Was uns zu mehr Freude im Job verhilft
Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens im Job. Trotzdem reden wir oft nur davon, wie wir ihn überstehen. Was wir wirklich von Arbeit erwarten dürfen – und welche Rolle der Spaß spielt.
Gelegenheit für Humor und eine positive innere Haltung: Beschäftigte können sich auch eigeninitiativ für mehr Spaß bei der Arbeit einsetzen. picture alliance / Westend61
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„Noch drei Tage bis zum Wochenende“, „Bald habe ich endlich Urlaub“: Das Arbeitsleben ist oft geprägt von Durchhalteparolen. Geht das nicht auch anders? Welche Rolle Spaß bei der Arbeit spielt und was wir selbst für mehr Freude im Berufsleben tun können.
Muss mein Job Spaß bringen?
Der Frage, ob Erwerbsarbeit Spaß und Freude machen muss, ist Hannes Zacher, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologe an der Universität Leipzig in seiner Forschung nachgegangen.
„Ich glaube, die Erwerbsarbeit muss nicht unbedingt Spaß machen“, sagt er. Für viele ist es aber durchaus erstrebenswert. In einer Studie mit einer repräsentativen Stichprobe an Erwerbstätigen stellten Zacher und sein Team die Frage: Wenn Sie sich für ein Arbeitsleben entscheiden müssten, welches würden Sie dann wählen? Zur Auswahl standen drei Optionen:
- das freudige Arbeitsleben
- das sinnhafte Arbeitsleben
- oder das interessante, psychologisch-reichhaltige Arbeitsleben
Ungefähr die Hälfte gab an, dass sie sich das freudige, spaßige Arbeitsleben heraussuchen würde. Ein Viertel wollte lieber Sinnhaftigkeit bei der Arbeit erleben, also etwas Bedeutsames tun. Ein weiteres Viertel wollte, dass die eigene Arbeit psychologisch reichhaltig ist, also interessant und abwechslungsreich ist und neue Perspektiven eröffnet.
„Also die Hälfte der Beschäftigten wünscht sich Spaß bei der Arbeit“, so der Arbeitspsychologe. Für die andere Hälfte sei das „sicherlich auch etwas Schönes, aber es ist nicht die absolute Priorität.“
Business-Coachin Astrid Kaiser zufolge ist mit entscheidend, wie Spaß definiert wird. „Da wir einen großen Teil unserer Lebenszeit am Arbeitsplatz verbringen, wäre es aber wertvoll, zu sagen: Ich möchte ein gutes Gefühl bei dem haben, was ich beruflich tue“.
Spaß müsse man nicht permanent empfinden, wichtig sei etwas zu tun, das den eigenen Bedürfnissen entspricht. „Ich sollte eine Verbindung spüren, eine gewisse Lebendigkeit fühlen, wenn ich meiner Tätigkeit nachgehe.“
Kann ich überall Spaß bei der Arbeit finden, unabhängig von meinem Job?
Hannes Zacher: „Als Arbeitspsychologe würde ich sagen: Ja, das kann ein Ziel sein.“ Und zwar unabhängig davon, um welchen Job es geht oder was die genauen Aufgabeninhalte sind - von der Supermarktkasse bis zum Büro.
Dafür gibt es verschiedene Stellschrauben. Zum einen könne der Arbeitgeber versuchen, die Arbeit so umzugestalten, dass wieder mehr Spaß entsteht. Etwa, indem er Austausch möglich macht und fördert oder Aufgaben mit den Interessen der Beschäftigten in Einklang bringt.
Gleichzeitig können Beschäftigte auch eigeninitiativ etwas bewegen. „Sie können schauen, wie sie Spaß in die Arbeit reinbringen, indem sie zum Beispiel mit ihren Kolleginnen und Kollegen oder auch mit sich selbst kleine Wettbewerbe veranstalten“, so Zacher.
Was kann ich selbst konkret tun, um mehr Spaß zu erleben?
Laut Arbeitspsychologe Zacher zählt vor allem Offenheit und „die Einstellung, dass Arbeit auch Spaß machen kann und darf“. Gibt es Momente, die ich mit Humor nehmen kann? Momente, in denen ich Witze machen kann? Gibt es Gelegenheiten, den Spaß an einer Aufgabe selbst zu finden, indem man seine Einstellung zu ihr verändert?
Beschäftigte können auch überlegen, ob sie bestimmte Tätigkeiten in anderer Reihenfolge oder mit jemandem zusammen erledigen können, den sie bei der Arbeit gerne mögen. „Leute, die Spaßverderber oder sogar toxisch sind, sollte man hingegen bei der Arbeit eher vermeiden“, so Zacher.
Auch Coachin Astrid Kaiser betont die Bedeutung der inneren Haltung. Beschäftigte, die wieder mehr Freude im Job erleben wollen, können sich zum Beispiel morgens eine klare Absicht für den Tag setzen: „Ich starte heute mit Leichtigkeit in diesen Tag.“ Oder: „Alles, was ich tue, darf mir heute Freude bringen.“ Oder: „Ich werde heute besonders viel Fokus auf unser Miteinander im Team legen.“
Positive Gefühle, Spaß und Freude lassen sich der Coachin zufolge fördern, indem man den eigenen Arbeitsplatz - egal ob im Unternehmen oder zu Hause - schön gestaltet und sich so eine Atmosphäre schafft, in der man sich wohlfühlt.
Nicht zuletzt rät Kaiser, darauf zu achten, wie man seinen Arbeitstag strukturiert. „Es hilft zum Beispiel, sich morgens als Erstes eine Aufgabe vorzunehmen, die mir einfach entweder Spaß oder ein gutes Gefühl gibt.“ Das positive Gefühl, bereits etwas erledigt zu haben und Freude daran gehabt zu haben, wirke sich auf die Grundenergie für den anstehenden Tag aus.
Wenn der Job keinen Spaß bringt: Worauf kann man sich alternativ fokussieren?
Arbeit kann sich nicht nur dann erfüllend anfühlen, wenn wir dabei Spaß und Freude haben. Auch Sinnhaftigkeit und Bedeutsamkeit oder psychologische Reichhaltigkeit können ein erstrebenswertes Ziel sein.
Wichtig: Es gibt immer Tage im Arbeitsleben, in denen man womöglich nichts davon empfindet. „Aber das ist auch nicht so schlimm“, sagt Hannes Zacher. „Zum Glück ändert sich die Arbeit und die eigene Einstellung zur Arbeit ständig.“
Wann ist es Zeit, für einen neuen Job?
Problematisch wird es dem Arbeitspsychologen zufolge dann, wenn keine der genannten Dimensionen im Beruf je erfüllt wird. „Dann ist das eigene Wohlbefinden im Job gefährdet und man sollte sich vielleicht überlegen, ob man sich einen anderen Job oder eine andere Organisation sucht.“
Wenn man im Job gar keinen Spaß empfindet, sollte das einen Reflexionsprozess anstoßen, so Astrid Kaiser: „Warum bringt der Job keinen Spaß und welche Schlüsse und Konsequenzen kann ich daraus ziehen? Was würde mir stattdessen guttun?“ Aushalten sei immer die schlechteste Variante. „Das kostet einfach viel zu viel Kraft und Lebensfreude.“