Politik Inland

Interesse an Studienaufenthalten in USA sinkt - Neue Chancen

Seit einem Jahr regiert Trump wieder im Weißen Haus. Das hat negative Auswirkungen auf Hessens Hochschulen. Doch es könnte auch positive Folgen geben.

Von Jens Albes, dpa

04.01.2026

Die US-amerikanische Hochschulpolitik führt auch zu Kundgebungen wie hier im kalifornischen Berkeley. (Archivbild)Godofredo A. Vásquez/AP/dpa

Die US-amerikanische Hochschulpolitik führt auch zu Kundgebungen wie hier im kalifornischen Berkeley. (Archivbild)Godofredo A. Vásquez/AP/dpa

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Rechtsruck, Projektstopps, Einsparungen, Entlassungen - die Einschnitte an US-Universitäten während der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump haben auch Auswirkungen auf Hessens Hochschulen. Ihre Zusammenarbeit mit US-Unis gerät teils unter Druck, Unsicherheiten wachsen, das Interesse an USA-Studienaufenthalten sinkt, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ein Jahr nach Trumps neuem Amtsantritt zeigt.

Dabei stuft Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) die internationale Zusammenarbeit gerade zwischen Europa und Amerika „in Zeiten angespannter Geopolitik“ als wichtig ein. Die USA und Hessen hätten 135 Hochschulkooperationen. „Allein mit unserem Partnerbundesstaat Wisconsin existieren 40 Kooperationsvereinbarungen“, teilt Gremmels der dpa mit. Diese Beziehungen gelte es weiter zu stärken. „Wir haben globale Probleme zu lösen, das werden wir nur schaffen, wenn wir global exzellente Forschung vernetzen. Wissenschaft lebt von Freiheit und von Kooperation“, betont der Minister.

Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) betont den Wert von Freiheit und Kooperation in der internationalen Wissenschaft. (Archivbild)Arne Dedert/dpa

Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) betont den Wert von Freiheit und Kooperation in der internationalen Wissenschaft. (Archivbild)Arne Dedert/dpa

© Arne Dedert/dpa

Zum gesunkenen Interesse an US-Studienaufenthalten im Rahmen von Hessens entsprechenden Landesprogrammen mit Amerika erklärt das Wissenschaftsministerium in Wiesbaden: „Diese Entwicklung hatte sich bereits seit Herbst 2024 und erneut seit Sommer 2025 abgezeichnet.“

Für das akademische Jahr 2026/27 hätten sich gut ein Drittel weniger hessische Studentinnen und Studenten um einen Studienaufenthalt in den US-Staaten Wisconsin und Massachusetts beworben als in der Bewerbungsrunde ein Jahr zuvor. Trump regiert seit Januar 2025 erneut in Washington.

Weniger Stipendien

Als Gründe für das gesunkene Interesse würden von den Hochschulen „neben den hohen Lebenshaltungskosten in den USA die politische Lage angeführt sowie Unsicherheiten insbesondere bei Studierenden mit Migrationshintergrund“, erklärt das hessische Wissenschaftsministerium.

Allerdings sei das Interesse an Studienaufenthalten im außereuropäischen Ausland insgesamt rückläufig, also auch etwa in China und Teilen Lateinamerikas. Zusammenhängen kann dies laut dem Ministerium ebenso mit einem sinkenden Angebot deutscher Stipendien.

Uni Frankfurt: Zahl der US-Austauschplätze übersteigt Bewerberzahl

Die Goethe-Universität Frankfurt teilt mit: „Erstmals haben wir bei der ersten Ausschreibung unserer US-Austauschplätze weniger Bewerbungen als Plätze erhalten und müssen daher eine zweite Ausschreibungsrunde ausloben.“

Auch die Frankfurter Goethe-Universität berichtet von weniger Bewerbungen für ihre US-Austauschplätze. (Archivbild)Arne Dedert/dpa

Auch die Frankfurter Goethe-Universität berichtet von weniger Bewerbungen für ihre US-Austauschplätze. (Archivbild)Arne Dedert/dpa

© Arne Dedert/dpa

Der Universität Gießen zufolge kommen in Beratungen von Studierenden mit Interesse an einem USA-Studienaufenthalt Unsicherheiten deutlich zur Sprache – „im Hinblick auf die politische Lage, Visavergabe und Einreisebestimmungen“ und eben vor allem von Studenten mit ausländischen Wurzeln.

