Wie ziehe ich in meiner Beziehung Grenzen?
Wie gelingt es, in der Partnerschaft eigene Bedürfnisse zu schützen, ohne den anderen vor den Kopf zu stoßen? Eine Expertin gibt Tipps, wie man seine Grenzen erkennt und respektvoll kommuniziert.
Menschen sind ganz unterschiedlich. Auch in einer Partnerschaft wollen beide daher nicht immer dasselbe. picture alliance / dpa Themendienst
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Auch wenn man zu zweit durchs Leben geht: Manchmal möchte man einfach nicht dasselbe wie der Partner.
Ein Beispiel: Man ist eingeladen auf eine Familienfeier des Partners - und weiß, dass einem die Menschen dort nicht guttun. Der oder die Liebste erwartet dennoch, dass man sich dort blicken lässt. Muss das sein? Oder darf man da eine Grenze ziehen und beispielsweise sagen „Ich komm‘ nicht mit“?
Ja! Denn das eigene Bauchgrummeln zu unterdrücken, ist keine gute Idee. „Grenzen dienen in einer Partnerschaft gegenseitigem Respekt, sie helfen, eigene Bedürfnisse zu schützen und auch die Bedürfnisse des anderen wahrzunehmen“, sagt Petra Beschoner. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin und Ärztliche Leiterin der Akutklinik Bad Saulgau. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Paare:
1. Schritt: Grenzen ermitteln
Grenzen sind bei allen Menschen unterschiedlich. Um herauszufinden, wo die eigenen verlaufen, können wir uns diese Fragen stellen:
- Was sind meine Wünsche?
- Wovor habe ich Angst?
- Welche Werte sind mir wichtig?
- Welche Ziele habe ich?
Es hilft auch, die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen - wie etwa Anspannung, Unwohlsein oder Kopfschmerzen.
2. Schritt: Grenzen kommunizieren
Partnerin oder Partner müssen von den eigenen Bedürfnissen und Grenzen aber auch erfahren. Das geht am besten mit einer offenen, ehrlichen und einfühlsamen Kommunikation. Ich-Botschaften und Empathie können vermeiden, dass sich die andere Seite angegriffen fühlt.
Zurück zum Familienfeier-Beispiel: In einem Gespräch kann man dem Partner sanft erklären, wie man sich dort fühlt. Gleichzeitig signalisiert man, dass man den Wunsch ernst nimmt, mit auf diese Feier zu gehen.
Auf dieser Grundlage können beide darüber sprechen, wie sie damit umgehen wollen. Womöglich gibt es einen Kompromiss, der für beide funktioniert. So kann man beispielsweise vereinbaren, dass man nur für ein Stück Kuchen auf der Feier bleibt.
3. Schritt: Absprachen einhalten
An die Absprache müssen sich dann auch beide halten. Denn bei Grenzen ist vor allem auch Konsistenz wichtig: „Ich bleibe klar und konsequent bei meiner Haltung, sonst schüre ich Unsicherheit und Misstrauen im Partner“, sagt Petra Beschoner.
Dafür müssen die Grenzen vielleicht auch immer wieder kommuniziert werden, bis sie auf der anderen Seite ankommen. Und zur Not auch Konsequenzen gezogen werden.
Zurück zur Familienfeier: Wenn eine Erinnerung an den Partner nicht ausreicht, dann verlässt man die Feier eben alleine. Hilfreich ist auch, gleich zu Beginn den Gastgebern zu sagen, wann man die Feier wieder verlassen wird. Das reguliert die Erwartungen.
Anspannung, Unwohlsein, Bauchgrummeln? Sie sind klare Warnsignale dafür, dass die eigenen Bedürfnisse in der Beziehung nicht genug berücksichtigt werden. Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn
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Was brauche ich? Was ist mir wichtig? Nur wer sich mit seinen eigenen Grenzen beschäftigt hat, kann sie auch kommunizieren. Christin Klose/dpa-tmn
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Eine Frage der Verpackung: Ich-Botschaften helfen dabei, die eigenen Gedanken und Gefühle respektvoll zu kommunizieren. Vorwürfe à la „Immer machst du ...“ sind tabu. Monique Wüstenhagen/dpa-tmn
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