Politik Inland

Berichte über Angriffe auf Ukrainer in Polen mehren sich

Böse Worte im Bus, Schläge auf der Straße: Wendet sich in Polen die Stimmung gegen die Ukrainer? Der Innenminister verspricht „null Toleranz“. Er macht die Rechte für Übergriffe verantwortlich.

Von dpa

14.07.2026

Bei vielen Polen wendet sich die Stimmung gegen die Ukrainer im Land. (Archivbild)Czarek Sokolowski/AP/dpa

Bei vielen Polen wendet sich die Stimmung gegen die Ukrainer im Land. (Archivbild)Czarek Sokolowski/AP/dpa

© Czarek Sokolowski/AP/dpa

Vor dem Hintergrund politischen Streits mit der Ukraine häufen sich in Polen Berichte über Übergriffe auf dort lebende Ukrainerinnen und Ukrainer. Großes Aufsehen erregte ein Zwischenfall in Bielsko-Biala im Südwesten Polens. In einem Bus beschimpfte ein Mann ukrainische Mädchen unflätig und verlangte, sie sollten in ihr Land zurückkehren. 

In Sosnowiec im Süden wurde nach Medienberichten vom Dienstag ein Mann verhaftet, der in den vergangenen Wochen dreimal Ukrainer angegriffen haben soll. In Lodz in Zentralpolen erstattete ein Pole Anzeige. Er war verprügelt und am Kopf verletzt worden, weil der Angreifer ihn für einen Ukrainer hielt. Das meldete die Nachrichtenagentur PAP nach Polizeiangaben. 

Innenminister verspricht null Toleranz

Innenminister Marcin Kierwinski warf der politischen Rechten vor, Stimmung gegen die etwa 1,5 Millionen Ukrainer in Polen zu machen. „Die Opfer sind sowohl Polen wie Ausländer“, schrieb er auf dem Portal X. Die Polizei werde in allen Fällen entschlossen reagieren: „Null Toleranz!“ Die linksliberale Zeitung „Gazeta Wyborcza“ schrieb von einer Hetzjagd: „Ihr Ziel sind die Ukrainer, die angeblich für all unsere Probleme und Misserfolge verantwortlich sind.“ 

Der aktuelle Streit der Verbündeten hat sich an einem schwierigen Kapitel im Zweiten Weltkrieg entzündet. Die Ukraine ehrt Partisanen der Ukrainischen Untergrundarmee UPA als Kämpfer für Unabhängigkeit. Doch in den Jahren 1943-45 verübte die UPA Massaker an Zehntausenden Polen. Der seit Mai schwelende Streit geht mittlerweile über Geschichtspolitik hinaus und droht, auch die militärische und wirtschaftliche Kooperation zu beeinträchtigen.

Angriffe auf Ukrainer nur Einzelfälle?

Schon vor 2022 lebten und arbeiteten Hunderttausende Ukrainer und Ukrainerinnen in Polen. Nach dem russischen Einmarsch nahm Polen sehr hilfsbereit Flüchtlinge auf und integrierte sie. Mittlerweile wendet sich die gesellschaftliche Stimmung aber eher gegen die Ukrainer. Der Abgeordnete Janusz Kowalski von der nationalkonservativen Partei PiS fragte auf X, ob Ukrainer im wehrfähigen Alter in ihre Heimat zurückgeschickt werden sollten. Dafür erhielt er Tausende Stimmen mit deutlicher Zustimmung.

Der konservative Publizist Lukasz Warzecha sprach auf X von einer Reaktion gegen eine angeblich „aufgezwungene Begeisterung für die Ukrainer“ zu Kriegsbeginn. Die Übergriffe seien Einzelfälle, die übertrieben würden. „Der Großteil der Ukrainer fühlt sich in Polen wohl, und niemand schikaniert sie.“

Karte
Das könnte Sie auch interessieren
US-Präsident Trump rückt wieder von seiner Gebührenidee in der Straße von Hormus ab.Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Update -

Politik Inland

zur Merkliste

Straße von Hormus: Trump lehnt plötzlich Gebührenidee ab

Erst am Montag sorgte US-Präsident Trump mit seiner Idee einer Gebühr in der Straße von Hormus für Furore. Nur einen Tag später kassiert er das Vorhaben wieder – und präsentiert eine neue Idee.

Truppen der Länder der Koalition der Willigen führten die Militärparade zum französischen Nationalfeiertag an.Thomas Padilla/AP/dpa
Update -

Politik Inland

zur Merkliste

Größte Militärparade unter Macron - Ukraine im Fokus

Frankreichs Präsident Macron lädt zur umfangreichsten Militärparade seiner Amtszeit. Kanzler Merz und weitere Gäste geben mit ihrer Teilnahme ein Zeichen der Unterstützung für die Ukraine ab.

Politik Inland

zur Merkliste

Straße von Hormus: Trump rückt von Gebührenidee wieder ab

Nur einen Tag nach der Ankündigung einer Gebühr für die sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus rückt US-Präsident Donald Trump wieder von seiner Idee ab. Nach „äußerst produktiven Gesprächen“ mit nicht namentlich genannten Vertretern von Staaten im Nahen Osten wolle er stattdessen Investitionen von Golfstaaten in den USA vorantreiben, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.