps „Friedensrat“ für den Gazastreifen beitreten. (Archivbild)Alex Brandon/AP/dpa

© Alex Brandon/AP/dpa

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Einladung von US-Präsident Donald Trump zur Teilnahme am sogenannten „Friedensrat“ angenommen. Das gab sein Büro auf der Plattform X bekannt. Der „Friedensrat“ ist Teil der kürzlich von den USA eingeleiteten zweiten Phase von Trumps Friedensplan zur Beendigung des Gaza-Kriegs und soll eigentlich die Nachkriegs-Ordnung im Küstenstreifen überwachen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass die US-Regierung das Mandat des Rats stark erweitern möchte und sich der „Friedensrat“ um Krisen und Konflikte weltweit kümmern soll. In einer sogenannten „Charta“ des Gremiums kommt das Wort Gaza etwa gar nicht vor.

Insgesamt 60 Staaten sollen Einladungen für den „Friedensrat“ erhalten haben. Zugesagt haben bislang nur wenige - neben Israel unter anderem Ungarn, Argentinien, die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE), Vietnam und Belarus. Eingeladen ist auch der russische Präsident Wladimir Putin.

Die Skepsis der meisten europäischen Politiker ist groß, nur offen aussprechen will dies kaum jemand. Aus dem Umfeld des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hieß es jüngst, zum jetzigen Zeitpunkt habe Frankreich nicht vor, eine positive Rückmeldung zu geben. Die USA drohten dem Land daraufhin mit Zöllen von 200 Prozent auf Wein und Champagner. Auch eine deutsche Zustimmung zu der Charta in ihrer jetzigen Form gilt als unwahrscheinlich. Norwegen und Schweden erklärten laut Medien, den Text in seiner aktuellen Form nicht unterzeichnen zu wollen. Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson sagte dem Sender SVT, eine offizielle Antwort Schwedens stehe noch aus.

Kritiker sehen Konkurrenz zu den Vereinten Nationen 

Ungeachtet zurückhaltender Rückmeldungen europäischer Verbündeter plant US-Präsident Trump für diesen Donnerstag eine Ankündigung zu seinem „Friedensrat“. Medienberichten zufolge will er dann die sogenannte „Charta des Friedensrates“ unterzeichnen. Das dürfte am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos stattfinden. Dort wird Trump heute zu einer Rede vor internationalem Publikum erwartet. 

Kritiker sprechen davon, dass es Trump darum gehen könnte, eine Konkurrenz zu den Vereinten Nationen zu schaffen, die er immer wieder als dysfunktional kritisiert. So könnten einige Formulierungen als Alternative zur gültigen UN-Charta gelesen werden. So heißt es im ersten Kapitel der Charta des „Friedensrates“: „Der Friedensrat ist eine internationale Organisation, die sich für Stabilität, die Wiederherstellung verlässlicher und rechtmäßiger Regierungsführung sowie die Sicherung dauerhaften Friedens in von Konflikten betroffenen oder bedrohten Gebieten einsetzt.“ 

Das Gremium ist vollständig auf Trump zugeschnitten. Mitglied kann nur werden, wer von ihm, dem Vorsitzenden, eingeladen wird. Es gibt keine Bindung an seine Amtszeit als US-Präsident. 

Israel verärgert über Besetzung eines Gaza-Aufsichtsgremiums 

Israel hatte sich unterdes kürzlich wegen der Besetzung eines wichtigen internationalen Aufsichtsgremiums für den Gazastreifen durch das Weiße Haus verärgert gezeigt. Die Ankündigung über die Zusammensetzung des sogenannten „Gaza Executive Board“, der dem „Friedensrat“ unterstellt ist, sei „nicht mit Israel abgestimmt und widerspricht dessen Politik“, hieß es in einer Stellungnahme des Büros von Netanjahu.

Netanjahu stößt sich offensichtlich daran, dass dem Gremium der türkische Außenminister Hakan Fidan und der ranghohe katarische Diplomat Ali Thawadi angehören. Die Türkei und Katar hatten Israels Krieg im Gazastreifen gegen die islamistische Palästinenserorganisation Hamas scharf kritisiert. Katar und die Türkei spielen in der Region unter anderem eine zentrale Rolle als Unterstützer islamistischer Bewegungen wie der Muslimbruderschaft und der Hamas.

Die kürzlich eingeleitete zweite Phase des US-Friedensplans soll ein dauerhaftes Ende des Gaza-Kriegs bringen. Vorgesehen ist auch die Entwaffnung der Hamas, was die Terrororganisation jedoch bislang ablehnt. Kürzlich wurde im Rahmen der zweiten Phase des Abkommens auch eine Übergangsregierung aus 14 palästinensischen Technokraten, die keine Verbindung zur Hamas haben sollen, gebildet. Sie sollen den im Krieg weitgehend zerstörten Küstenstreifen künftig verwalten. Der „Friedensrat“ wiederum soll diese neue Übergangsregierung beaufsichtigen.

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