Alle Studierende der Justus-Liebig-Universität Gießen mit einem Start im Herbst 2025 zu einem US-Auslandsaufenthalt hätten indessen ihr Visum erhalten. „Bei der Beantragung kam es aufgrund der zeitweise ausgesetzten Visavergabe im Sommer 2025 allerdings teilweise zu zeitlichen Verzögerungen“, ergänzt die Hochschule.

Schleppende Visumvergabe

Auch die Universität Kassel berichtet von einer teils schleppenden Visumvergabe in den vergangenen Monaten. Zudem sei die Frage der Finanzierung eines USA-Studienaufenthalts für hiesige Interessenten „sehr relevant“.

Zugleich sei die Zusammenarbeit mit den US-Partneruniversitäten „nach wie vor eng und vertrauensvoll. Auch die Betreuung unserer Studierenden vor Ort ist weiterhin sehr gut“, teilt die Uni Kassel mit. Andere hessischen Hochschulen äußern sich ähnlich - und bestätigen das gesunkene Interesse an USA-Studienaufenthalten.

Die Weltmacht USA zieht in ihren Bundesstaaten Wisconsin und Massachusetts weniger hessische Studierende an. (Symbolbild) Martin Schutt/dpa

Die Weltmacht USA zieht in ihren Bundesstaaten Wisconsin und Massachusetts weniger hessische Studierende an. (Symbolbild) Martin Schutt/dpa

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Die Philipps-Universität Marburg weist neben der stockenden Visavergabe auch auf eine von den USA angekündigte Prüfung persönlicher Profile in den sozialen Medien hin. Gleichwohl hätten ihre Austauschstudenten nicht von Problemen bei der Einreise in die Vereinigten Staaten von Amerika berichtet.

Die Technische Universität (TU) Darmstadt nennt mit Blick auf die USA auch Schwierigkeiten für Forscherinnen und Forscher, die längst einen Studienabschluss in der Tasche haben: „Durch die Restriktionen bei der Visavergabe sind auch Reisen für einige der Mitarbeitenden der TU vorerst nicht mehr möglich beziehungsweise mit sehr großer Unsicherheit verbunden.“

Negative Folgen des Shutdowns 

Da viele Spitzenkonferenzen weiterhin in den USA stattfänden, „reduziert dies die Sichtbarkeit der Forschung und Forschenden der TU“. Obendrein sind laut der TU Darmstadt wegen des Shutdowns, also der wochenlangen Schließung der US-Bundesbehörden im Herbst 2025, universitäre Veranstaltungen mangels bundesstaatlicher Mitteln ausgefallen. „Solche Unsicherheiten schränken die Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern leider ein“, moniert die TU.

Zu Finanzierungskürzungen bei hessisch-amerikanischen Forschungsprojekten ist es laut dem Wissenschaftsministerium in Wiesbaden bislang nur vereinzelt gekommen. „Einige Forschungseinrichtungen halten Einschränkungen bei möglichen zukünftigen Kooperationsprojekten in Bereichen wie erneuerbare Energien oder Klimaforschung für möglich“, ergänzt das Ministerium.

US-Präsident Donald Trump sieht Klima- und Migrationsforschung an Hochschulen kritisch. (Archivbild)Alex Brandon/AP/dpa

US-Präsident Donald Trump sieht Klima- und Migrationsforschung an Hochschulen kritisch. (Archivbild)Alex Brandon/AP/dpa

© Alex Brandon/AP/dpa

Hessen könnte aber auch profitieren. Die Uni Frankfurt berichtet von mehr Kooperationsanfragen aus den USA: „Deutlich wird von amerikanischer Seite betont, dass man verstärkt nach kooperationswilligen europäischen Partnern Ausschau hält, um gemeinsam (Drittmittel-)Projekte aufzusetzen in Bereichen, in denen die staatliche Forschungsförderung der USA zurückgefahren wurde.“ Also etwa in der Klima-, Konflikt-, Gender- und Migrationsforschung.

Die Goethe-Universität Frankfurt formuliert für die Zukunft die Hoffnung, „dass man vor allem hoch qualifizierte Studierende aus anderen Ländern, die sich früher um Studienplätze/Promotionsplätze in den USA bemüht hätten, auf den Wissenschaftsstandort Deutschland aufmerksam machen kann für englischsprachige MA- und PhD-Programme“.

Die Technische Universität Darmstadt beklagt Probleme bei Forschungsreisen in die USA wegen teils stockender Visumvergabe. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

Die Technische Universität Darmstadt beklagt Probleme bei Forschungsreisen in die USA wegen teils stockender Visumvergabe. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

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